Fassbinders Drama über das Nachkriegsdeutschland: Premiere vor 25 Jahren: "Die Ehe der Maria Braun"
VON DIRK GRUPE - zuletzt aktualisiert: 20.02.2004 - 09:27Düsseldorf (rpo). "Schlafen kann ich, wenn ich tot bin", war das Motto von Rainer Werner Fassbinder. Der internationale Durchbruch gelang dem wie besessen arbeitenden Filmemacher vor 25 Jahren. Am 20. Februar 1979 hatte auf der Berlinale das Drama "Die Ehe der Maria Braun" Premiere. Eine bittere Anklage an das Nachkriegsdeutschland.
Der Auftakt seiner BRD-Trilogie (es folgten "Lola" und "Die Sehnsucht der Veronica Voss") erzählt eine Geschichte, die beispielhaft für viele Frauenschicksale im Nachkriegsdeutschland steht. Maria Braun (Hanna Schygulla) arbeitet nach Kriegsende als Bardame und wartet auf die Rückkehr ihres Mannes Hermann (Klaus Löwitsch). Als sie die Nachricht erhält, ihr Mann sei gefallen, beginnt sie eine Affäre mit dem farbigen Soldaten Bill (Georg Byrd). Plötzlich steht Hermann in der Tür, als Maria gerade mit Bill ins Bett gehen will. Maria erschlägt den Liebhaber mit einer Flasche, um ihrem Mann zu zeigen, dass sie ihn noch liebt. Vor Gericht übernimmt Hermann die Schuld und geht ins Zuchthaus.
Für ihre Darstellung einer selbstbewussten und tatkräftigen Frau wird Hanna Schygulla auf der Berlinale geehrt. Fassbinder erhält für sein kommerziell erfolgreichstes Werk das Filmband in Silber und den großen Preis der Filmtage von Orleans.
Der Regisseur gilt als wichtigster Vertreter des Neuen Deutschen Films. Sein Schaffen in über 40 Kino- und Fernsehfilmen ist geprägt von der eigenen unglücklichen Nachkriegskindheit. Fassbinders Vater, ein Arzt, lehnte ihn ab, die Mutter klammert sich krankhaft an ihn. Ohne seelischen Halt und dem Gefühl der Einsamkeit, flüchtete er in die Scheinwelt des Theaters mit dem Ziel: "Viele Filme machen, damit mein Leben zum Film wird."
Sein meisterhaftes Drama die "Ehe der Maria Braun" endet mit dem Tod von Maria und Hermann, die bei der Gasexplosion ihres Hause umkommen – am Tag des Endspiels der Fußballweltmeisterschaft 1954. "Aus! Aus! Aus! Das Spiel ist aus. Deutschland ist Weltmeister" hallt es aus dem Radio, das in dem zerstörten Haus noch läuft.
Fassbinders eigene Tragödie endet am 10.Juni 1982. In seiner Münchner Wohnung wird der Künstler im Alter von 37 Jahren tot aufgefunden, vermutlich in Folge der Einnahme von Kokain und Schlaftabletten. Alleine während der Dreharbeiten zu "Die Ehe der Maria Braun" soll er täglich fünf Gramm Kokain geschnupft haben.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






