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Interview mit Regisseur: Quentin Tarantino liebt Kino-Schund

VON PETER BEDDIES FÜHRTE DAS INTERVIEW - zuletzt aktualisiert: 17.07.2007

Düsseldorf (RP). Quentin Tarantino hat einen neuen Action-Thriller gedreht: „Death Proof“ mit wahnwitzigen Autojagden auf Leben und Tod. In dieser Woche kommt der Film – der in Amerika im Doppelpack mit dem Zombiefilm „Planet Terror“ gezeigt wurde – in die deutschen Kinos.

Quentin Tarantino hat eine gewissen Gewalt in sich.  Foto: RPO
Quentin Tarantino hat eine gewissen Gewalt in sich. Foto: RPO

„Grindhouse“ sollte ein Doppelpack aus zwei Filmen werden: dem Zombiefilm „Planet Terror“ von Robert Rodriguez und dem actionreichen Road-Movie „Death Proof“ von Quentin Tarantino. Doch die große Hommage an die Schundfilme der 70er Jahre fiel in Amerika gnadenlos durch. In Deutschland sind die Filme jetzt einzeln zu sehen, den Auftakt macht in dieser Woche „Death Proof“: Mike, ein Psychopath und früherer Stuntman, jagt darin gnadenlos junge Frauen. Darunter eine echte Stuntfrau, die zur blutigen Rachegöttin wird. Reichlich Action, bei der Autos frontal aufeinanderprallen und sich ein Mädchen nur zum Spaß auf eine Kühlerhaube binden und johlend über die Landstraße fahren lässt.

Was ist eigentlich ein „Grindhouse“, das Ihrem Projekt den Namen gab?

Tarantino Das waren Kinos, in denen die billigsten der billigen Filme gezeigt wurden. Meist halt im Doppelpack. Horrorfilme, Sexstreifen, Gewaltfilme. Alles mögliche, was nicht in den normalen Kinos gezeigt werden durfte oder sollte. Heute gibt es diese Säle leider nicht mehr. Wo verbringen filmbegeisterte Kids heute eigentlich ihre Nachmittage? Sie können einem Leid tun.

Und dort, in so einem „Grindhouse“ sind Sie früher oft gewesen?

Tarantino In den späten 70er Jahren ständig. Erst bin ich über den Zaun geklettert, weil ich noch zu jung war. Meinten die Erwachsenen jedenfalls. Dann bin ich offiziell hin. Dort konnte man die Filme anschauen, die wirklich Spaß gemacht haben. Schundfilme. Und Schund macht Spaß! Das wollte ich mit „Death Proof“ zeigen. Wenn die Mädels einen coolen Dialog nach dem nächsten abliefern, wenn in der zweiten Stunde Kurt Russell gejagt wird – Wow, das sind Filme, für die ich ins Kino gehe.

Worin genau lag der Reiz für Sie, gemeinsam mit Robert Rodriguez ein Schund-Doppelfeature zu machen?

Tarantino Eindeutig in der Reduktion. Wie viel kann ich weglassen? Ab wann funktioniert ein Film nicht mehr? Man probiert das doch viel zu selten: Was macht einen Film eigentlich aus? Wo hört sein Gerippe auf und wo fängt das Fleisch an? Wo kann man vom darüber liegenden Fett noch etwas wegnehmen? Wir wollten zwei rasante und kurze Filme, angereichert mit einigen Fake-Trailern. Fertig war der Spaß.

Das „Grindhouse“-Projekt hatten Sie also nie für die Kinos in Deutschland vorgesehen.

Tarantino Richtig. Das war uns ziemlich zeitig klar. Wissen Sie, gerade in Europa sind die Zuschauer dankbarer, was die Länge eines Filmes angeht. Da kann man schon mal ein paar Worte mehr verlieren. Der Zuschauer bleibt dran, steht nicht auf und geht Popcorn holen, weil es ihn gerade langweilt und er auf die nächste Action wartet.

Sie haben die beiden Filme wieder auseinander genommen . . .

Tarantino . . . und mit etwas Zusatzmaterial versehen. Aber im Grunde genommen sind es dieselben Filme.

Was haben Sie hinzugefügt? Action oder Dialog? Das Gerede der Frauen in der ersten Stunde kann manchmal schon ordentlich nerven.

Tarantino Finden Sie? Ich finde, dass davon jedes Wort sitzt.

Sind Sie persönlich getroffen?

Tarantino Ich bin nicht beleidigt. Aber es gibt mir tief in der Seele einen Stich. Denn wirklich alles in meinen Filmen läuft über Dialoge.

Warum hat „Grindhouse“ nicht in Amerika funktioniert?

Tarantino Der Fehler lag wohl darin, dass wir den Bekanntheitsgrad von „Grindhouse“ und die typischen Doppel-Features überschätzt hatten. Außerdem planen Amerikaner heute ihren Kinoabend nicht mehr so wie vor ein paar Jahren.

Was heißt das genau?

Tarantino Sie wollen schick zu Abend essen und einen Film sehen. Wenn der Film aus zwei Filmen besteht und sie nicht mehr genügend Zeit haben, Essen zu gehen, sagen sie leider: „Fuck the Movie“. Aber das gilt nur für die USA. Im Rest der Welt sollte „Grindhouse“ sowieso nicht in dieser Form laufen.

Was passiert mit „Planet Terror“, dem zweiten Film von „Grindhouse“?

Tarantino Roberts Film kommt auch noch dieses Jahr in die deutschen Kinos.

Und „Grindhouse“?

Tarantino Sollte es auch überall auf DVD geben. Aber ich kann noch nicht sagen, wann das sein wird. Fest steht, es geht nichts verloren. Mich würde es freuen, wenn sich Museen bei uns melden würden. Dann könnte man nämlich „Grindhouse“ als Double-Feature zeigen und im Anschluss in Ruhe darüber reden.

Quelle: RP

 
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