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Unvergessene Filme: Regielegende Billy Wilder vor 100 Jahren geboren

zuletzt aktualisiert: 22.06.2006 - 08:12

Frankfurt/Main (rpo). Wer an ihn denkt, denkt meist an witzige Filme voller Situationskomik und herausragender Beobachtungssgabe. Billy Wilder wäre am Donnerstag 100 Jahre alt geworden. Trotz seines Todes: In Vergessenheit wird der US-Regisseur mit den europäischen Wurzeln so schnell wohl nicht - dafür hat er einfach zu viele Filme gedreht.

Billy Wilder nervte mit seinem deutschen Akzent sogar Humphrey Bogart - im positiven Sinne.  Foto: AP, AP
Billy Wilder nervte mit seinem deutschen Akzent sogar Humphrey Bogart - im positiven Sinne. Foto: AP, AP

Ob der düstere Thriller "Die Frau ohne Gewissen", ob "Boulevard der Dämmerung", die kritische Auseinandersetzung mit der Traumfabrik Hollywood, das Gerichtsdrama "Zeugin der Anklage", der unvergängliche Komödienklassiker "Manche mögen's heiß" oder die Tragikomödie "Das Appartement" - sie alle tragen das Markenzeichen eines Mannes, der sein Handwerk perfekt beherrschte, sein Millionenpublikum nie langweilte und sich auch von Kritikern nicht beirren ließ. Zu letzterem bestand allerdings auch selten Grund, denn Wilder war als Drehbuchautor wie als Regisseur eine Klasse für sich.

Geboren wurde Billy Wilder, dessen Vorname eigentlich Samuel war, am 22. Juni 1906 in Sucha in Galizien, das damals noch Teil Österreich-Ungarns war. Kindheitsjahre verbrachte er in Krakau, dann zog die jüdische Familie 1914 nach Wien. Bereits mit 18 Jahren wurde Wilder Reporter bei einem Boulevardblatt. 1926 kam der Jungjournalist nach Berlin, wo er bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 blieb. Er machte in der deutschen Hauptstadt eine steile Karriere als Drehbuchautor. Nach der Abkehr von Hitler-Deutschland gelangte Wilder über Paris in die USA. Doch in Hollywood hatte niemand auf ihn gewartet, harte Jahre als angestellter Lohnschreiber für die Paramount Studios in Hollywood folgten.

In den letzten Jahren mit Ehrungen überhäuft

Entscheidend für Wilders amerikanische Karriere war die Begegnung mit dem ebenfalls aus Deutschland geflüchteten Regisseur Ernst Lubitsch. Für ihn schrieb Wilder zusammen mit Charles Brackett die Bücher der von Lubitsch inszenierten Meisterkomödien "Blaubarts achte Frau" (1938) und "Ninotschka" (1939), einer der großen Erfolge von Greta Garbo. In Zweiten Weltkrieg fungierte Wilder zeitweise als Leiter der Filmabteilung der US-Armee. In Hollywood war er inzwischen mit seinem Partner Brackett zum höchstbezahlten Autoren der Traumfabrik aufgestiegen. Doch Wilder wollte endlich selbst Regie führen.

Später hat er sich amüsiert erinnert an die Reaktionen der Filmbosse auf seine neuen Ambitionen: "Sie haben mich machen lassen und insgeheim gehofft, dass ich damit auf den Arsch falle und dann reumütig zurückkomme und weiter meine Drehbücher schreibe." Doch bereits 1945 feierte Wilder mit dem Drama "Das verlorene Wochenende", die Geschichte eines alkoholsüchtigen Dichters, den ersten von etlichen Oscar-Triumphen: Wilder erhielt die Auszeichnungen fürs beste Drehbuch und die beste Regie. Der jüdische Emigrant mit dem deutschen Akzent, der einst Humphrey Bogart so nervte, hatte sich endgültig durchgesetzt.

Billy Wilder ist am 27. März 2002 im Alter von 95 Jahren in seinem Haus in Beverly Hills gestorben. In seinen letzten Jahren ist der Filmemacher mit Ehrungen geradezu überhäuft worden, besonders in Österreich und Deutschland. In beiden Ländern war man sich nur zu gut bewusst, welch ein Verlust an Können und Kreativität mit der Vertreibung Wilders verbunden war. Hollywood hat davon in hohem Maße profitiert. Doch die Filme des Regisseurs, der eine Tochter aus der ersten von zwei Ehen hinterließ, gehören auch zum künstlerischen Erbe Europas. Billy Wilder hat nie vergessen, woher er kam. Aber er konnte und wollte auch nicht vergessen, dass seine Mutter und sein Großvater in Auschwitz ermordet wurden.

Quelle: ap

 
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