Brite drehte "Asphalt Cowboy": Regisseur John Schlesinger gestorben
zuletzt aktualisiert: 25.07.2003 - 19:13New York (rpo). Der britische Regisseur John Schlesinger ist am Freitag im Alter von 77 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben. Zu seinen Markenzeichen gehörte der traurige Schluss. Mit Filmen wie "Asphalt Cowboy" und "Sunday, Bloody Sunday" sorgte Schlesinger für Gesprächsstoff.
Wann immer Hollywood es zuließ, verzichtete der britische Regisseur John Schlesinger in seinen Filmen auf ein Happy End. Allgemeine Glückseligkeit als Auflösung von Konflikten, wie Amerikas Publikum sie liebt, "ist nicht meine Sicht der Welt", sagte Schlesinger. Am Freitag starb er im Alter von 77 Jahren nach schwerer Krankheit.
Im Dezember 2000 hatte der Regisseur von oft kontrovers diskutierten Filmen wie "Asphalt Cowboy" und "Sunday, Bloody Sunday" einen Schlaganfall erlitten. Zuletzt lag er auf der Intensivstation eines Krankenhauses in Palm Springs (Kalifornien). Am Donnerstag hatten die Ärzte die Apparate abgeschaltet, weil es keinerlei Hoffnung mehr gab.
1962 mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet
Hohe Anerkennung hatte Schlesinger schon in den 60er Jahren in Europa erfahren. Bereits sein erster Spielfilm "Nur ein Hauch Glückseligkeit" - die nüchtern inszenierte Liebesgeschichte zwischen einem technischen Zeichner und einer Sekretärin - war 1962 mit dem Goldenen Bären der Berliner Filmfestspiele ausgezeichnet worden. Es folgte eine Zusammenarbeit für drei Filme mit Julie Christie, die von Schlesinger zu Glanzleistungen geführt wurde. Für ihre Rolle in dem britischen Film "Darling" - Christie spielte ein Glamourmodel im Swinging London - erhielt sie 1965 den Oscar als beste Hauptdarstellerin.
Schlesingers Weltklasse bestätigte sich eindrucksvoll gleich mit seinem ersten Hollywood-Film. In "Asphalt Cowboy" zeigte er 1968 in bewegenden Bildern und trauriger Grundstimmung die Freundschaft zwischen zwei Außenseitern der amerikanischen Gesellschaft. John Voight spielte einen professionellen Callboy, dessen bester Freund ein TBC-kranker Obdachloser war. Diese Rolle brachte für Dustin Hoffman den Durchbruch. Der Film wurde für sieben Oscars nominiert und bekam drei, darunter den für die beste Regie.
Komplexe psychologische Spannungssituationen am Rande der heilen Welt reizten Schlesinger immer wieder. Er thematisierte Homosexualität im Intellektuellen-Milieu in "Sunday, Bloody Sunday" ebenso wie die Sorgen der Hollywood-Kleindarsteller in der Nathaniel-West-Verfilmung "Der Tag der Heuschrecke". Ein tiefgründiger und zugleich hochspannender Thriller gelang ihm 1976 mit "Der Marathon-Mann". Dustin Hoffman brillierte darin als Student und Langläufer, der einen Zahnarzt (Laurence Olivier) als untergetauchten KZ-Arzt entlarvt und die Ohnmacht gegenüber physischer Gewalt erfährt. Eine Zahnoperation inszenierte Schlesinger als beklemmende Folterszene.
Einer der spektakulärsten Spionagefälle der USA war 1985 Schlesingers Thema in "Der Falke und der Schneemann". Zwei Jahre später schuf er mit dem Voodookult-Thriller "Das Ritual" einen Horrorfilm, den die Kritik als Beispiel dafür nannte, dass dieses Genre durchaus "mehr als blutiges Kasperletheater" sein kann. Als Meister des gehobenen Unterhaltungskinos erwies sich der Sohn eines erfolgreichen Londoner Kinderarztes später mit "Madame Sousatzka". Shirley McLaine spielte in einem Londoner Arbeiterviertel eine Klavierlehrerin mit großer Zuneigung zu ihrem indischen Schüler.
Da stand auch Biografisches Pate. Aufgewachsen in einem musischen Elternhaus, war Schlesinger schon als Kind ein guter Pianist. Mit der Kamera erregte er ebenfalls bereits in jungen Jahren Aufsehen: Als Schüler filmte er heimlich seinen Direktor beim Wechseln der Badehose. Der war "not amused". Schlesinger fühlte sich später an den Vorfall durch so manche Reaktion von Studiobossen in Hollywood erinnert, wenn er Filme ohne glückliches Ende ablieferte.
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