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Kino-Flut: Rekord: Gleich 28 Kinofilme starten gleichzeitig

zuletzt aktualisiert: 25.04.2006 - 14:07

Berlin (rpo). Wer  ab Donnerstag ins Kino gehen möchte, dürfte die Qual der Wahl haben: Gleich 15 neue Filme laufen in Deutschlands Kinosälen an. Hinzu kommen noch kleinere Streifen sowie Wiederaufführungen. Insgesamt werden dann 28 unterschiedliche Filme zu sehen sein. Rekordverdächtig, aber nicht unbedingt positiv, zumal in Hinsicht auf die kommende WM.

Für Kinogänger ist die Meldung vom Fund dann doch eher uninteressant.  Foto: rpo/Vassilios Katsogridakis
Für Kinogänger ist die Meldung vom Fund dann doch eher uninteressant. Foto: rpo/Vassilios Katsogridakis

Das Spektrum ist dabei erwartungsgemäß sehr breit. Es reicht vom ambitionierten Dokumentarfilm "Arlit, ein zweites Paris" über eine Wüstenstadt in der Sahara bis zum chinesischen Fantasy-Epos "Wu Ji - Die Reiter der Winde". Die Masse der zu startenden Filme sind kleine und eher anspruchsvolle Produktionen für Programmkinos und Filmkunsthäuser. Leicht verdauliche Mainstream-Ware wie die Großfamilienkomödie "Deine, Meine & Unsere" sind die Ausnahme.

Hauptgrund für die Titelflut - da ist sich die Kinobranche einig - ist die Fußball-Weltmeisterschaft, die am 8. Juni eröffnet wird. Viele Verleiher befürchten, dass das große Turnier so viel öffentliche Aufmerksamkeit und Freizeitvolumen okkupiert, dass die Kinos leer stehen werden. Deshalb räumen die Verleiher rechtzeitig ihre Lager und werfen verfügbare Titel noch schnell auf den Markt.

Gegenseitige Blockade

Bei etlichen Kinobetreibern ruft dies Kopfschütteln oder Unmut hervor. Skeptiker unken bereits, dass sich die vielen Filme gegenseitig blockieren und damit ins wirtschaftliche Aus manövrieren werden.

Christian Schmalz, der Leiter des Kölner Programmkino "Off Broadway", ist jedenfalls so verärgert, dass er keinen der 28 Filme einsetzt. Stattdessen verlängert er lieber das in der Vorwoche angelaufene Filmdrama "Die Zeit, die bleibt" von Francois Ozon. "Bei den anspruchsvollen Filmen in meinem Kinoprogramm bin ich vor allem auf die Rezensionen in den Feuilleton-Seiten der Zeitungen angewiesen", erläutert Schmalz. "Wenn aber so viele Titel starten, ist diese Plattform überfüllt." Dann würden die meisten Titel nur in einer Kurznotiz besprochen oder gar nicht erwähnt.

Der Geschäftsführer des Verbands der Filmverleiher, Johannes Klingsporn, gibt dagegen zu bedenken, dass die außergewöhnliche Programmierung ökonomisch durchaus Sinn machen kann: "Eine Verbreiterung des Angebots kann theoretisch dazu führen, dass sich auch die Nachfrage erhöht." Die Titelschwemme stelle auf jeden Fall wegen des beschränkten Platzes in den herkömmlichen Medien eine große Herausforderung für die Filmbranche dar: "Es gilt, individualisierte Informationskanäle zu schaffen, damit die jeweiligen Zielgruppen auch erreicht werden."

Klingsporn bezweifelt, dass eine mögliche frühzeitige Absprache der Verleihfirmen über die Starttermine praxisgerecht wäre: "Anfang der 90er Jahre hat es bereits solche Versuche zur Entzerrung der Termine gegeben, die jedoch scheiterten." In Italien habe die Kartellbehörde Absprachen sogar untersagt. Im Übrigen habe jeder Verleiher gute Gründe für seine Terminentscheidung: Mal gelte es etwa, Fristen der Filmförderung einzuhalten, mal sei eine Tournee mit dem Regisseur geplant, mal sei der Film noch nicht fertig.

Kein brauchbarer Film während der WM

Kinobesitzer Schmalz weist auf ein weiteres Handicap für die Kinobetreiber hin. Während der WM starte kein einziger brauchbarer neuer Film für sein Kino. "Der erste relevante künstlerische Film ist 'Geheime Staatsaffären' von Claude Chabrol am 20. Juli", so Schmalz. Dafür zeichnet sich ab Mitte Juli eine neues Gedrängel samt einer Welle von Massenstarts ab. Am 13. Juli laufen Wolfgang Petersens Katastrophenfilm-Remake "Poseidon" und der dritte Teil des Raserfilms "The Fast and the Furious" an, in den beiden Folgewochen die Gespensterkomödie "Hui Buh" und der Piratenfilm "Fluch der Karibik 2" mit Johnny Depp.

Filmliebhaber werden also im Juni darben müssen und im Juli tendenziell überversorgt. Ob sich diese Taktik finanziell lohnt, bleibt abzuwarten.

Quelle: afp2

 
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