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Star-Regisseur gestorben: Robert Altman: Klassiker des bösen Blicks

VON SEBASTIAN FELDMANN - zuletzt aktualisiert: 21.11.2006 - 19:40

Düsseldorf (RP). Mit 81 Jahren starb in Los Angels der bedeutende amerikanische Filmregisseur Robert Altman in Los Angeles gestorben. Sein Werk ist so reich und vielfältig wie seine Palette amerikakritischen Humors. Er wurde mehr in Europa als im Heimatland geehrt.

Er war ein „Maverick“, ein ungezähmter Außenseiter, wörtlich eigentlich ein ungebrandmarkter Jung-Bulle, herrenlos. Er arbeitete in und trotz Hollywood. Mit 81 Jahren starb er nun in einem Krankenhaus in Los Angeles und hatte in seiner 55jährigen Laufbahn nicht weniger als 86 Filme gedreht - zum Teil mit so langen Pausen, dass man sich oft besorgt fragte, wo denn eigentlich der Altman abgeblieben sei?

Zusammen mit dem Engländer Stanley Kubrick galt er als einer der schärfsten Kritiker Hollywoods und auch des „American Way of Life“. Seine Kontinuität war seine Diskontinuität. Kaum einer seiner Filme ähnelte dem andern. Doch man wusste immer, dass man in einem Altman-Film saß.

Seine Filme zeichneten sich oft durch außergewöhnliche, ja zum Teil bizarre Erzähltechniken aus, durch Sprünge, die die Erzählkonventionen zerbrachen, dementierten, demontierten, durch bis zur Unverständlichkeit überlappende Dialoge. Kein Wunder, dass er in „Old Europe“ besser ankam als im Heimatland, er, der in Cannes zweimal die Goldene Palme abräumte und in Berlin zwei Goldene Bären, in Venedig zwei Goldene Löwen, während er in Hollywood zwar fünfmal für den „Oscar“ nominiert war, schließlich aber - jetzt im Frühjahr - doch nur einen Ehren-„Oscar“ fürs Lebenswerk davontrug.

Geboren in Kansas City (jener Stadt, der er 1996 den gleichnamigen Jazzfilm widmete) als Ingenieurssohn deutscher Herkunft, war er im Weltkrieg Bomberpilot in Asien. Gewiss haben seine Erfahrungen dort „im Feld“ seinen ersten kommerziellen Filmerfolg beeinflusst, nämlich „M.A.S.H.“, eine bitterböse, zum Teil bewusst geschmacklose Satire aus einem Militärhospital im Koreakrieg. Da geht beißende Kritik am Apparat mit Krankenschwestern-Witzchen eine unheilige Allianz ein - und 1970 bekam Altman dafür eine „Palme“ in Cannes.

„Nashville“, 1975, war eine - auch politisch bissige - Abrechnung mit der amerikanischen Hillbilly-Unterhaltungsindustrie. Ähnlich „Buffalo Bill and the Indians“ mit Paul Newman, worin der Westernmythos und Circus-Unternehmer höchst komisch aufs Korn genommen wird. Der Auftritt des Häuptlings Sitting Bull entlarvt die hohle Pose des angeblichen Helden. Einen neuen Blick auf Frauen öffnete „Three Women“ mit Sissy Spacek, und eine wunderbare Familiensatire wurde „Eine Hochzeit“ mit Mia Farrow, Geraldine Chaplin sowie dem greisen Stummfilmstar Lilian Gish in der Rolle einer bettlägerigen Grandma.

Der Misserfolg „Popeye“ mit Robin Williams bescherte Altman einen herben Karriereknick, den er erst 1982 durch die grandiose Hollywood-Satire „The Player“ mit Tim Robbins auszubügeln vermochte. Und dann kam der bejubelte Episodenfilm-Coup „Short Cuts“ mit neun bizarr ineinander verknoteten Kurzgeschichten über den Mittelstand mit einem beispiellosen Steinschlag am Ende.

Höchst elegant „Prêt-à-Porter“, eine Komödie über die Modewelt von Paris mit Marcello Mastroianni und Sophia Loren - jene mit einem knallroten Riesenrad von Hut. Eine ziemlich böse Frauenarztgeschichte mit Richard Gere („Dr. T. & the Women“; 2000) folgte - und erstmals in Europa drehte Altman „Gosford Park“ über ein hochherrschaftliches Landhaus in England, wo es drüber und drunter geht (und der Filmkenner das Muster von Jean Renoirs antifeudalistischem Drama „Die Spielregel“ wiedererkennt). Auf „A Prairie Home Companion“ (Berlinale, 2006), eine Hommage auf die gleichnamige Radioshow in Mittelwest, können wir uns noch freuen, da der Film erst im Januar in unsere Kinos soll.

Altman war - in einer durchaus widersinnigen Formulierung - ein Klassiker des bösen Blicks. Das ist er und wird es bleiben. Sich selbst nannte er einen „närrischen Optimisten“.


 
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