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Kinozauberer wider die Hollywood-Regeln: Robert Altman wird 80 Jahre alt

zuletzt aktualisiert: 19.02.2005 - 12:29

Frankfurt/Main (rpo). Robert Altman wird nicht müde. Der amerikanische Regie-Altmeister hat Film-Klassiker wie "M.A.S.H.", "The Player" oder "Short Cuts" gedreht. Derzeit arbeitet er wieder einmal gleichzeitig an mehreren Projekten. Heute feiert er seinen 80. Geburtstag.

Der "amerikanische Fellini" Robert Altman dreht schon seit vier Jahrzehnten Filme.  Foto: teleschau / Berlinale
Der "amerikanische Fellini" Robert Altman dreht schon seit vier Jahrzehnten Filme. Foto: teleschau / Berlinale

Der massige Mann aus Kansas hat nie einen Gedanken daran verschwendet, in Ruhestand zu gehen. Denn einer wie dieser neben dem etwas jüngeren Clint Eastwood wohl international meistbewunderten Filmemacher der USA lebt nicht nur von seiner Kunst, sondern mehr noch lebt und arbeitet für sie.

Wenn in Hollywood ein Regisseur als "amerikanischer Fellini" klassifiziert wird, blinken bei den dortigen Produzenten alle Warnzeichen auf. Und mit diesem Ruf wird man, wie bei Altman bereits fünf Mal geschehen, für den Oscar nominiert, bekommt ihn aber nicht. Der Regisseur weiß nur zu gut, wie karriereschädigend solche Lobesworte in der kalifornischen Illusionsfabrik sein können. Denn dort zählt die künstlerische Kreativität eines Robert Altman viel weniger als die Einspielergebnisse seiner Filme. Doch die Kritiker lieben seine Filme, das Publikum bewundert sie, und selbst höchstbezahlte Stars drängen sich um die Mitwirkung bei einem neuen Werk des Meisters auch für ein Statistenhonorar.

1969 wurde Altman mit einem Schlag weltberühmt, als sein Geniestreich "M.A.S.H." weltweit Furore machte. Mit dieser schwarzen Komödie über ein amerikanisches Feldlazarett im Korea-Krieg offenbarte sich der langjährige Regisseur von Industriefilmen und TV-Serien zur allgemeinen Überraschung als Filmautor mit unverwechselbarer Handschrift. Danach besaß Altman in der Doppelrolle als Produzent und Regisseur einige Jahre ungewöhnliche Freiheiten, die er zu einer Reihe außergewöhnlicher Filme nutzte: die eigenwillige Chandler-Verfilmung "Der Tod kennt keine Wiederkehr", das 24-Personen-Melodram "Nashville" oder die bitterböse Satire "Buffalo Bill und die Indianer".

Mit "The Player" zurück ins Geschäft

Diese Reihe von Meisterwerken war keine Serie kommerzieller Erfolge. Als in Hollywood niemand mehr Geld für Altman riskieren wollte, musste der erkennen: "Die Filme, die ich machen möchte, sind Filme, an denen die Studios kein Interesse haben." Doch anders als viele andere seiner Kollegen unterwarf sich Altman nicht diesen Interessen, sondern ging für einige Jahre nach Europa ins Exil, wo er einige Arbeiten fürs Theater, das Fernsehen und auch zwei Kinofilme machen konnte. 1990 kehrte er in die USA zurück, wo er auf Anhieb und völlig unverhofft einen großen Publikumserfolg landete.

"The Player" war der Titel des Films, eine mit Zynismus und Ironie gespickte Entlarvung des Hollywood-Betriebs. Nur acht Millionen Dollar hatte das Werk gekostet, spielte aber das Vielfache ein und wurde bei den Filmfestspielen in Cannes mit dem Regiepreis ausgezeichnet. Altman war wieder im Geschäft. 1993 ließ er den virtuosen Dreistundenfilm "Short Cuts" folgen, ein komplexes, wiederum figurenreiches Panorama des Stadtmolochs Los Angeles. Für viele ist das Altmans beste Arbeit für die Leinwand.

Zuletzt war im Mai 2004 Altmans Tanzfilm "Company" in Deutschland zu sehen. Ein Jahr lang beobachtete der Regisseur die Arbeit der berühmten Truppe am Joffrey Ballett in Chicago, wobei er dokumentarische Szenen mit einer Spielhandlung verwob. Das hat nicht allen gefallen, doch den siebenfachen Vater und vielmaligen Großvater kann das nicht irritieren: "Heute gibt es nur noch Schnitt, Schnitt, Schnitt, Filme im Videoclip-Tempo, es ist zum Kotzen." Altman macht, erst recht auf seine alten Tage, ganz andere Filme: Solche, die sich auf Menschen einlassen und die zeigen, warum diese Menschen scheitern, siegen und ihre Schicksale miteinander verbunden sind.

Quelle: ap

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