Regisseur wird 50: Roland Emmerich - "Der Spielbergle von Sindelfingen"
zuletzt aktualisiert: 04.11.2005 - 11:34Frankfurt/Main (rpo). Er gilt als der erfolgreichste deutsche Regisseur in Hollywood, hat Kassenschlager wie "Star Gate", "Independence Day" oder "The Day After Tomorrow" gedreht. Von Kritikern wurde der gebürtige Schwabe bislang eher stiefmütterlich behandelt, da bei ihm oft Special Effects und nicht Personen die Hauptrolle spielen. Das hat sich in letzter Zeit allerdings geändert. Am Donnerstag wird Emmerich 50 Jahre alt.
Wenn einem deutschen Filmemacher der Sprung ins Kinomekka Hollywood glückt, wird er beneidet, aber auch besonders kritisch beäugt. Denn wer vom mittelständischen deutschen Subventionsbetrieb in die Großindustrie wechselt, dem wird hier zu Lande noch immer klammheimlich unterstellt, die Filmkunst dem Erfolg mit Massenware opfern zu wollen. Auf Roland Emmerich, der am 10. November 50 Jahre alt wird, trifft das jedoch schon deshalb nicht zu, weil der gebürtige Schwabe nie mit Leinwandkunst etwas im Sinn hatte.
Gerade das hat ihn wahrscheinlich zum weltweit erfolgreichsten lebenden deutschen Filmregisseur gemacht. Der Sohn eines Sindelfinger Gartengeräte-Unternehmers hatte schon bei seinem 1983 an der Münchner Filmhochschule produzierten Abschlussfilm "Das Arche Noah Prinzip" nicht anspruchsvolle Cineasten, sondern das große Publikum im Visier. Und das hat sich in all den Jahren seitdem nicht geändert. Allen Verrissen zum Trotz konnte sich Emmerich in Hollywood als Garant für profitable Kinospektakel wie "Independence Day", "Godzilla" und zuletzt "The Day After Tomorrow" durchsetzen.
Mit diesem Katastrophen-Thriller erntete der einstmals spöttisch-liebevoll als "Spielbergle von Sindelfingen" titulierte Emmerich erstmals nicht nur einen Kassenhit, sondern auch eine Menge Respekt und Anerkennung beim Publikum. Dieser Film könnte eine Wende in der erstaunlichen Karriere Emmerichs signalisieren, nämlich eine Hinwendung zu differenzierteren Handlungen und Charakteren als in seinen früheren Werken. Die Berufung zum Jury-Präsident der diesjährigen Berlinale kann auch als Zeichen der wachsenden Hochachtung für seine Leistung gewertet werden.
Privat bescheiden und zurückhaltend
Persönlich tritt Emmerich, das konnte während der Tage des großen Filmfestivals in der deutschen Hauptstadt gut beobachtet werden, betont bescheiden auf, meist in Turnschuhen und Baseballmütze. Er ist sichtlich der filmbegeisterte Junge von einst geblieben, daran haben Erfolg, Ruhm und Reichtum wenig geändert. Als echter Schwabe hat er sich auch in Hollywood mit seiner kostengünstigen Arbeitsweise einen guten Namen gemacht. Bei Emmerich sind auch große Etats in den besten Händen, was Produzenten natürlich erfreut.
Für die nächste Zukunft plant der privat allein und skandalfrei lebende Regisseur mit Ferienhaus in Mexiko einen Film, der 10.000 Jahre vor unserer Zeit spielen soll. Auch einen Streifen über den ägyptischen Pharao Tut-ench-Amun will er realisieren, dazu ab und an kleinere, jedoch anspruchsvollere Produktionen. Roland Emmerich, nicht dafür bekannt, künstlerische Luftschlösser zu bauen, wird noch einige spektakuläre Filme auf die Leinwände der Welt bringen. Und so langsam beginnen auch seine alten Landsleute, stolz auf ihr "Spielbergle" in Kalifornien zu werden.
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