Interview mit der dem Hollywood-Star: Sandra Bullock: lieber zickig als eine Sexbombe
VON DAS INTERVIEW FÜHRTE PETER BEDDIES - zuletzt aktualisiert: 27.07.2009 - 19:20Düsseldorf (RP). Diese Woche meldet sich die US-Schauspielerin mit ihrem neuen Film "Selbst ist die Braut" nach langer Abstinenz zurück. Ein Gespräch über Nacktaufnahmen, ihre deutschen Wurzeln und Zickenalarm.
Sandra Bullock, Schauspielerin, Mutter und Gelegenheits-Model, kommt diese Woche mit der Komödie "Selbst ist die Braut" in die Kinos. In dem Film spielt sie eine zickige Chefin – eine Rolle, die ihr nach eigener Aussage auf den Leib geschneidert ist.
Neidisch ist sie übrigens auf eine typisch männliche Eigenschaft: Pinkeln im Stehen. Sie habe das auch schon ausprobiert, nur mit der Zielgenauigkeit würde es noch hapern, verrät sie. In unserem Interview erzählt sie aber noch Einiges mehr.
Sie waren eine ganze Weile nicht mehr im Kino zu sehen. Man hätte schon denken können, es habe mit der 40 zu tun?
Bullock Welche 40? Ich bin doch gerade mal 29, oder? Nein, Sie haben völlig recht. Diese Vermutung liegt nahe. Wenn sich eine 40-jährige Schauspielerin nicht nackt einem Produzenten auf den Bauch bindet, dann hat sie oft keine Chance mehr in diesem Beruf.
Ihr Weg, damit umzugehen...
Bullock Sie meinen, außer meinem Zynismus? Ganz einfach: Ich habe mich rar gemacht. Habe in Austin, Texas viel an unserem Haus gebaut, habe eine Bäckerei und ein Cafè eröffnet. Ich habe es mir einfach gut gehen lassen.
Und kein Heimweh nach der Filmbranche gehabt?
Bullock Sagen wir's mal so: Es hielt sich in Grenzen. Zum Glück habe ich in den letzten Jahren einiges verdient und einen guten Rat meiner Mutter beherzigt.
Und der war?
Bullock "Lerne was Anständiges, und wenn Du gut verdienst, tu was zur Seite, für den Fall, dass es mal nicht so gut läuft". Da ich das getan habe und nicht der Typ bin, der es liebt, Klinken zu putzen, habe ich einfach eine Pause vom Film-Geschäft gemacht und abgewartet, was passiert.
Und nun kommen Sie ausgerechnet mit dem Genre zurück, dass Sie angeblich so hassen, der romantischen Komödie.
Bullock Erstens: Sie haben recht, ich hasse dieses Genre. Aber nicht für das, was es alles kann oder was es mal war. In den 40er und 50er Jahren gab es eine ganze Reihe wahrer Perlen. Damals hießen sie auch nur Komödien und hatten einen leichten romantischen Touch. Heute legt man zu wenig Wert auf gute Geschichten und auf Witz in den Dialogen. Man versucht, stattdessen Romantik einzubauen. Was für ein Krampf! So was muss doch schief gehen!
Manche Schauspielerinnen beschließen mit Mitte Ende 30, dass sie nun nicht mehr nackt auftreten wollen. Sie fangen mit Mitte 40 damit an. Wie das?
Bullock Ganz einfach! Weil ich nackt die Leute aus dem Kino treibe.
Im Englischen nennt man so was "fishing for compliments".
Bullock Ach nein, so meine ich das nicht. Wann haben Sie denn zum letzten Mal etwas von Sandra Bullock, der Sexbombe, gelesen? Ich noch nie! Mein Partner im Film, Ryan Reynolds, der wird ständig so bezeichnet. Sollten Sie Spaß daran gehabt haben, mich hier nackt zu sehen, dann freut mich das. Aber generell glaube ich, dass eine nackte Sandra Bullock eher gut ist für einen Horrorfilm!
Am Anfang des Films sind Sie herrlich fies. Normalerweise haben Sie ja eher das Kumpel-Image. War es schwer, zur Zicke zu werden?
Bullock Machen Sie Witze? Erstens ist jeder Mensch eine Zicke, wenn man ihn denn lässt. Und zweitens verstelle ich mich in der Öffentlichkeit nur. O.K., das Zweite war geschwindelt. Aber das Erste stimmt. Es macht einfach Spaß, sich mal eine Weile nicht zusammenreißen zu müssen, diesem Biest in einem einfach nachzugeben. Damit kommt man sogar zu Hause eine Weile durch: "Ich spiele gerade so eine blöde Kuh, also bin ich heute schlecht drauf!": Aber das geht nur so lange, wie man dreht. Schade eigentlich.
Im Film spielen Sie eine strenge Chefin. Man kann sich das nicht so recht vorstellen, dass das auch im echten Leben so klappt.
Bullock Täuschen Sie sich nicht. Ich hatte eine extrem strenge Mutter, habe die ersten zwölf Jahre in Deutschland und Österreich gelebt. Ich weiß also, was man unter Disziplin versteht. Aber ich kehre das nur selten raus. Einfach nur Boss-Sein, das finde ich auch doof. Ich mag es, wenn jemand was von seiner Arbeit versteht. Nehmen Sie die Bäckerei, die wir in Austin aufgemacht haben. Dort sollen Brot und Brötchen und Kuchen genauso schmecken wie in meiner Kindheit. Also haben wir Ewigkeiten gesucht, bis wir Leute gefunden haben, die so backen können.
Stimmt eigentlich diese Geschichte, dass Sie gern wieder einen deutschen Pass hätten?
Bullock Na ja, ich habe an meinem 18. Geburtstag die deutsche Staatsbürgerschaft verloren. Nun habe ich letztens gehört, dass Jungs, die eine deutsche Mutter hatten, ihre Staatsangehörigkeit nicht verlieren. Vielleicht gilt das auch für meine Schwester und mich. Ich habe zwar die größte Zeit meines Lebens in den USA verbracht. Aber es wäre eine schöne Sache, auch Deutsche sein zu können. Zumal ich auch noch ganz gut Deutsch sprechen kann.
Was fällt am schwersten?
Bullock Den Akzent zu bekämpfen. Der, die und das setze ich manchmal falsch ein. Aber wenn ich zwei Monate hier in Deutschland verbringen würde, wäre es schon viel besser.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum


