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Komödie "Selbst ist die Braut": Sandra Bullock muss heiraten

VON THOMAS KLINGENMAIER - zuletzt aktualisiert: 30.07.2009 - 02:51

(RP). Zwar ist "Selbst ist die Braut" nur seichte Durchschnittsware aus dem Fach romantische Komödie. Doch Hauptdarstellerin Sandra Bullock ist gut wie lange nicht mehr. So überzeugend spielt sie die verkniffene Chefin, die plötzlich einen Mann finden muss – und im eigenen Vorzimmer fündig wird.

 Foto: Touchstone Pictures
Foto: Touchstone Pictures

"Die Hexe sitzt auf ihrem Besen" leuchtet als Sofortnachricht auf jedem Monitor im Großraumbüro auf. Verlagsmanagerin Margaret Tate (Sandra Bullock) rauscht zur Arbeit an und die Angestellten warnen einander vor einem neuen Tag schneidiger Schikane. Niemand hat mehr unter der eiswürfelkalten Margaret zu leiden als ihr beständig erniedrigter und verunsicherter Assistent Andrew Paxton (Ryan Reynolds). In "Selbst ist die Braut" geraten die Machtverhältnisse allerdings ein wenig durcheinander. Die erfolgsverkrampfte Kanadierin Margaret hat keine Arbeitserlaubnis mehr für die USA, die Deportation steht bevor – wenn sie nicht flugs einen einheimischen Bräutigam aus dem Hut beziehungsweise ihrem Vorzimmer zaubert und sich vom Standesbeamten zur US-Bürgerin machen lässt.

So erzwungen und altbacken diese Romantic-Comedy-Zwickmühle wirkt, die von Anne Fletcher inszenierte Zähmungs- oder Auftaukomödie funktioniert anfangs erstaunlich gut. Das liegt an den kleinen Details des Bürokriegs, vor allem aber an Sandra Bullock. Die war mal der bestbezahlte weibliche Star in Hollywood. Über Nacht, mit ihrem Überraschungserfolg "Speed" (1994) als Busfahrerin wider Willen in hochnotpeinlicher Gleich-gehen-wir-in-die-Luft-Situation, galt sie als neues Traumfabrik-Wunder: das archetypische Mädchen von nebenan mit dem Glanz von tausend Sonnen.

"Während Du schliefst" im Jahr darauf war der Beweis dafür, was jeder erwartet hatte: dass Bullock in einem modernen romantischen Kino mit umgekrempelten Jeans und kleinen neurotischen Sprüngen gut aufgehoben ist. Seltsamerweise begann gleich darauf – vielleicht war das der Erfolgsdruck – der lange Abschwung. Bullock tauchte in Filmen auf, bei denen schon das Drehbuch nichts taugte, eine Galerie des Grauens. Und sie selbst wirkte von Jahr zu Jahr verbiesterter, unlustiger, angespannter und verzickter. Man konnte ihr am Gesicht ablesen, dass ihr die Jahre verrannen, dass sie für immer mehr Drehbücher zu alt wurde.

In "Selbst ist die Braut" tritt sie alles andere als jugendfrisch und natürlich auf. Sie wirkt wie unter grimmiger Schufterei in Form gebracht, angespannt von den Zehnägeln bis zu den Haarspitzen wie das Tragekabel einer Brücke, so verschüttet unter den Grimassen des Ich-habe-alles-im-Griff-Selbstkontrolle-Yogas, das sie sich abends vorm Schlafengehen verordnet. Aber hier leitet sie das alles aus ihre Figur Margaret ab. Sie spielt nun höchst druckvoll, differenziert und mit vielen passgenauen kleinen Gesten des Welt-kusch-Dich-Gehabes – etwas, das sie gut zu kennen scheint, das sie vielleicht erst einmal hat überwinden müssen, um sich so darüber lustig machen zu können.

Aber die Freude über Bullocks Hochform währt nur kurz. Wenn Andrew dann mit Margaret unter den wachen Augen eines misstrauischen Beamten der Einwanderungsbehörde zu seinen Eltern (Mary Steenburgen, Craig T. Nelson) nach Alaska fliegt, bricht der Film völlig in sich zusammen. Ohne Not ist nun alles fünf Nummern zu groß und der Altersunterschied des Scheinpaares sowieso bald vergessen. Die Eltern des vermeintlich armen Bürogehilfen sind steinreich, das Provinzhaus entpuppt sich als rustikales Bürgerschloss, und was nun an uninspiriert schrillen Typen und Situationen zusammengeläppert wird, wirkt wie Füllmaterial erschöpfter Fernsehserien.

Ryan Reynolds, Jahrgang 1976, und Sandra Bullock, Jahrgang 1964, haben keine soziale Wirklichkeit mehr um sich, an der sie sich reiben können, sie müssen nur noch über die weichen Schaumstoffhindernisse im Wolkenkuckucksheim von Pete Chiarellis Drehbuch stolpern. Was anderswo einmal als originell funktioniert hat, kommt hier in einer espritlosen Kopie daher: Die reiferen Damen der Provinz amüsieren sich in der Dorfkneipe beim Herrenstripabend. In diesem Mixtraum aus Landglück und Millionärsentrücktheit darf auch Alaska keine raue Kante haben, sondern wird durch eine Komfortvariante ersetzt. Gedreht wurde "The Proposal", so der Originaltitel, in Massachusetts und Rhode Island.

Bewertung: 3 von 5 Sternen

Quelle: RP

 
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