Interview mit Woody Allen: „Scarlett Johansson ist die neue Monroe“
zuletzt aktualisiert: 15.11.2006 - 16:15Düsseldorf (RPO). In seinem neuen Film "Scoop" arbeitete Regisseur Woody Allen bereits zum zweiten Mal mit Hollywood-Starlet Scarlett Johansson. Im Interview spricht der Meister der Melancholie über die Macht der Schönheit , das Arbeiten in London und seine attraktive Hauptdarstellerin.
Mr. Allen, es passiert nicht alle Tage, dass Sie mit einer Schauspielerin zwei Mal nacheinander arbeiten. Das gleicht ja einem Ritterschlag.
Allen: Man trifft aber auch nicht alle Tage auf eine Scarlett Johansson.
Die was genau ausmacht? Männer haben da bestimmt so ihre Vorstellungen.
Allen: Das kann ich mit einem Satz beantworten: Sie ist die nächste Marilyn Monroe.
Was verbindet die beiden?
Allen: Scarlett und Marilyn sind beide wunderschön. Auf ihre ganz eigene Art. Der Sex-Appeal der Monroe ist legendär. Der von Scarlett spricht sich langsam herum.
Und der Unterschied?
Allen: Ziemlich simpel. Marilyn war keine gute Schauspielerin. Scarlett dagegen kann spielen, was sie will. Sie ist fabelhaft. Schauen Sie sich nur mal meine beiden letzten Filme an. Sie ist in beiden total unterschiedlich und dabei immer so, dass man sie nicht vergisst. Ich denke, ihrer großen Karriere kann nur eins im Wege stehen. Das ist sie selbst.
Es gab zahlreiche Menschen, die darauf gewettet hätten, dass Sie nie und nimmer New York verlassen.
Allen: Zu diesen Menschen habe ich vor ungefähr fünf Jahren auch noch gehört. Aber dann merkte ich, dass mir New York alles gegeben hat, was es mir geben konnte. Es war eine lange Zeit. Vielleicht haben wir uns gegenseitig die Energie ausgesaugt.
Wie sind Sie dann auf London gekommen?
Allen: Na ja, es hätte auch eine andere große Stadt sein können. Obwohl, so große Städte wie New York und London gibt es nicht sonderlich viele. Eine Stadt muss pulsieren, sie muss laut sein und unverschämt. Das hat London. Außerdem gab es hier Geld für meine Filme. Und, nicht zu vergessen, dieser graue Himmel und das Licht. Einfach wunderbar für einen schwer sentimentalen Menschen wie mich.
Das klingt nicht so, als würden Sie sofort zurückgehen wollen?
Allen: Nein, danach sieht es zurzeit nicht aus. Jetzt drehe ich erst einmal meinen jährlichen Film. Ohne Scarlett Johansson. Allen Ja, das muss ich gestehen. Aber ich muss sie doch auch mal meinen Kollegen überlassen. Außerdem bin ich nicht in der Lage, die Riesengagen zu zahlen, die andere so zahlen. Also kann ich mir Scarlett erst einmal nicht mehr leisten. Aber ich habe mir Ewan McGregor und Colin Farrell gute Schauspieler gefunden.
Und gibt es schon Pläne darüber hinaus?
Allen: Ich bin mir noch nicht sicher. Aber es gab Gespräche, dass ich in Spanien drehe und vielleicht auch Frankreich. Das muss man erst einmal sehen. Auf jeden Fall werde ich noch eine Weile in Europa bleiben. Und damit meine eigene Prophezeiung erfüllen, dass ich ein internationaler und kein amerikanischer Regisseur bin.
Wenn Sie schon mal hier in Europa sind, dann wäre das doch eine ganz gute Gelegenheit, mal mit einer Legende zu arbeiten, so lange es sie noch gibt. Man könnte da ja zum Beispiel an den Regisseur Ingmar Bergman denken.
Allen Nein, das wird auf gar keinen Fall etwas. Wissen Sie, ich verehre Bergman wirklich. Und ich weiß auch, dass die Filmwelt gespannt darauf wartet, dass er noch einen allerletzten Film macht. Aber wie sieht denn solch eine Zusammenarbeit normalerweise aus? Der eine kriegt die guten Sachen, der andere den Müll. Und da ich mit meinen 70 Jahren der Grünschnabel wäre, dürfen Sie drei mal raten, wer da den Mist machen müsste.
Mr. Allen, Sie drehen seit 1966 Filme, haben unzählige Interviews geben müssen oder wollen. Haben Sie je überlegt, keine mehr zu geben, weil alles gesagt ist, weil es zu langweilig wird?
Allen: Langweilig? Wissen Sie, was wirklich langweilig ist? Wenn wir mit dem Interview fertig sind, gehe ich wieder auf mein Hotelzimmer und übe Klarinette. Das ist langweilig. Dagegen ist jedes Interview ein Thriller.
Beobachten Sie eigentlich auch während der Interviews Ihre Gesprächspartner und lassen bestimmte Eindrücke dann später in Ihre Filme einfließen?
Allen: Nein, so etwas mache ich nicht. Ich glaube, man entscheidet sich zu Beginn seiner Karriere, wie man arbeitet. Und ich habe es noch nie so mit dem Beobachten gehabt. Sicher hat das einen Einfluss. Aber keinen, der offensichtlich ist. Vielleicht eher so unterschwellig.
Sie haben vorhin die Klarinette erwähnt. Wenn Sie darüber reden, wie Sie dieses Instrument spielen, dann macht das immer den Eindruck, als müssten Sie sich beim Musizieren stets quälen. Warum machen Sie es dann?
Allen: Ja, das ist eine gute Frage. Warum mache ich in meinem Alter noch Filme? Wieso quäle ich mich und die Zuhörer mit diesem Instrument? Ich könnte nun böse reagieren und fragen, was ich denn sonst machen sollte. Zum Sterben ist es definitiv noch zu früh. Darum habe ich nicht gebeten. In meiner Familie wird man nun mal sehr alt. Da habe ich mir Hobbys gesucht, die ich auch im Alter noch ziemlich lange ausüben kann.
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