Ab Donnerstag im Kino: Sex and the City arabisch
VON DOROTHEE KRINGS - zuletzt aktualisiert: 27.05.2010 - 08:10(RP). Im zweiten "Sex and the City"-Film über vier reiche New Yorkerinnen, die gern über Mode reden und noch lieber über Sex, verschlägt es die Frauen in den Nahen Osten. In Abu Dhabi erholen sie sich von Ehe-, Familien-, Berufs- und Wechseljahr-Problemen – und genießen märchenhaften Luxus.
Nach einer Stunde ist es endlich so weit: Am Wüstenhorizont tauchen die vier Frauen auf, in einer Reihe wie Revuetänzerinnen, und haben diese fantastischen Dinge an: zauberzarte Plisséröcke, weite Pumphosen, elegante Kopftücher, schulterlange Ohrringe, autoreifenbreite Armreife, tellergroße Sonnenbrillen. Mit dem entschlossenen Gang von Models und dem übermütigen Lachen von Mädchen stapfen sie auf den Zuschauer zu und kümmern sich kein bisschen darum, dass ihre silbernen Riemchen-High-Heels im Dünensand versinken.
Endlich ist da dieses "Sex and the City"-Gefühl wieder da. Dieser Was-kostet-die-Welt-Übermut, diese Champagner-Laune, diese Unbezwingbarkeits-Aura von vier Frauen, die sich vom Leben nehmen, was ihnen gefällt – kosten die Schuhe auch 500 Dollar.
Heldinnen der Nullerjahre
"Sex and the City", das war diese amerikanische Fernsehserie, in der vier reiche New Yorkerinnen die letzte Männerdomäne eroberten: Sie sprachen über Sex. Beim Gläschen Prosecco. Ganz ohne jede Diskretion. Und so wurden die vier zu den Heldinnen der Nullerjahre: anspruchsvoll, attraktiv, schlagfertig und so erfolgreich in ihren Jobs, dass sie ihre Shopping-Exzesse kurzerhand selbst bezahlten.
Das ist im zweiten Film zur Serie leider anders. Nur kurz sind Carrie, die inzwischen verheiratete Single-Kolumnistin, Charlotte, die überforderte Zweifachmutter, Miranda, die ehrgeizige Anwältin, und Samantha, die Männerfresserin in den Wechseljahren, auf ihrem Terrain zu erleben: in Manhattan beim Shoppen und Lästern.
Schon verschlägt es sie in die neue, die wahre Luxus-Oase: nach Abu Dhabi. Für vier Hedonistinnen, die bei Preisen keine Schmerzgrenzen kennen, ist das natürlich das rechte Ausflugsziel. Ist Einkaufen auf der 5th Avenue schon ein Märchen, so erst recht die surreale 1001-Nacht-Pracht in der Wüste.
Nur steigen die Frauen nicht schlicht aus Lust und Laune in den Flieger. Sie werden eingeladen. Von einem Mann, einem Scheich und Hotelbesitzer. Und so muss der Zuschauer erleben, wie die stolzen New Yorkerinnen plötzlich staunend durch Prachtgemächer stolpern, als kämen sie aus der Provinz. Auf einmal sind da nicht mehr vier selbstbewusste Erfolgsfrauen unterwegs, die sich für grenzenloses Konsumieren entschieden haben, sondern schrille Amerikanerinnen, die sich diese Hotelsuite eigentlich nicht leisten können.
Doch von diesem Grundfehler abgesehen bietet der neue "Sex and the City"-Film wieder fröhlichen Eskapismus, diesmal in arabischem Gewand. Dazu werden die Geschichten der vier Frauen aus dem ersten Film weiterentwickelt: Carrie muss erkennen, dass Heiraten einen anderen Romantikfaktor besitzt als Verheiratetsein. Plötzlich installiert Traummann Mr. Big einen Flachbildschirm im Schlafzimmer und schaut ihr nicht mehr nach, wenn sie zum Auskleiden im zimmergroßen Kleiderschrank verschwindet.
Hormoncocktails statt Shoppingorgien
Samantha ist vom Cosmopolitan auf Hormoncocktails umgestiegen, die ihr die Wechseljahre ersparen sollen. Charlotte flüchtet vor ihren schreibegabten Traumkindern immer häufiger in die Vorratskammer, und Miranda schmeißt ihre Anwaltskarriere hin, weil der neue Chef in der Kanzlei sie nicht mal ausreden lässt. Es geht also nicht um nichts in diesem Film. Eher um zu viel.
Die Girls kommen gar nicht recht zum Einkaufen. Schon sind sie in Abu Dhabi, und da gibt es nur einen ollen Basar, in dem Carrie allen Ernstes Aladin-Schluppen ohne Absatz kauft. Und dann verstößt Samantha natürlich gegen alle Sitten im Schleierland, und so gerät die Abreise aus dem Märchen eher zur Flucht.
Natürlich ist das alles Karikatur, so wie auch schon die Serie völlig überdreht und überdekoriert war. Das ist der Spaß an der Sache. Nur fehlt diesmal das Großstädtische, der New-York-Snobismus, der dem Frauenquartett diese reizvolle Überlegenheit gab. "Sex and the City 2" mangelt es definitiv an City.
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