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"Die Fremde" für den Oscar nominiert: Sibel Kekilli hofft auf eine große Zukunft

VON CAROLA SIEDENTOP - zuletzt aktualisiert: 20.10.2010 - 15:35

Düsseldorf (RPO). Eigentlich möchte Sibel Kekilli nicht darauf festgelegt werden, Rollen türkischstämmiger Protagonisten zu übernehmen. Doch gerade solche Darstellungen bringen ihr bedeutende Auszeichnungen ein. Nun ist der Film "Die Fremde" im Rennen für die Oscar-Nominierung. Ob der Film gewinnt oder nicht: Der 30-Jährigen steht eine große Zukunft offen.  

Erst am Dienstag hat Kekilli einen weiteren Preis für "Die Fremde" erhalten: Bei der Verleihung des Medienpreises Video Champion der G+J Entertainment Media nahm sie in München den Artist Award entgegen. Die Laudatio hielt der Schauspieler Axel Milberg, mit dem sie beim Kieler "Tatort" als neue Kommissarin zusammenarbeitet. Ihre Rolle als türkische Mutter brachte ihr beim Tribeca Filmfestival von Jane Rosenthal und Robert De Niro zudem die Auszeichnung als Beste Schauspielerin ein.

"Ziemlich starker Freiheitsdrang"

Bereits zweimal hat Sibel Kekilli den deutschen Filmpreis gewonnen: 2004 für "Gegen die Wand" von Fatih Akin und in diesem Jahr für "Die Fremde". Und in beiden Filmen spielt sei eine junge Frau mit Wurzeln in der Türkei, die gegen Konventionen und Moralvorstellungen ankämpft. Regisseur Faith Akin betonte, dass seine Hauptdarstellerin ihre Rolle mit beängstigender Authentizität spielte.

Es fällt leicht, Parallelen zu ihrem Leben zu ziehen. Sibel Kekilli hat türkische Eltern, wuchs in Heilbronn auf. Ein Kopftuch musste sie nicht tragen, auch auf Klassenfahrten oder in Pop-Konzerten war sie mit dabei. Doch bereits mit 18 Jahren löste sich Sibel Kekilli von ihrem Elternhaus, um selbstständig zu leben. "Ich habe einen ziemlich starken Freiheitsdrang", sagte sie dazu 2004 in einem Interview.

Mit dem Erfolg von "Gegen die Wand" holte sie auch ihre Vergangenheit ein. Kekilli hatte zahlreiche Jobs, verkaufte Obst und Gemüse, arbeitet als Türsteherin und Geschäftsführerin. Und sie hat Pornofilme gedreht, aus Geldmangel. Die Schlammschlacht der Boulevardmedien setzte ein. Sibel Kekilli wehrte sich lautstark und selbstbewusst.

Gegen das Klischee der hilflosen Türkin

Doch die 30-Jährige will nicht die Quoten-Türken in Deutschland sein. Obwohl sie ihre Wurzeln natürlich prägen. Kekilli engagiert sich bei Terre des Femmes, kämpft gegen Gewalt an muslimischen Frauen. Doch sie sucht dringend nach Rollen, die das Klischee der hilflosen Türkin nicht bedienen.

Bei ihren Dankesreden zum Deutschen Filmpreis appellierte sie an die Filmemacher, ihr gute Rollenangebote zu schicken: "Bin immer an guten Stoffen interessiert." Filmemacher sollten sie bitte nach der Preisverleihung ansprechen. Sie wolle arbeiten und drehen, nicht jahrelang auf ihren nächsten Film warten.

Vielleicht muss Sibel Kekilli nicht mehr lange darauf warten: Falls "Die Fremde" im Rennen um den Oscar als bester fremdsprachiger Film gewinnt, wird es an neuen Jobangeboten nicht mangeln.


 
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