Berlinale 2006: Sigourney Weaver glänzt in "Snow Cake"
zuletzt aktualisiert: 10.02.2006 - 11:20Berlin (rpo). Signourney Weaver spielt in "Snow Cake" eine Autistin, die plötzlich mit dem Tod ihrer Tochter konfrontiert wird. Die britische Schauspielerin hat das Premieren-Publikum in dieser Rolle überzeugt. Der Film von Regisseur Marc Evans wurde am Donnerstagabend zur Erföffnung der 57. Berlinale gezeigt.
Alan Rickman ordnet inzwischen auch schon penibel die Bleistifte auf seinem Schreibtisch. Die krankhafte Ordnungsliebe seiner Schauspielkollegin Sigourney Weaver in "Snow Cake" hat auf ihn abgefärbt. "Sigourney hat Schwerstarbeit geleistet", lobte Rickman. Sie habe die autistische Frau Linda "unglaublich akkurat" gespielt. Weaver betonte: "Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, wie man sich auf eine solche Rolle vorbereitet. Sie habe viel Zeit mit Autisten verbracht und festgestellt, dass jeder von ihnen einzigartig sei. Die Vorbereitung auf die Rolle habe ihr "faszinierende Jahre" beschert. Zudem habe sie gelernt, viele Dinge anders zu sehen und begriffen, wie viel Freude man auch an kleinen Sachen haben könne.
Auch Evans sagte über seinen Film, die Autistin Linda liefere dem Zuschauer manchmal "zauberhafte Momente". "Snow Cake" sei kein düsterer und schrecklicher Film. Weaver ("Alien", "The Village") betonte, sie habe die Rolle jedoch nicht spielen wollen, weil Linda an Autismus leide, sondern weil sie eine "einzigartige Frau" sei.
Weaver spielt absolut authentisch
In dem Drama "Snow Cake" nimmt der verschlossene Alex (Rickman) die junge Anhalterin Vivienne (Emily Hampshire) mit. Auf dem Weg rammt sie ein Lastwagen und Vivienne wird bei dem Unfall getötet. Alex fühlt sich schuldig und sucht ihre Mutter Linda auf. Er trifft auf eine eigenartige Frau. Sie befiehlt ihm sofort, seine Schuhe ausziehen und sie penibel in Reih und Glied stellen. Als nächstes erfährt er, dass die Küche tabu für ihn sei. Unvermittelt fragt ihn Linda, ob er mit ihr Trampolin springen wolle. Und ob er bis Dienstag bleiben könne, um den Müll rauszubringen.
Vermutlich aus einer Art schlechtem Gewissen lässt sich Alex überreden. Er organisiert Viviennes Beerdigung und kümmert sich um Linda, die den Tod ihrer Tochter entweder nicht wirklich registriert oder ihre ganz eigene Art hat, mit dem Schock umzugehen. Unglaublich schnell fügt sich Alex in das Leben der mit Vorliebe Schnee essenden und alles Glitzernde liebenden Linda ein - die ihn abwechselnd rührt und ihm auf die Nerven geht.
Weaver ist das Glanzlicht des Films. Sie spielt die mal verstörte, mal unbeholfene, mal naive, mal scharfsinnige Linda in Mimik und Gestik absolut authentisch - und trotz der ernsten Thematik oft auch sehr witzig. Auch Rickman ("Harry Potter", "Robin Hood"), der obendrein noch ein düsteres Geheimnis hütet, überzeugt schauspielerisch - etwa in seiner anfänglichen Verwirrung, bis er von Lindas Krankheit erfährt. Mit dem Wettbewerbsbeitrag "Snow Cake", der eine gelungene Mischung aus Emotionen und Komik liefert, hat ein großartiger Film die diesjährige Berlinale eröffnet.
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