Romy Schneiders Leben als Film: "Sissi" war ihr Durchbruch – und ihr Verderben
VON ULRIKE WINTER - zuletzt aktualisiert: 27.10.2009 - 12:33Düsseldorf (RP). Ihre Rolle als als Kaiserin Elisabeth machte sie fast zur ewigen "Sissi". Doch Romy Schneider kämpfte gegen das Klischee an - wie gegen vieles. Ihre große Karriere und ihr tragisches Schicksal wurden vom SWR fürs deutsche Fernsehen verfilmt. Die Hauptrolle spielt Jessica Schwarz.
Alles, was mit dem Namen Romy Schneider zu tun hat, wirkt überlebensgroß: Mit gerade 17 wurde sie durch die Rolle der "Sissi" zum Weltstar, Millionen Fans lagen der jungen Frau zu Füßen. Innerlich ließ sie gerade das verzweifeln: Ein Millionenpublikum, das sie in immer der gleichen Rolle sehen wollte und drohte, sie zu erdrücken.
Anspruchsvolle Rollen blieben lange aus
Romy Schneider brauchte die Anerkennung der Öffentlichkeit, aber sie wollte sie für ernste Parts, für anspruchsvolle Rollen. Und sie forderte sie als Mensch. Sie bettelte um die Zuneigung ihrer Eltern, die sie lange ignorierten. Und sie flehte um die Liebe von Männern, die ihre Nähe nicht ertragen oder ihren Erfolg nicht verkraften konnten. Romy Schneiders Schicksal war das einer Filmfigur – zu der sie nun wird: im Biopic "Romy", das heute Abend in Berlin Premiere hat.
Es ist die dritte Verfilmung des Lebens einer deutschen Legende binnen kurzer Zeit: nach "Hilde", der Kino-Biografie Hildegard Knefs mit Heike Makatsch, und "Der Mann aus der Pfalz" mit Thomas Thieme als Helmut Kohl. Es ist eines von zwei geplanten Romy-Schneider-Projekten, das im Gegensatz zum angedachten Kinofilm mit Yvonne Catterfeld aber realisiert wurde. Es ist eine SWR-Produktion mit Jessica Schwarz in der Titelrolle, die das Herbst-Highlight im öffentlich-rechtlichen Fernsehen werden soll – möglicherweise auch der endgültige Durchbruch der 32-jährigen Hauptdarstellerin. Und das Werk hat gute Chancen, diese Erwartungen zu erfüllen.
Der Film zeigt das tragische Schicksal Romy Schneiders, bleibt aber die gesamten 105 Minuten über der respektvolle Versuch einer Annäherung: unterhaltsam, nicht voyeuristisch. Regisseur Thorsten C. Fischer nimmt aufrichtig Anteil an den glücklichen Momenten im Leben der Schauspielerin: ihrem befreienden Weggang nach Frankreich nach den "Sissi"-Erfolgen, ihrer leidenschaftlichen Liebe zu Alain Delon, ihrem endgültigen schauspielerischen Triumph, als sie 1976 und 1979 einen César entgegennimmt, den französischen Oscar.
Fischer bleibt diskret, wenn er Schneiders traumatische Phasen zeigt: Er hält nicht die Kamera auf ihren Selbstmordversuch, nachdem Alain Delon sie verlassen hatte, zeigt nicht ihren toten Sohn David, der sich beim Klettern über einen Zaun tödliche Verletzungen zugezogen hatte, dokumentiert nicht Schneiders eigenen Tod ein knappes Jahr später, offiziell ein Herzversagen, inoffiziell ein Selbstmord. Mit 43.
Skandale und die Suche nach Liebe
Dass Drehbuchautor Benedikt Röskau ("Contergan") die Geschichte vor allem entlang der wichtigsten Männer im Leben Romy Schneiders erzählt (Delon gespielt von Guillaume Delorme, Harry Meyen von Thomas Kretschmann), liegt in der Natur des Genres. Trotzdem ist es wohl eine der wenigen Schwächen des Films, dass die private Romy im Vordergrund bleibt, auf Kosten der beruflichen und vor allem der politisch-gesellschaftlich unangepassten.
So räumte die Schauspielerin 1971 im "Stern" ein, abgetrieben zu haben – was im Film nur kurz erwähnt wird, durch ein Exemplar des Magazins, das ihr ihre Filmmutter (Maresa Hörbiger) vorwurfsvoll präsentiert. Und Romy Schneiders aufsehenerregender Flirt mit dem Skandalautor Burkhard Driest in der Talk-Show "Je später der Abend" findet gar nicht nicht statt.
"Ich musste meine Romy auf ein filmverträgliches Maß reduzieren", sagte Hauptdarstellerin Jessica Schwarz über den "Wust an Informationen" über die Figur. Die noch größere Herausforderung dürfte es gewesen sein, Schneider darzustellen, ohne hinter ihr zu verschwinden. Schwarz hat dieses Ziel erreicht. Was wohl ebenfalls an dem Wust an Informationen lag, an der mehr als einjährigen Beschäftigung mit Schneiders Schicksal.
Wer Berufung und privates Glück spüren wolle, sagte Schwarz, "der sollte immer zusehen, dass ein bisschen was Eigenes in den Rollen steckt. Andernfalls wird man aufgefressen."
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