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Kino-Kritik: Skurriles aus der Provinz

VON THOMAS KLINGENMAIER - zuletzt aktualisiert: 17.04.2008 - 09:30

Düsseldorf (RP). Wem man sich ganz unten fühlt, dann kann einem eine kleine Bandbühne ganz schön hoch vorkommen. Als stünde man da über den Dingen. Heinz Strunk ist am falschen Ende Hamburgs aufgewachsen, da, wo die Seeluft des Hafens weit und der Mief der norddeutschen Provinz nah ist. So einer wächst ins eigene Leben hinein wie in eine Zwangsjacke. Aber als er dann bei der Tanzkapelle „Tiffanys“ aus dem Unbeholfensein heraus will, merkt er, dass so eine Bühne einen gar nicht weit weghebt: man sieht das Elend besser, und das Elend hat einen fester im Blick.

"Fleisch ist mein Gemüse" ist die Verfilmung eines Romans von Heinz Strunk.  Foto: Universal
"Fleisch ist mein Gemüse" ist die Verfilmung eines Romans von Heinz Strunk. Foto: Universal

Wie die „Tiffanys“ Gig um Gig abreißen, wie sie auf Dorfgelagen schlechte Musik spielen, derbe in die Menge brüllen und schauen, ob sich da sexualkontaktmäßig was abstauben ließe, das hat Heinz Strunk, der bürgerlich Mathias Halfpape heißt, in seinem Buch „Fleisch ist mein Gemüse“ erzählt. Weil das zum Bestseller und sogar zum Musical wurde, darf man vermuten, dass hier nicht die Geschichte eines einzelnen Hilfssaxophonisten erzählt wird, sondern eine kollektive Erinnerung an die 80er und 90er Jahre abseits der urbanen Moden ihren komischen Ausdruck findet.

Hat es Halfpape also doch noch auf die ganz große Bühne geschafft? In der Verfilmung, an der erstaunen mag, dass nicht der mit respektvoll verzweifelten Landkomödien vertraute Detlev Buck, sondern Fernsehregisseur Christian Görlitz die Inszenierung übernahm, bekommen wir Halfpape zu sehen. Aber der Mann führt uns nicht als Zeremonienmeister seiner eigenen Traumabannung durch eine Welt, die er nun bezwungen weiß.

Er hängt als Jagdtrophäe an der Wand, wie ein Hirsch, der am falschen Morgen auf die Lichtung trat, und kommentiert von dort aus das Geschehen. Das ist die beißendste eigene Idee der Verfilmung. Der Film zeigt den Erfolgsautor als Erlegten, der jetzt als Dekospäßchen jedem dienen muss, der übers fremde Leben lachen möchte. Ansonsten müht sich der Film zu sehr, möglichst viel des Buches für die Leinwand zu retten. Er bekommt seine Figuren nicht in den Griff und steht ein wenig ratlos vorm Nebeneinander von Tragik und Komik im Leben.

Die derben Späße bei den Konzerten hie, der Tod der Mutter und der Selbstmord einer Nachbarin gehen nicht zu einem Film zusammen. Maxim Mehmet als Strunk und Andreas Schmidt als lauter Bandleader Gurki aber überzeugen: Jeder versucht auf seine Weise, die Zwangsjacke los zu werden.


 
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