PC-Spiel Max Payne als Film: So finster war das Kino selten
zuletzt aktualisiert: 19.11.2008 - 17:14Düsseldorf (RPO). Das in Fankreisen hymnisch verehrte Computerspiel „Max Payne“ kommt auf die Leinwand. Wieder soll ein erfolgreiches Game auch die Kinokassen zum Klingeln bringen. In der Hauptrolle des finsteren Anti-Helden: Actionstar Mark Wahlberg. Einziger - zumindest kurzfristiger Lichtblick an seiner Seite: Bond-Girl Olga Kurylenko. Der Rest versinkt in apokalyptischer Düsternis.
Max Payne - sein Name steht für die Adaption des Film noir für das Computergenre. Er redet nicht, blickt finster und ist der Gegenpol des klassischen Helden. Sein Motiv ist die Rache. Nachts streift er durch die finsteren Schluchten der Großstadt, getrieben vom Verlangen nach Vergeltung für den Tod seiner Familie.
Hauptdarsteller Mark Wahlberg ist actionerprobt und nach seiner Vorstellung in „The Departed“ sogar als oscarwürdig gepriesen. Die viel zu schnell ablebende Olga Kurylenko bringt Bond-Flair mit. Aber dennoch: Muss Hollywood denn jedes Videospiel auf die Leinwand bringen? Die Antwort: Nein. Besser noch: Bitte nie wieder!
Dieses Urteil werden wohl ganz besonders jene teilen, die das gleichnamige Videospiel als attraktiv empfunden haben. Denn was Regisseur John Moore da in Szene gesetzt hat, ist mit wirr noch freundlich umschrieben. Alles was in Erinnerung bleibt ist der wirre Rachefeldzug eines Mannes, dessen Weg im Lauf von 99 Kinominuten immer mehr Leichen pflastern.
Am Anfang schwebt ein Mann leblos im Wasser eines schmutzigen Flusses. Und damit stellt sich natürlich die Frage: Wer ist der Mann, wie ist er in diese Situation gekommen? Das ist noch das Spannendste an einem Film, der hernach in sehr absehbaren Bahnen verläuft. Denn der vorgeblich Ertrunkene ist niemand anderes als Max Payne, der düstere Held der Geschichte.
Wiedersehen mit Beau Bridges
Gespielt wird dieser Mann, der sich als Freund des Helden ausgibt, von Beau Bridges, der vor 20 Jahren einen seiner größten Erfolge an der Seite der schönen Michelle Pfeiffer in "Die fabelhaften Baker Boys" feiern konnte. Wer ihn von damals in Erinnerung hat, wird den älteren Herrn übrigens kaum noch wieder erkennen.
Zwei Frauen kreuzen, wenngleich unterschiedlich lange, den Weg des einsamen Rächers in dem Film. Und beide kommen aus der ehemaligen Sowjetunion: Die schon seit vielen Jahren in den USA lebende Mila Kunis spielt eine attraktive russische Auftragskillerin, die ehemalige Ukrainerin Olga Kurylenko deren rasch und unschön aus dem Geschehen verschwindende Schwester.
Der Dämon holt sich seine Opfer
Man kann der Comic-Verfilmung einen gewissen Stilwillen nicht absprechen. Es ist eine düstere, verregnete Großstadtwelt, in dem sich die eher sehr uninteressanten Figuren bewegen und die im Presseheft als bestehend "aus Illusionen und Schatten" beschrieben wird. Das klingt gut, scheitert aber an einem Übermaß an Handlungsklischees.
Da hilft auch der Griff in die Mythenschublade wenig, die einen geflügelten, ziemlich furchterregenden Dämon auf die Leinwand bringt. Dieser soll eine Art Walküre sein, die sich nach Belieben ihre menschlichen Opfer holt und in die Lüfte mit unbekannten Ziel entführt.
Visuell macht das gewissen Eindruck, inhaltlich ist es allerdings Nonsens. Davon ist wohl auch Hauptdarsteller Wahlberg überzeugt, denn der Action-Darsteller läuft mit durchweg mürrischem, leidendem Gesicht durch den Film. Damit trägt er natürlich auch dem Namen der Titelfigur Rechnung: Denn "Max Payne", das ist im Englischen eine Anspielung auf das, was - übersetzt - maximaler Schmerz bedeutet.
Dieser seiner Familie und aller Sicherheiten beraubte Mann empfindet allerdings nicht nur Schmerz, sondern verbreitet auch solchen und den Tod dazu. Kurzum: Es war mehr als überflüssig, dem entsprechenden Videospiel auch noch einen Film folgen zu lassen. Nicht anschauen!
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