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Was sich am Film ändern muss: So wird die nächste Berlinale wieder besser

VON PHILIPP HOLSTEIN - zuletzt aktualisiert: 19.02.2007 - 14:20

Berlin (RP). Die Berlinale ist zu Ende: Den Goldenen Bären für den besten Film gewann "Tuyas Ehe", Nina Hoss bekam den Silbernen Bären. Der überwiegende Teil der übrigen Wettbewerbs-Beiträge war langweilig und ärgerlich. So darf es nicht weitergehen. Ein Manifest.

Nina Hoss mit dem Sibernen Bären als beste Darstellerin.  Foto: ddp, ddp
Nina Hoss mit dem Sibernen Bären als beste Darstellerin. Foto: ddp, ddp

Auf der Berlinale kann man einen Blick in die Zukunft des Kinos werfen, auf seine Themen, sein Streben, sein Wollen, und deshalb wurde es einem bei dieser Berlinale mulmig. In der Königsdisziplin der Filmfestspiele, dem Wettbewerb, wurden die Zuschauer selten verführt, aber oft belehrt; es ging unerträglich pathetisch zu, unambitioniert und langweilig.

Und damit Kino Zauberstunde bleibt, anbei fünf Empfehlungen an Regisseure und Produzenten:

1. Weniger plumpe Botschaften! Allzu viele Produktionen beschränkten sich auf die Haltung des bloßen Anprangerns. Thesenkino, das über die politische die Kamera-Einstellung vergisst; Leitartikel-Lesen im Lichtspielhaus. Das Anti-Globalisierungs-Pamphlet „Bordertown“ mit Jennifer Lopez ist das beste Beispiel dafür. Das ist plump von den Machern, ärgerlich für den Kinobesucher. Plump, weil es allzu offensichtlich darum geht, ein Image als politisch korrekter Filmschaffender zu festigen und die Chancen auf den Oscar zu steigern - der wird ja gern an politisch Korrektes vergeben. Ärgerlich ist das Ganze, weil es den Zuschauer in Haft nimmt für profitablen Ruhm und also missbraucht.

2. Mehr Emotionen! Kino kann die Welt verändern, zumindest den Blick auf die Welt, zumindest den des Zuschauers, zumindest für anderthalb Stunden. Damit Kino das schafft, muss es leidenschaftlich sein und Leidenschaft zeigen - im umfassenden Sinn: Es muss Identifikationsmöglichkeiten anbieten. Nur: Während der diesjährigen Berlinale konnte man sich kaum identifizieren. Die Realität des Kinogehers und die Fiktion auf der Leinwand rieben selten aneinander, sie schlugen keine Funken.

3. Zurück in die Gegenwart! Im Idealfall sagt Kino etwas über und für die Gegenwart aus. Der Gewinnerfilm „Tuyas Ehe“ etwa wirft einen Blick auf die Mongolei der Jetztzeit und bereichert den Zuschauer damit. „Tuyas Ehe“ war jedoch die Ausnahme. Allzu viele Regisseure flohen in die Historie, filmten literarische Vorlagen oder das Geschichtsbuch ab - ohne sich die Mühe zu machen, das Dargestellten für uns Heutige zu bearbeiten. Im Kino der Gegenwart droht das Gegenwarts-Kino zu sterben.

4. Kein braves Geschichtenerzählen! Warum haben so Wenige den Mut, Geschichten auf neue Weise zu erzählen? Niemand wagt eine Erzählhaltung, die etwa Tom Tykwer 1998 für „Lola rennt“ gewählt hatte: schnell, frisch, maßgeblich. Die meisten filmen episch, ohne Perspektiven-Wechsel, ohne Verblüffung. Das Berlinale-Kino riss nicht mit. Es war mühsam.

5. Deutsche Filmemacher dürfen sich nicht zufrieden geben! Es waren mit „Yella“ und „Die Fälscher“ nur zwei deutsche Filme im Wettbewerb vertreten, aber die waren gut. Außerdem spielten viele deutsche Schauspieler in internationalen Produktionen mit: Moritz Bleibtreu, Martina Gedeck, Jasmin Tabatabai, Julia Jentsch, André Hennicke. Zumeist beschränkten sich ihr Dabeisein auf winzige Auftritte. Und eben das reicht nicht. Die Genannten treten in den Filmen als Charaktere auf, sie sind unverbraucht, glaubwürdig, ja: natürlich. Deutsche Filmemacher und Schauspieler haben einen Fuß in der Tür. Nun dürfen sie sich nicht zufrieden geben, sie müssen weiter durchbrechen.


 
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