Von der dünnbeinigen Vorstadtschönheit zum Weltstar und nationalem Idol: Sophia Loren: Italiens attraktivste Botschafterin wird 70
zuletzt aktualisiert: 20.09.2004 - 07:00Frankfurt/Main (rpo). Wenn in und für Italien glanzvolle Stunden anstehen, dann ist für deren Mitgestaltung immer noch die Frau erste Wahl, die das weltweit bekannteste Gesicht ihres Landes ist: Sophia Loren. Am 20. September wird die Kinodiva selbst im Mittelpunkt aller Feierlichkeiten stehen, denn dann wird die einstige neapolitanische Vorstadtschönheit, der ein atemberaubender Aufstieg zum Weltstar gelang, 70 Jahre alt. Keine andere Italienerin umgibt eine so zeitlose Aura von Schönheit, Erfolg und Geld wie die Loren.
Gerade erst hatte sie wieder einen großen Auftritt auf den Filmfestspielen in Venedig. Bei der über Jahrzehnte zeitlos attraktiven Schauspielerin sind Spuren des Alters nicht mehr ganz zu übersehen. Gleichwohl ist die 69-Jährige mit dem strengen Lebenswandel noch immer eine auch figürlich bewundernswert wirkende Frau, die längst jenseits der Filmleinwand eine in aller Welt gerne gesehene Botschafterin ihres Landes ist. Mehr als ein halbes Jahrhundert zuvor besaß diese Sophia Loren, die eigentlich Sofia Scicolone hieß, nichts als ein hübsches Gesicht, eine große Oberweite und dünne Beine, die als "Stuzzicadenti" (Zahnstocher) verspottet wurden.
Das war die Grundausstattung des Mädchens aus dem neapolitanischen Arbeiterbezirk Pozzuoli, dazu eine sehr ehrgeizige Mutter. Die präsentierte ihre Tochter schon ganz früh bei Schönheitswettbewerben. Es war Glück und Schicksal dieses Mädchens, im Alter von knapp 16 Jahren dem 21 Jahre älteren Filmproduzenten Carlo Ponti zu begegnen, der sofort erkannte, welchen Rohdiamanten er gefunden hatte. Zwar war Sophia zu diesem Zeitpunkt schon in kleinsten und auch anrüchigen Filmrollen aufgetreten, doch erst Ponti formte die "Miss Eleganza" zu einer Schauspielerin, die sie Anfang der 50er Jahre zum international bekannten Sexsymbol des italienischen Films machten.
Die Erfolgsehe mit dem älteren Carlo Ponti
In Filmen wie "Das Gold von Neapel" (1954) und "Schade, dass du eine Kanaille bist" (1955) wurde die Loren zur großen Rivalin der populäreren, sieben Jahre älteren Gina Lollobridgida. Dass sich die jüngere im Duell der "Busenwunder" durchsetzte, lag vor allem am Hollywood-Erfolg der Schauspielerin. 1957 hatte sie mit "Stolz und Leidenschaft" ihren ersten US-Film gedreht. Den Oscar bekam sie 1961 für den wieder in Italien unter der Regie Vittorio de Sicas gedrehten Film "...und dennoch leben sie". Sophia Loren stand damals auf der Höhe ihres Ruhms. Deshalb erwählte sie auch der große alte Charlie Chaplin zur Hauptdarstellerin seines letzten Films "Die Gräfin von Hongkong" (1965) an der Seite von Marlon Brando.
Auch privat war das Glück der schönen Italienerin hold. 1957 heiratete sie ihren Entdecker und Förderer Ponti. Und gegen alle ärztlichen Bedenken wurde sie später Mutter von zwei Söhnen, was ihr in der Heimat den Ehrentitel "Super-Mamma" einbrachte. Ehrungen sind der Frau mit dem stets freizügigen Dekolleté viele zuteil geworden: 1991 bekam sie den Ehren-Oscar und wurde Ritter der französischen Ehrenlegion. Bei der Berlinale 1994 erhielt sie den Goldenen Bären für ihr Lebenswerk, seit 1992 ist sie zudem Sonderbotschafterin des UN-Flüchtlingskommissariats.
Noch immer ist die Loren mit dem nun schon über 90-jährigen Ponti verheiratet, die eheliche Erfolgsgeschichte eines äußerlich so ungleichen Paares. Frustrierte Frauen spielt die Loren nur im Kino, wie zuletzt in einem von Sohn Edoardo inszenierten Melodram, das allerdings beim deutschen Publikum wenig Erfolg hatte. Den Herzanfall von 1998 auf dem Flug von New York nach Los Angeles hat die Diva offenbar gut überstanden. "Alles ist die Frucht von Disziplin, Hingabe und Opfern. Und von Dickköpfigkeit", hat die Neapolitanerin einmal über das Geheimnis ihres lang anhaltenden Erfolgs gesagt. Können und Glück hatten gewiss auch ihren Anteil daran, dazu das, was Italien und die Welt an Sophia Loren so sehr schätzt: Bella Figura.
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