Filmfestspiele von Venedig zum 61. Mal: Spielbergs „Terminal“ eröffnet Filmfest am Lido
VON DÖRTE LANGWALD - zuletzt aktualisiert: 01.09.2004 - 20:12Düsseldorf/ Venedig (rpo). Elf Tage lang bringen Stars wie Nicole Kidman und Tom Cruise reichlich Glamour in die Gondelmetropole. Den Auftakt machten am Mittwoch Steven Spielberg und Tom Hanks, die ihre zauberhafte Filmkomödie „Terminal“ vorstellten.
Sie sind Mega-Stars am Hollywoodhimmel, haben beide je zwei Oscars gewonnen, - dennoch wirken Meisterregisseur Steven Spielberg und sein Hauptdarsteller Tom Hanks wie zwei nette Lausbuben von nebenan. Freundlich lächelnd präsentierten sie der Presse am Mittwoch ihren neuesten Streich: „Terminal“, eine liebenswert verrückte Story über den Osteuropäer Viktor Navorski (Tom Hanks), der mehrere Monate auf dem New Yorker Flughafen wohnen muss, weil sein Pass ungültig geworden ist. Im Laufe seines XXL-Aufenthalts in der Transit-Lounge findet Viktor nicht nur neue Freunde und einen Job, sondern verliebt sich obendrein in eine hübsche Stewardess (gespielt von Catherine Zeta-Jones).
Ein nostalgisch inszeniertes Filmmärchen - ganz ohne wummernde Effekte, dafür mit umso mehr Herz und Humor. Klingt fast so, als sei „Jurassic Park“-Schöpfer Steven Spielberg auf den Spuren von Frank Capra gewandelt? „Das ist zwar ein wunderbares Kompliment – ich bin ein grosser Bewunderer von Capra – aber der Film ist eher ein Tribut an all jene, die sich schon einmal dem aufreibenden Prozess der Einwanderung unterziehen mussten“, erklärt Spielberg. Die putzige Parabel vom Passagier, der unfreiwillig im Big Apple strandet, spielt mit sanftem Unterton auf aktuelle Weltprobleme wie Fremdenfurcht und Wirtschaftskrise an.
Hanks wunderbar schrullig
Hat Spielberg deshalb bewusst auf eine Komödie gesetzt? „In Krisenzeiten steigt natürlich der Wunsch nach kleinen Fluchten - Filme können ja wunderbar vom Alltag ablenken. Schön, wenn „Terminal“ dieses Beduerfnis erfuellen kann. Ich versuche allerdings nicht, mich mit der Auswahl meiner Filmthemen an die aktuelle Weltpolitik anzupassen“. Tom Hanks ergänzt: „Filme sind dann unterhaltsam, wenn sie eine gute Geschichte erzaehlen. Egal, ob Drama, Krimi oder Komödie. Im Endeffekt möchte man doch immer irgendwie die Realität wiederspiegeln – da spielt das Genre keine Rolle“.
Letzteres ist Hanks bei seiner Darstellung des kauzigen Kerls aus dem fiktiven Land „Krakozhia“ brillant gelungen. Mit einem herrlich russischen Akzent und schrulliger Unbeholfenheit spielt er den Airport-Dauergast ebenso überzeugend wie einst den Sonderling Forrest Gump. Spielberg über seinen Hauptdarsteller: „Tom war bei der Arbeit wie ein kleines Kind, das sich auf einem Abenteuerspielplaz austoben durfte. Er hat mit den Requisiten in der Flughafen-Kulisse herumgespielt und sich dabei spontan mehrere Szenen ausgedacht, die gar nicht im Drehbuch standen“.
Kulissenbegeisterung
Als „Kulisse“ kann man die gigantische Airport-Atrappe, die Spielberg eigens anfertigen liess, übrigens nicht mehr bezeichnen. Produktionsdesigner Alex McDowell („Minority Report“) erschuf auf 18.000 qm einen originalgetreuen Mini-Terminal – inklusive funktionstüchtiger Rolltreppen und echten Fastfood-Läden. Hanks schwelgt in Erinnerung: „Normalerweise sind Sets zu eng, zu dunkel und vollgestopft mit Kabeln. Die Kulissen bei „Terminal“ waren dagegen ungemein gemütlich. Überall gab es etwas leckeres zu essen, und Platz genug war auch noch da – ein echtes Paradies!“
Spielberg stimmt ein: „Als ich das erste Mal zum fertigen Set kam, wurden mir die Augen verbunden, damit die Überraschung größer sein würde. Ich war so aufgeregt wie ein kleiner Junge beim Weihnachtsfest. Was ich dann zu sehen bekam, war die schönste Kulisse, die ich je für einen Film zur Verfügung hatte. Das war wirklich wie ein riesengrosses Geschenk“.
In Deutschland startet „Terminal“ am 7. Oktober.
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