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"Star Wars"-Reihe
Warum ich Episode I bis III nicht lieben kann

Fotos: Szenenbilder aus "Star Wars VII – Das Erwachen der Macht"
Fotos: Szenenbilder aus "Star Wars VII – Das Erwachen der Macht" FOTO: Lucasfilm 2015
Düsseldorf. Wenn ich über "Star Wars" rede, meine ich nur die Filme, die zwischen 1977 und 1983 ins Kino kamen. Die Vorgeschichte, die nach 1999 in Episode I bis III erzählt wurde, verdränge ich weitgehend. Aus Gründen. Von Ludwig Jovanovic

Ich bin ein "Star Wars"-Fan der ersten Stunde. Meine Kindheit war geprägt von dem Zischen eines Lichtschwerts, dem Röcheln von Darth Vader, dem Grunzen von Chewbacca. Und immer noch kriege ich eine leichte Gänsehaut, wenn ich an die ersten drei Filmen denke: jene großartigen Science-Fiction-Märchen, die George Lucas zwischen 1977 und 1983 schuf. Als ich dann zum ersten Mal hörte, dass er eine neue Trilogie ins Kino bringen würde, war ich elektrisiert: Endlich wieder eine epische, fantastisch, mitreißende Gesichte – und dann kam 1999 "Die dunkle Bedrohung".

Ich weiß, dass einige erst über diese Filme zu "Star Wars" gefunden haben und sie vielleicht sogar noch nicht einmal schlecht finden. Es tut mir leid, aber wer so denkt, muss jetzt tapfer sein. Denn das Folgende wird ein Schlachtfest. Ich und viele andere Fans werden mit diesen Filmen niemals warm. Und ich kann auch erklären, woran das liegt. Und das, was nun kommt, sind noch nicht einmal alle Gründe, die ersten drei Episoden tief in den Schlund des Wüstenungetüms Sarlac zu werfen.

Episode I – Die Dunkle Bedrohung

Ich beginne mit dem offensichtlichsten Quatsch – dem Titel. Gibt es eine helle Bedrohung? Zu viel Sonne etwa und die Angst vor Sonnenbrand? Vielleicht hätte man es wörtlicher übersetzen sollen: The Phantom Menace – die versteckte oder geheimnisvolle Bedrohung. Auch wenn das immer noch nach ein paar uninspirierten, zufälligen Wörtern aus einem Titelgenerator klingt. Aber es ist tatsächlich noch das Beste an dem Film.

Episode I beginnt mit einem Disput über Handelszölle. Kein Witz! Und die Handelsföderation hat eine Blockade über den abgelegenen Planeten Naboo verhängt. Irgendwie muss eine Geschichte anfangen, damit könnte ich also noch leben. Aber die Delegierten der Handelsföderation haben einen asiatischen Akzent in der Originalfassung und einen französischen in der deutschen Version. Vermutlich hielt es George Lucas irgendwie für witzig, Vorurteile und Klischees durch eine solche Charakterisierung zu bemühen. Ebenso, wie aus ihnen eine Ansammlung etwas dümmlich wirkender, kleingeistiger Witzfiguren zu machen.

Doch sie sind noch ein philosophischer Kreis im Vergleich zu Jar Jar Binks: tölpelhaft, ungeschickt und mit einer dämlichen, mit dem Holzhammer lustigen Sprechweise. Das ist so komisch wie eine knochentrockene Powerpoint-Präsentation mit Witzen aus den 70ern. Solchen, die schon damals als ultraschlecht galten. Mit seiner Tollpatschigkeit vollbringt Jar Jar dann auch noch unabsichtlich Heldentaten. Will Lucas uns damit sagen, dass alles in "Star Wars" auf Zufall basiert? Oder soll das ulkig sein – so wie die Droiden-Armee, die von Komikern programmiert wurden, die mit Recht bei jeder Casting-Show durchgefallen sind?

Ich verstehe schon: Comic Relief. Dafür müsste es aber eine im Ansatz auch tragische Geschichte geben. Und die fehlt in "Die dunkle Bedrohung". Dafür präsentiert uns George Lucas ein durchgestyltes, buntes Bonbon-Glücksbärchi-Universum voller billigem Humor.

Jar Jar Binks tritt aus Versehen in einen Misthaufen. Ha, Ha. Emotionen weckt das keine. Auch nicht der junge Darth Vader, der da noch Anakin Skywalker heißt, etwa zehn Jahre alt ist und von Jake Lloyd gespielt wird. Das macht er aber so blutleer und hölzern, dass Darth Vader mit Maske tatsächlich ein besserer Schauspieler ist. Von George Lucas als Regisseur wurde Lloyd offensichtlich so gut wie gar nicht angeleitet. Und das bei einem Drehbuch, in dem Anakin keinen Vater hat.

Tragisch? Nein! Er wurde "aus der Macht geschaffen". Tatsächlich! Anakin Skywalker als Messias – und als Produkt der Midi-Chlorianer. Bitte was? War die Macht in den ersten drei Filme etwas Mystisches, nicht Greifbares, Fantastisches, machte sie George Lucas in Episode I zu einem Nebenprodukt der Midi-Chlorianer in den Zellen aller Lebewesen: die Macht als Ergebnis der Ausscheidungen irgendwelcher Kleinst-Lebewesen. George Lucas selbst fand die Idee selbst dann später wieder so schlecht, dass er sie nie mehr verwendete. Oder er reagierte auf den Fan-Protest und ließ die Midi-Chlorianer wie eine heiße Kartoffel fallen. So oder so: Rückblickend scheint das ziemlich überflüssig, weil es danach keine Rolle mehr spielte.

Anderes war dagegen einfach nur peinlich: So wie die Liebesgeschichte zwischen einem zehnjährigen Anakin und einer vielleicht 15-jährigen Amidala. Das ist an sich schon wenig überzeugend. Aber so leblos wie es dahin gespielt wird in Episode I, will man sich nur noch fremdschämen – für eine lächerliche, naive, wenig überzeugende, niemals spannende Geschichte, in der die einzige beeindruckende Figur mit dem finsteren Darth Maul recht schnell entsorgt wird.

Episode II – Angriff der Klonkrieger

Fangen wir wieder mit dem Offensichtlichen an: Was soll dieser Wortgenerator-Titel? Dann das zweite Offensichtliche: Anakin Skywalker, der spätere Darth Vader, ist ein pubertierender, nerviger, missverstandener, quengeliger Teenager, der sich zurückgesetzt fühlt. Das soll der Grund für das Ende der Jedi und den Aufstieg des Imperiums gewesen sein? Ein Teenager, der nicht weiß, wohin mit seinen Gefühlen? Und das auch noch verpackt in eine noch peinlichere Liebesgeschichte als im ersten Film inklusive Dialogen aus den schlechtesten Groschenromanen: "Der Gedanke, mit dir zusammen zu sein – ich kann nicht atmen ... Ich werde von dem Kuss verfolgt, den du mir vor Jahren gegeben hast und hoffe, dass er nicht zur Narbe wird."

Nachdem Anakin später das Dorf der Sandleute vom Erdboden getilgt hat, gesteht er seiner Amidala den Massenmord; dass er alle, Frauen, Kinder, Alte und Schwangere getötet hat. Und was macht Amidala? Sie tröstet ihn und hat Mitleid mit ihm. Ist das dein Ernst, George Lucas?

Aber wenigstens gibt es eine Handlung. Irgendwie. Nach dem Sinn darf man nicht fragen. Es beginnt mit dümmlichen Anschlägen auf Amidala. Was genau damit erreicht werden sollte? Es wäre zielführender, mit einer weißen Wand zu reden, als im Film auf eine Antwort zu hoffen. Vielleicht habe ich den Sinn auch nur übersehen zwischen den vielen Namen und Figuren, die auf die Leinwand geworfen werden und die bis dahin nie eine Rolle gespielt hatten: Eine Armee aus Klonen wurde von dem Jedi Sifo-Dyas in Auftrag gegeben. Wer das ist? Keine Ahnung, aber der ist ohnehin schon tot. Dann taucht Christopher Lee als ehemaliger Jedi und nun finsterer Count Dooku auf, der... wer genau ist? Ist doch egal, so wie die vielen Erlebnisse oder Gegebenheiten, die Anakin oder andere im Film ansprechen. Wir sehen davon nichts im Film.

George Lucas hat sich da lieber für Hörspiel-Romantik entschieden. Aber das ist nicht schlimm, denn diese ganzen Erzählungen spielen keine Rolle. Wenn es wichtig wird wie bei den Gesprächen zwischen Anakin und Amidala über die politische Situation der Republik und deren Lösung, wurden einige Passagen rausgeschnitten. Angeblich hätten sie den Filmrhythmus gestört – oder das Niveaus zu sehr angehoben. Auch dass die Verbindung der Jedi zur Macht nachlässt, wirft Lucas mal eben so in den Raum. Was heißt das? Was sind die Gründe?

Hat jemand wirklich geglaubt, es gibt eine Erklärung?

Lieber musste man dann noch den Kopfgeldjäger Boba Fett unterbringen, der in der ersten Trilogie Anfang der 80er einen bleibenden Eindruck hinterließ – auch wenn es für die Story belanglos war. Und die Jedi durften zeigen, was sie können und führten in einem Film mit vielen schlechten Computer-Effekten eine Lichtschwert-Lightshow auf, die auf einer Techno-Party gut ankommen würde, nicht in einer epischen Schlacht.

Dann kommt aber noch die schlimmste Szene des ganzen Films: Yoda kämpft mit dem Lichtschwert – und wirkt wie Kermit von den Muppets auf Droge. Der alte Jedi-Meister, der einst so weise war, agierte wenig glaubwürdig und wirkte lächerlich. Und wieso genießt Obi-Wan Kenobi im allerersten Film, Episode IV, eigentlich einen so legendären Status? In "Angriff der Klonkrieger" benötigt  er die Hilfe von Kindern, um einen Planeten zu finden. Er befragt Jango Fett, Boba Fetts Vater, so dezent, dass er auch mit einem Vorschlaghammer gegen die Tür hätte hämmern können und er lässt sich noch recht stupide gefangen nehmen. Könnte es sein, dass Obi-Wan in der Jedi-Akademie durchgefallen ist und nur über ein Freilos zum Orden gekommen ist?

Episode III – Die Rache der Sith

Über den Filmtitel will ich nichts mehr sagen, aber wofür die Sith sich rächen, weiß keiner, der nur die Filme kennt. Dazu müsste man das erweiterte Universum der Bücher, Comics und Spiele bemühen. Aber warum soll der Titel auch erklärt werden? Die Wortschütttelmaschine hat die Buchstaben-Kombination ausgespuckt, und es klingt ein wenig nach "Rückkehr der Jedi" von 1983.

Aber ich will nicht unfair sein. Episode III ist immerhin der beste der drei Filme, weil er tatsächlich ein wenig düster ist. Und dennoch: Count Dooku, der in Episode II aufgebaut wurde, wird schnell entsorgt. Dafür tritt die Witzfigur General Grievous auf. Ähm, wer? Egal, auch er wird schnell getötet. Figuren, Charaktere, Charakterentwicklung – das wird alles überbewertet. Nach einigen an sich interessanten Gesprächen zwischen Anakin Skywalker und mittlerweile Kanzler Palpatine, von denen man hoffte, dass da mehr kommt, fegt Lucas auch die vom Tisch. Wir wollen uns nicht zu lange mit so etwas wie einem Script aufhalten.

Eine Kampfszene später kniet Anakin Skywalker sich nieder, ist flugs zur Dunklen Seite der Macht gewechselt und heißt jetzt Darth Vader. Das ist jetzt so, basta! Hinter allem steckt Kanzler Palpatine, der über Jahre die Macht an sich gerissen hat. Das war vermutlich schon Gesprächsstoff in vielen sozialen Netzwerken und beim Friseur oder Gemüsehändler. Aber erst jetzt fällt es auch den Jedi auf, die sich bis dahin mit großen Augen anschauten und mit den Schultern zuckten. Intelligenz war also definitiv keine Grundbedingung, um Jedi zu werden.

Wenigstens gibt es einen beeindruckenden Endkampf zwischen Anakin und Obi-Wan, der auch in Episode III meist ratlos unterwegs ist. Und wir haben den weniger beeindruckenden Kampf zwischen Yoda und Palpatine – der aussieht, als ob zwei Kinder sich auf dem Jahrmarkt um eine Puppe streiten. Aber es gibt tatsächlich starke Szenen: den Moment etwa, in dem Palpatine den Befehl gibt, alle Jedi zu töten. Die Szene wäre natürlich noch stärker gewesen, wenn wir die Jedi, die gezeigt werden, wenigstens halbwegs kennen würden. Aber wir sind ja schon dankbar, dass es dramatisch aussieht und einen Hauch von Emotion weckt.

Meine Lieblingsstelle aber: Amidala darf Zwillinge zur Welt bringen und stirbt dann. Nicht etwa, weil Anakin sie aus Eifersucht mit der Macht gewürgt hat. Das wäre zu simpel. Nein, sie stirbt, weil Anakin zur Dunklen Seite der Macht wechselte – und das brach ihr das Herz. Buchstäblich. Echt jetzt, George!? So richtig über die Story nachgedacht und über das Script gelesen hat anscheinend niemand. Das erklärt auch die vielen Widersprüche zu den ersten Filmen, die rund 20 Jahre nach den Ereignissen in Episode III spielen: Chewbacca und Yoda kannten sich und kämpften zusammen. Warum räuspert sich unser Lieblings-Wookie in Episode IV von 1977 aber niemals, wenn er sieht, wie Obi-Wan den jungen Luke Skywalker in den Mysterien der Macht unterweist?

Ein simples Grunzen, um zu sagen: "Ich kannte mal einen Jedi." Bloß keine Fragen stellen. Auch nicht, warum Obi-Wan sich später nicht wirklich an R2D2 oder C3PO erinnern kann. Und wieso ich kein Wort über Mace Windu alias Samuel L. Jackson verliere: Oh, der hat auch noch mitgespielt?

Den Zauber der ersten drei Filme strahlt keiner der drei Teile aus. Liegt es daran, dass ich zu alt geworden war? Ein Blick ins Internet zeigt mir, dass ich nicht alleine bin. Gespräche mit anderen Fans über die ersten drei Episoden bekommen schnell den Charakter einer Selbsthilfe-Gruppe, in der wir uns gegenseitig trösten – und uns lieber an die große Zeit erinnern. Damals, als wir ins Kino gingen und mit einer Gänsehaut wieder rauskamen. Wir waren ergriffen und hatten das Gefühl, etwas Großes gesehen und erlebt zu haben.

Nun hoffen wir auf J. J. Abrams und Episode VII. "Das Erwachen der Macht" bringt hoffentlich den Zauber zurück, den wir mit "Star Wars" verbinden ­– und so sehr vermissen.

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