Erstmals seit elf Jahren wieder deutscher Film im Rennen um die "Goldene Palme" - Protestaktionen wegen sozialem Konflikt im französischen Kulturbetrieb erwartet: Startschuss für 57. Festival von Cannes fällt
zuletzt aktualisiert: 11.05.2004 - 14:24Cannes (rpo). Der rote Teppich in Cannes ist ausgerollt, die 57. Filmfestpiele von Cannes stehen an. Eröffnet wird das Festival mit dem Streifen "La mala educacíon" von Pedro Almodovars. Das Werk des Spaniers läuft außer Konkurrenz. Die "Goldene Palme" wird am 23. Mai vergeben. Im letzten Jahr siegte "Elephant" von Gus Van Sant.
Erstmals seit elf Jahren ist dagegen wieder ein deutscher Film im Hauptwettbewerb vertreten: "Die fetten Jahre sind vorbei" des in Berlin lebenden Österreichers Hans Weingartner konkurriert mit Arbeiten renommierter Regisseure wie der Coen-Brüder, Michael Moore, Emir Kusturica oder Wong Kar-Wei um die Gunst der Jury unter Leitung von Quentin Tarantino.
Die seit einem Jahr andauernden Protestaktionen im französischen Kulturbetrieb dürften auch an der Croisette weitergehen. Es gehe ihnen aber nicht um eine Absage des Festivals, versicherte der Schauspieler Samuel Churin am Dienstag. "Wir kommen hierhin, um die Stadt und die Köpfe zu besetzen", erläuterte er das Anliegen der Protestierenden, die im letzten Sommer die Absagen der renommierten Theater- und Musikfestivals von Avignon und Aix-en-Provence erzwungen hatten. Die Leitung der Festspiele von Cannes und Vertreter der "intermittents" wollten am Dienstag verhandeln.
Der Konflikt hatte sich an einer Reform der Arbeitslosenversicherung für die landesweit gut 100.000 mit Zeitverträgen beschäftigten Bühnentechniker, Beleuchter, Kameramänner, Schauspieler und Sänger entzündet. Sie sollen künftig 507 Arbeitsstunden in den letzten zehn beziehungsweise zehneinhalb statt bislang zwölf Monaten nachweisen müssen, um dann höchstens acht statt zehn Monate Arbeitslosengeld zu erhalten.
Jungstar Daniel Brühl an der Croisette
18 Filme laufen im Hauptwettbewerb, darunter Arbeiten der früheren Cannes-Sieger Joel und Ethan Coen ("The Ladykillers" mit Tom Hanks), "La vie est un miracle" (Das Leben ist ein Wunder) des gebürtigen Bosniers Kusturica, Moores "Fahrenheit 9/11", Wong Kar-Wais "2046" und "The Motorcycle Diaries" des Brasilianers Walter Salles. Gastgeber Frankreich ist mit drei Produktionen vertreten, darunter "Comme une image" von Agnès Jaoui.
Hauptdarsteller in "Die fetten Jahre sind vorbei" ist Nachwuchsstar Daniel Brühl ("Good Bye Lenin"), der bereits in Weingartners Erstlingswerk "Das weiße Rauschen" spielte. Der Film über einen schizophrenen Jugendlichen gewann 2001 den Max-Ophüls-Preis. In seinem zweiten Spielfilm erzählt der ehemalige Kanuführer, Skilehrer und Student der Gehirnforschung die Geschichte von drei idealistischen Jugendlichen, die rebellieren wollen, und in einer Welt fast ohne Tabus kaum mehr Reibungsflächen finden. Sie lassen Reichen die Botschaft vom "Ende der fetten Jahre" zukommen und bringen sich mit waghalsigen Aktionen in Gefahr. Neben Brühl spielen Stipe Erceq und Julia Jensch.
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