62. Filmfestspiele von Venedig: Steven Soderberghs wundersame Seifenblase
VON DÖRTE LANGWALD - zuletzt aktualisiert: 03.09.2005 - 15:23Venedig (rpo). Der Mann ist ein Erfolgsgarant. Und doch weiß man bei Steven Soderbergh nie, was man zu erwarten hat. Von seinem Debütfilm "Sex, Lügen und Videos" über die Oscar-gekrönten Werke "Erin Brokovich" und "Traffic" bis hin zum Kinohit "Ocean's Eleven" – der US-Regisseur sorgt stets für Überraschungen. Auch mit seinem neuen Film "Bubble" versetzte er Venedig in Erstaunen.
Die Low-Budget-Produktion erzählt von urbaner Tristesse in einer Kleinstadt in Ohio. Schrammelnde Gitarrenklänge zu tristen Anblicken aus der Provinz. Als Kulisse eine heruntergekommene Puppenfabrik im amerikanischen Niemandsland. Dazu Darsteller, die keinerlei Schauspielerfahrung haben. Eine interessante Konstellation für einen Regisseur, bei dem die Hollywood-Stars Schlange stehen und der zuletzt mit "Ocean's Twelve" einen Blockbuster landete. Steven Soderbergh ist ein cineastisches Chamäleon. Und macht, was ihm gefällt. Im Falle seines neuesten Werkes, produziert von seiner Firma "Section Eight", die er gemeinsam mit Geroge Clooney betreibt, waren es amerikanische Ottonormalverbraucher, die Soderbergh vor die Kamera bringen wollte.
In semi-dokumentarischem Stil porträtiert der Oscar-Preisträger das Dümpel-Dasein dreier Fabrikarbeiter im urbanen Ohio. Zwischen der pummeligen Martha, dem introvertierten Kyle und der durchtriebenen Rose entspinnt sich eine fatale Dreiecksbeziehung mit tödlichen Folgen. Alle Darsteller stammen aus der Gegend, in der gedreht wurde. Wenn sie sich unterhalten, dann erfährt der Zuschauer oftmals wahre Details aus ihrem Leben – allesamt Geschichten, die Soderbergh geschickt in die eigentliche Handlung integrierte.
Der Regisseur zeigte sich von seinen Laiendarstellern begeistert: "Ich habe mich bewusst zurückgehalten mit meinen Anweisungen, um die Natürlichkeit der Schauspieler zu wahren. Zwar habe ich ihnen vor jeder Szene erklärt, worum es gehen sollte. Aber darüber hinaus sollten die Darsteller so authentisch wie möglich agieren", erklärte Soderbergh. "Bubble", mit einem Budget von weniger als zwei Miollionen Dollar gedreht, soll erstmals in den USA zeitgleich im Kino, auf DVD und im Kabelfernsehen erscheinen. "Es war nur eine Frage der Zeit, bis es einen Film geben würde, der auf diese Weise veröffentlicht wird. Nun ist es eben zufällig ein Film von mir", so Soderbergh. "Dem Publikum ist das aber sicher egal. Was den Zuschauer interessiert, ist die Geschichte eines Films, und nicht das Erscheinungsdatum der DVD."
Obwohl der Film die Armut und Ausweglosigkeit des ländlichen Alltags in Ohio sehr deutlich zeigt, distanzierte sich Soderbergh von möglichen politischen Ambitionen seines Werkes. "Ich wollte ein genaues Bild vom Leben meiner Darsteller wiedergeben. Aufgrund ihrer sozialen Umstände wird der Film dadurch automatisch politisch. Bei 'Traffic' war das ebenso. Wenn man einen Film über das Drogenkartell macht, bewegt man sich auf politischem Parkett. Dennoch gilt für beide Filme, dass ich keine Botschaft transportieren will", so Soderbergh.
Vielmehr habe er einen Gegenentwurf zu den zahlreichen Reality-Shows in den USA zeigen wollen. "Diese Sendungen heißen zwar 'Reality-Show', sind in Wahrheit aber weitaus fiktiver als manch ein Kinofilm. Außerdem ist ihr Konzept darauf ausgerichtet, die Beteiligten permanent zu demütigen. Ich wollte deshalb versuchen, realen Personen eine Plattform zu bieten, auf der sie ein Zeugnis von ihrem Leben ablegen können", sagte Soderbergh. "Es wird sicher Zuschauer geben, die im Kino nicht mit den Problemen realer Personen konfrontiert werden wollen, weil sie davon genug in ihrem eigenen Alltag haben und auf der Leinwand lieber Hollywood-Stars sehen wollen. Aber das wird sich zeigen", erklärte er weiter.
Fünf weitere Filme dieser Art wird Soderbergh in den nächsten Jahren realisieren. Zuerst wird er aber "The Good German" drehen, mit George Clooney in der Hauptrolle. Schade für deutsche Fans: Obwohl der Film im Berlin der Nachkriegszeit spielt, wird Soderbergh aus Produktionsgründen nicht an Originalschauplätzen drehen können.
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