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Interview mit Ben Stiller, Christine Taylor und Vince Vaughn: Stiller: 'Humor ist eine subjektive Sache'

VON DÖRTE LANGWALD - zuletzt aktualisiert: 29.09.2004 - 10:55

Düsseldorf (rpo). In der Sportkomödie 'Voll auf die Nüsse' spielt er einen manischen Muskelprotz mit Testosteron-Überschuss und Dschingis-Khan-Schnäuzer. Im wirklichen Leben trägt Ben Stiller weder eine gefönte 80er-Jahre-Mähne, noch pumpt er bei Damenbesuch Luftpolster in seinem Schritt auf. Der mit Kollegin Christine Taylor verheiratete Hollywood-Star erwies sich im gemeinsamen rpo-Interview als netter Familienvater, der sich selbst nicht so ernst nimmt.

rpo: Ein Film über Völkerball – da kamen bei den Dreharbeiten bestimmt Kindheitserinnerungen auf, oder?

Ben: Ja, ich hatte auch prompt den Geruch der roten Gummibälle in der Nase, mit denen wir früher in der Schule gespielt haben. Mir fiel wieder die Anspannung ein, die jedes Mal herrschte, wenn die Teams gewählt wurden. Diese Angst, als Letzter aufgerufen zu werden. Oh, und ich habe einige wunderbare Erinnerungen daran, wie es war, wenn man mal wieder einen Ball direkt ins Gesicht bekommen hatte (lacht).

rpo: Was das betrifft, dürfte die Erinnerung Ihrer Frau etwas frischer sein. Während der Dreharbeiten haben Sie Christine mit einem harten Wurf getroffen. Haben Sie sich wenigstens gebührend dafür entschuldigt?

Ben: Ja. Zwei Wochen später, als Christine endlich wieder mit mir gesprochen hat, konnte ich mich persönlich bei ihr entschuldigen. Spaß beiseite, das ist natürlich eine emotionale Sache, wenn man einen Ball ins Gesicht geschleudert bekommt – auch, wenn es ein Unfall ist. Es hat deshalb ein paar Stunden gedauert, bis meine Frau mir richtig verziehen hatte.

Christine: Zumal wenn man bedenkt, was du zu mir gesagt hast! Nachdem Ben mich getroffen hatte, bin ich schnell vom Set geeilt, weil ich nicht wollte, dass die anderen meine Tränen sehen konnten. Der Aufprall hat gar nicht so weh getan, aber ich habe mich einfach schrecklich gedemütigt gefühlt. Ben kam mir nach und entschuldigte sich bei mir. Ich antwortete: ‚Kein Problem, ich weiß ja, dass du nicht gerade zielsicher bist und mich nicht absichtlich treffen wolltest’. Daraufhin meinte Ben: ‚Oh, ich wollte dich schon treffen, nur nicht im Gesicht’.

rpo: Klingt nach hartem Trainingslager.

Christine: Geben Sie erwachsenen Männern einen Ball in die Hand, und sie werden binnen weniger Sekunden wieder zu Kleinkindern. Am Set herrschte anfangs echte Konkurrenzstimmung. Ben hat mich nicht mehr als seine Frau betrachtet, sondern als Mitglied der gegnerischen Mannschaft. Als er zu seinem fatalen Wurf ansetzte, dachte ich noch: ‘Worauf zielt der Kerl?’ und habe mich umgedreht, um zu schauen, was sich hinter mir befindet. Ich sah den Ball wie in Zeitlupe auf mich zufliegen. Und dann war es auch schon zu spät. Wissen Sie, Ben hat wahnsinnig viel Kraft. Wenn er nur besser zielen könnte. Naja, ich habe Völkerball schon in der Schule nicht gemocht.

rpo: Vince, wie steht es um Ihre Wurffähigkeiten?

Vince: War diese Frage jetzt ironisch gemeint? Sieht man mir so sehr an, dass ich nicht besonders gut in Form bin? Nunja, früher war ich beim Völkerball ein echter Draufgänger und habe auch ganz gut getroffen. Aber jetzt, da ich älter bin, wurde ich beim Spielen viel schneller müde. Dieses ganze Hin- und her rennen hat mich richtig ausgelaugt. Ich bin halt nicht so der Fitness-Typ, falls Ihnen das noch nicht aufgefallen ist (lacht).

rpo: Ben, wie steht es mit Ihnen – im Film sehen Sie ja richtig durchtrainiert aus.

Ben: Das war ich gar nicht. White Goodman ist eine reine Computeranimation, ich habe ihn nur synchronisiert. Nein, ich habe tatsächlich ein bisschen für die Rolle trainiert. Im Solarium war ich auch. Das lag aber alles nur daran, weil man mir ursprünglich versprochen hatte, in „Troja“ mitzuspielen.

rpo: Ist das Ihre Version von Method Acting? Sie scheuen bei Ihren Rollen zumindest keine Peinlichkeiten.

Ben: Naja, wenn eine Rolle erfordert, dass ich meine Muckis auftrainiere und in lächerlichen Lycra-Anzügen herum laufe, dann finde ich das völlig in Ordnung. White Goodman ist so stark auf seinen Körper fixiert, dass man ihn nur derart übertrieben spielen konnte. Er ist sozusagen die personifizierte Übertreibung des amerikanischen Fitnesswahns.

rpo: Wie stehen Sie denn persönlich zum Körperkult?

Ben: Ich finde, dass überall auf der Welt die Menschen zu viel Wert auf ihr Aussehen und ihren Körper legen. Das ist ganz schön selbstbezogen. Es hat also Spaß gemacht, sich darüber ein bisschen lustig zu machen.

rpo: Vince, Sie spielen das genaue Gegenteil von Ben. Wie haben Sie Ihre Rolle empfunden?

Vince: Die ganze Welt von Peter und seinem “Average Joe’s”-Fitnessstudio hat dem Film einen sehr liebenswerten Aspekt verliehen. Peter versucht, für sich und seine etwas trotteligen Freunde den einen Platz auf der Welt zu retten, an dem sie keine Außenseiter sind. Die Geschichte ist natürlich vor allem lustig, aber sie hat auch etwas warmes, herzliches. Das hat mir gut gefallen. Außerdem fand ich es köstlich, dass Erwachsene sich mit einem Kinderballspiel gegenseitig bekriegen.

rpo: Wie kam es zu David Hasselhoffs schrägen Gastauftritt?

Ben: Das hat Ihnen gefallen, nicht wahr (lacht). Eigentlich stand dieser Part gar nicht im Drehbuch. Aber unser Stunt-Koordinator war früher Davids Double bei “Baywatch”. Er schlug ihn spontan als Trainer der deutschen Völkerball-Mannschaft vor und kontaktierte ihn auch. David hat sofort zugesagt und sogar extra ein bisschen deutsch für seine Rolle gelernt.

rpo: Ben, Sie haben in der letzten Zeit ganz schön viele Filme gedreht. „Starsky and Hutch“, “Und dann kam Polly”, “Neid”… Sind Sie ein Workaholic?

Ben: Sie haben Recht, ich war ganz schön beschäftigt in den letzten Jahren. Aber keine Sorge, ich kann auch noch ohne meine Arbeit existieren. Obwohl – wenn Sie einen guten Psychologen empfehlen können, dann ruf ich ihn vielleicht mal an (lacht).

rpo: Sie haben eine kleine Tochter. Wie hat sie auf die seltsamen Kostüme ihrer Eltern reagiert?

Christine: Wir wollten nicht, dass unsere Kleine uns in SM-Klamotten oder Trainingsanzügen mit Lederpolstern sieht. Deshalb war sie nur selten am Set. Für Ben und mich war das ein regelrechter Entzug, wir hätten sie natürlich am liebsten immer bei uns.

rpo: Wie wichtig ist es eigentlich am Set, dass man den gleichen Humor teilt?

Ben: Humor ist eine subjektive Sache. Jeder hält etwas anderes für witzig. Dennoch ist es wichtig, dass man eine ähnliche Einstellung hat. Wenn man in Bezug auf Humor überhaupt keine Gemeinsamkeiten teilt ist das, als würde man eine unterschiedliche Sprache sprechen. Deshalb arbeite ich so gerne immer wieder mit denselben Leuten. Da weiß man, was man hat.

rpo: Finden Sie sich selber lustig?

Ben: Darüber denke ich eigentlich nicht nach. Ich würde aber sagen, dass ich ein Gespür dafür habe, was die Leute lustig finden könnten. Wenn man einen Film macht, hofft man natürlich immer, dass die Leute über das lachen, was man selber witzig findet.

rpo: Können Sie denn über sich selber lachen?

Ben: Ich finde, es ist sehr wichtig, dass man sich selber nicht so ernst nimmt. Dennoch kann es immer mal passieren, dass man sich zu sehr in einer Sache verbissen hat. Dann braucht man jemanden, der einen anstupst und daran erinnert, dass man auch mal über sich selber lachen muss.

rpo: Und wer macht das bei Ihnen?

Ben: Natürlich meine Frau.

Christine: Seitdem wir eine Tochter haben, führen wir uns sowieso ständig wie die Irren auf. Sie glauben ja gar nicht, was man alles anstellt, nur um ein Lächeln auf das Gesicht so eines kleinen Knirpses zu zaubern. Sämtliche Heimvideos, die wir drehen, dürfen niemals an die Öffentlichkeit dringen.

rpo: Apropos Familie – Ben, werden Sie nach “Zoolander” nochmal mit Ihrem Vater Jerry Stiller drehen?

Ben: Es ist zwar nichts konkretes geplant, aber es hat Riesenspaß gemacht, mit ihm zu arbeiten. Mein Vater hat mich immer unterstützt und mich gefördert. Als Teenager habe ich mit der Super8-Kamera kleine Horrorfilme gedreht. Mein Vater hat ohne mit der Wimper zu zucken Rollen von einäugigen Verrückten übernommen.

Quelle: rpo

 
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