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"Stolz und Vorurteil & Zombies"
Jane Austen flirtet mit Zombies

Stolz und Vorurteil & Zombies: Kinofilm mit blutigen Splattereffekten
Bella Heathcote in der Rolle der Jane Bennet. FOTO: SquareOne Universum
Düsseldorf. "Stolz und Vorurteil & Zombies" ist eine freche, aber gelungene Hommage. Von Renée Wieder

Der Titel klingt schaurig. Als obsessive Jane-Austen-Leserin fragt man sich schon, was sie wohl dazu sagen würde. Austens Gesellschaftsroman aus dem Herzen des British Empire um 1800, feinsinniger Klassiker der Weltliteratur, derbe besudelt von geifernden Zombies und blutigen Splattereffekten. Wie soll das überhaupt funktionieren mit Elizabeth Bennet als Untotenkillerin und Mr. Darcy als Zombiejäger? Was, um Himmels willen, wird dann erst aus Mr. Wickham?

Es funktioniert überraschend gut. Frei nach dem gleichnamigen Roman von Seth Grahame-Smith - und wie gesagt sehr frei nach Austen - springt "Stolz und Vorurteil & Zombies" mitten hinein in den Alltag der fünf Bennet-Mädchen. Die haben diesmal Besseres zu tun, als reiche Junggesellen zu beobachten oder im Salon auf Netherfield zierlich die Hände im Schoß zu falten. Lizzy (Lily James) und ihre Schwestern sind in diesem Film Meisterinnen der chinesischen Kampfkunst. "Meine Töchter wurden für den Krieg ausgebildet, nicht für die Küche", sagt der Vater einmal. Das ist gut so, wird England doch seit Jahren von einer Zombie-Epidemie heimgesucht.

Man darf sich also nicht wundern, wenn Lizzy beim Ankleiden den Dolch ins Strumpfband gleiten lässt und dazu Sätze sagt wie "Ich würde für einen Ring niemals auf mein Schwert verzichten". Oder warum Inspector Darcy (Sam Riley) stets ein Gläschen mit Fliegen bei sich trägt. Die Tiere sind nämlich unschlagbar im Aufspüren von verwesendem Fleisch.

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Austen selbst rieb Lizzys und Darcys spröder Romanze damals schon genug Sand ins Getriebe. Die soziale Fallhöhe, alberne Mütter und dünkelhafte Tanten, Stolz und Vorurteile natürlich. Da hier noch beißwütige Untote hinzukommen, wird nebenher ausgiebig geköpft, mit den Zähnen geklappert und im nett choreographierten Martial-Arts-Stil zerlegt. Trotzdem schafft der Film es fast bis zum Schluss, romantisches Tableau und Horror ohne größeren Schaden nebeneinander herlaufen zu lassen.

Manche Wortgefechte klingen sogar noch eine Spur eleganter, wenn gleichzeitig nach Kräften gesäbelt wird. Lily James, die in "Cinderella" noch so hilflos und süß war, gibt eine hübsch patzige Action-Lizzy, Sam Riley einen durchaus schneidigen Darcy. Spaßig ist das auf jeden Fall. Nur kein bisschen originell, weil Regisseur Burr Steers ("17 Again") die Austen-Elemente so hemmungslos bei Vorgängern wie Joe Wrights Meisterwerk von 2005 zusammenklaut, manchmal sogar Szene für Szene.

Selbst eine kleine Hommage an Colin Firths legendäre BBC-Badeszene schafft es noch ins sorglose Genre-Durcheinander. Ob Jane Austen sich im Grab umdrehen würde wegen all der ekligen Gruselgestalten, die da durch ihre schöne Geschichte torkeln, ist bei so viel unbedarfter Frechheit am Ende fast egal.

Stolz und Vorurteil & Zombies, USA, Großbritannien 2015 - Regie: Burr Steers, mit Lily James, Sam Riley, Jack Huston, Charles Dance, 108 Min.

Quelle: RP
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