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Attacken und Gegenattacken: Streit um Tom Cruises Filmprojekt eskaliert

zuletzt aktualisiert: 10.07.2007 - 10:10

Frankfurt/Main (RPO). Die Diskussion um das geplante Filmprojekt "Valkyrie" von Tom Cruise spitzt sich immer weiter zu. Am 19. Juli soll nun endlich Drehstart sein, die Drehgenehmigung für die Szenen, die im "Bendlerblock" spielen sollen, ist noch nicht erteilt worden. Und es sieht auch nicht so aus, als ob sich das noch ändern wird - was viele Prominente erbost, die für das Projekt Partei ergreifen.

Das Studio Babelsberg vermeldete jetzt stolz, die Kooperationsverträge seien unterzeichnet und dem Drehstart stehe nun endlich nichts mehr im Wege. Mitwirken werden unter anderem die Schauspieler Thomas Kretschmann, Christian Berkel, die Niederländerin Carice van Houten und der Brite Kenneth Branagh, Alexandra Maria Lara htte eine kleinere Filmrolle als Sekretärin jüngst abgelehnt.

Dennoch: Trotz nun fest stehendem Drehstart-Termin wird es wohl keine Szenen aus dem Original-Bendlerblock geben. Vielen Befürwortern zum Trotz. Jetzt hat sich Berlins früherer Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen eingeschaltet und eilt dem US-Schauspieler zur Hilfe; der Sitz der deutschen Regierung mache sich "international lächerlich".

Anlass für Diepgens Sorge ist der eskalierende Streit darum, ob Hollywoods Superstar Tom Cruise wegen seiner Angehörigkeit zur umstrittenen Scientology-Kirche die richtige Besetzung für die Rolle des Hitler-Attentäters Claus von Stauffenberg in dem US-Spielfilmprojekt "Valkyrie" ("Walküre") ist.

Diepgen beantwortet die Frage, ob ein Scientologe den Helden und Märtyrer des deutschen Widerstands gegen die Nazi-Diktatur spielen kann: "Natürlich, wenn er ein guter Schauspieler ist. Die Zugehörigkeit zu einer umstrittenen Sekte macht ihn doch nicht zum Verbrecher."

Auch Klaus Schütz, der ehemals für die SPD die Politik in Berlin als Regierender Bürgermeister führte, bangt wegen der anhaltenden Debatte um Cruise darum, dass Berlin "als ein Filmstandort der Ersten Klasse nicht wieder in Frage gestellt wird durch derartig törichte Verbote". Damit spielt Schütz an auf das von den Bundesbehörden verfügte Verbot für das amerikanische Filmteam von "Valkyrie", Dreharbeiten im Bendlerblock machen zu dürfen. Im Hof des dem Verteidigungsministerium gehörenden Gebäudekomplexes war Stauffenberg im Juli 1944 hingerichtet worden.

Wo nun endgültig die Drehs für den Film stattfinden, bleibt noch unklar.

"Dreharbeiten im Bendlerblock wären unerträglich"

Für Peter Steinbach, Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin, wären Dreharbeiten mit Cruise dort jedoch einfach "unerträglich", wie er in einem TV-Interview erklärte: "Ich verwahre mich davor, dass der Ehrenhof der Gedenkstätte zum Schauplatz einer erneuten Hinrichtung des Protagonisten Stauffenberg, der durch Tom Cruise gespielt wird, benutzt wird."

Auch Stauffenbergs 72-jähriger Sohn Berthold steht der Verkörperung seines Vaters durch den Hollywood-Star sehr kritisch gegenüber: "Es ist mir unsympathisch, dass ein bekennender Scientologe meinen Vater spielt."

Der Frankfurter Publizist und Herausgeber Frank Schirrmacher hat in einem Artikel der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" nun aber an Stauffenbergs Mitgliedschaft in dem sektenähnlichen Kreis um den Dichter Stefan George in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erinnert.

"Der George-Kreis wäre heute im Überwachungsbereich des Sektenbeauftragten und - denkt man an die von George 1933 zugestandene 'Ahnherrschaft' der 'neuen nationalen Bewegung' - auch des Verfassungsschutzes."

Außerdem versteht er nicht, warum für einen früheren deutschen Stauffenbergfilm eine Drehgenhemigung erteilt worden war, wenn man den Bendelerblock als Gedenkstätte unberührt vom Filmrummel halten wolle.

Kritik und Unverständnis

In der amerikanischen und internationalen Öffentlichkeit stößt die deutsche Debatte weitgehend auf Kritik und Unverständnis, zumal der Regisseur von "Valkyrie", Bryan Singer, nicht nur ein Renommierter seines Fachs, sondern auch Jude ist. Und das Drehbuch stammt immerhin von einem nicht minder renommierten Oscar-Gewinner.

Den diesjährigen triumphalen Oscar-Gewinner Florian Henckel von Donnersmarck ("Das Leben der anderen") hat der Streit um Cruise vor einigen Tagen zu einem ganzseitigen Zeitungsbeitrag unter dem Titel "Deutschlands Hoffnung heißt Tom Cruise" provoziert.

Donnersmarck beklagt in seinem Text: "Selbst der größte Star der Siegernation ist uns nicht gut genug, unseren Übermenschen Stauffenberg zu spielen." Der Filmemacher erkennt gerade in der Mitwirkung von Cruise eine große Chance, denn dessen Stauffenberg-Darstellung werde "das Ansehen Deutschlands mehr befördern, als es zehn Fussball-Weltmeisterschaften hätten tun können".

Donnersmarck kritisiert in seinem Artikel scharf das geistige Klima, in dem die Debatte stattfindet: "Die furchtbar langweilige Gleichmacherei, die in Deutschland zur Zeit grassiert, toleriert das nicht. Sie will komplette Korrektheit in allen Aspekten des Lebens."

Ironischerweise wird der Film außerdem mit deutschen Mitteln bezuschusst - 4,8 Millionen, so berichtet die "Zeit", kämen aus dem Fördertopf der neuen Deutschen Filmförderfonds (DFFF).

Quelle: ap

 
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