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Der Verkauf sorgt für Unruhe im Unternehmen: Studio Babelsberg: "Dolchstoß" oder Neubeginn

zuletzt aktualisiert: 15.07.2004 - 17:08

Potsdam (rpo). Die Zukunft der Studios Babelsberg ist ungewiss. Die möglichen neuen Eigentümer, zwei Investoren aus München, halten sich mit ihren Plänen bedeckt. Unruhe und Besorgnis hat sich nun in dem Berliner Unternehmen breit gemacht. Der Betriebsrat hat in einem Offenen Brief Bundeskanzler Gerhard Schröder um Unterstützung gebeten.

Die neuen Investoren Carl Woebcken und Christoph Fisser hätten bei ihren bisherigen wirtschaftlichen Engagements "Pleiten und Prozesse" hinterlassen, heißt es in dem Schreiben, das am Donnerstag an das Bundeskanzleramt übergeben wurde. Zudem hätten die Investoren im Filmbereich kein Know-how aufzuweisen. Unklar sei, ob sie über die notwendige Kapitaldecke verfügten, um dem Studio entscheidende Impulse zu geben.

Zwar sei die grundsätzliche Entscheidung des bisherigen Eigentümers, des französischen Konzerns Vivendi, für Woebcken und Fisser bereits gefallen. Dennoch biete die Ausarbeitung des Kaufvertrags zahlreiche Möglichkeiten, den Fortbestand des Studios und seiner Arbeitsplätze zu sichern, betonte Betriebsratsvorsitzender Jan-Peter Schmarje. Er appellierte an Schröder, Studio Babelsberg zur "Chefsache" zu machen und seine guten Kontakte zum französischen Präsidenten Jacques Chirac für ein offenes Gespräch zu nutzen.

Die aktuelle Entwicklung gebe "größten Anlass zur Sorge" um die Zukunft des Produktionsstandortes und die 220 festen Arbeitsplätze. Während die Vorbereitungen für die Paramount-Produktionen "Mission Impossible 3" und "Aeon Flux" liefen, werde offensichtlich "auf der Gesellschafterebene der Dolchstoß beschlossen". Große Projekte, die das Studio zum Überleben brauche, seien mit der Entscheidung von Vivendi gefährdet. Damit verbunden seien Einbußen der Länder von rund 100 Millionen Euro jährlich.

Der Offene Brief sei eine "sehr spontane" Aktion gewesen, sagte Schmarje. Ziel sei es, den Investoren zu zeigen, dass sie in Babelsberg mit einem starken Partner rechnen müssten. Sie sollten gezwungen werden, in Babelsberg "ein vernünftiges Konzept zu fahren".

Ein "gesundes Misstrauen" gegenüber den neuen Eigentümern sei durchaus angebracht, betonte Schmarje. So habe Woebcken in den 90er Jahren die Strömungsmaschinen Pirna GmbH übernommen, die anschließend Pleite gegangen sei.

Vivendi hatte die legendären Filmstudios für den symbolischen Preis von einem Euro verkauft und dazu 18 Millionen Euro Altschulden übernommen. Die neuen Besitzer, eine Investorengruppe unter Führung von Woebcken und Fisser, sind in Babelsberg bislang nicht bekannt. Über ihre Pläne halten sie sich bisher bedeckt. Am Mittwoch werden sie zu ihrem Antrittsbesuch in den Filmstudios erwartet.


 
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