Berlinale 2006: Tag der alten Meister
zuletzt aktualisiert: 16.02.2006 - 17:09Berlin (rpo). Zwei Regie-Altmeister haben am Donnerstag ihre neuen Filme in das Rennen um den Goldenen und die Silbernen Bären der Internationalen Filmfestspiele in Berlin geschickt. Claude Chabrol präsentierte seinen Polit-Thriller "Geheime Staatsaffären" und Sidney Lumet stellte seinen Streifen "Find me guilty" vor.
Claude Chabrol ("Madame Bovary", "Die Fantome des Hutmachers") arbeitete für "Geheime Staatsaffären" ein weiteres Mal mit dem französischen Weltstar Isabelle Huppert zusammen. Zuletzt war der heute 75-Jährige 2003 mit "Die Blume des Bösen" im Berlinale-Wettbewerb vertreten. Sidney Lumet ("Die zwölf Geschworenen", "Mord im Orientexpress") schildert in "Find me guilty" den längsten Mafia-Prozess in der Geschichte der US-Justiz. Das Verfahren fand Mitte der 80er Jahre statt und zog sich über zwei Jahre hin. Der neue Film des 81-Jährigen präsentiert Vin Diesel in der Hauptrolle.
Die Berlinale zeigt in diesem Jahr eine wachsende Zahl von Filmen, die sich mit Transsexualität beschäftigen. Nachdem sich in den vergangenen Jahren immer mehr Streifen mit Homo- und Bisexualität auseinander setzten, wagten sich nun mehr Filmemacher an den schwierigen Bereich der falschen Geschlechtlichkeit, sagte der Leiter der Berlinale-Reihe Panorama, Wieland Speck. In der Sektion Panorama liefen in diesem Jahr vier Produktionen, die sich mit Menschen beschäftigten, die sich im Körper des "falschen Geschlechts" gefangen fühlten.
Bären für "Der freie Wille"?
Kurz vor Ende der 56. Berlinale kristallisieren sich nach Ansicht von Kinokritikern zwei Anwärter für den Goldenen Bären heraus. Drei Jahre, nachdem der britische Regisseur Michael Winterbottom mit dem Flüchtlingsdrama "In this World" den Preis der Berliner Filmfestspiele gewonnen hat, kann er mit seinem neuen Politfilm "The Road to Guantánamo" hoffen, die begehrte Trophäe erneut mit nach Hause zu nehmen. Daneben darf "Der freie Wille", einer von vier deutschen Wettbewerbsbeiträgen, als Favorit gelten. Matthias Glasner schildert in dem düsteren Psychogramm die Liebesbeziehung zwischen einem Mehrfach-Vergewaltiger und einer jungen Köchin, mit viel Mut zu Extremen gespielt von Jürgen Vogel und Sabine Timoteo.
Vor der Verleihung des Friedensfilmpreises stand ein Publikumsliebling bereits fest. Bei der Online-Abstimmung auf friedensfilm.de habe jeder Vierte für den dänischen Kinderfilm "Drommen" (Der Traum) gestimmt, wie die Veranstalter mitteilten. Regisseur Niels Arden Oplev erzählt darin von einem Schüler, der aus einer verkratzten Schallplatte mit Martin Luther Kings "I have a dream"-Rede die Kraft zur Rebellion gegen seinen prügelnden Lehrer schöpft. Die Online-Stimmen haben jedoch keinen Einfluss auf die Entscheidung der Friedensfilmpreis-Jury. Der Preis wird am Sonntag vergeben.
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