Dreh von "Inglourious Basterds": Tarantino flüchtete vom Filmset
zuletzt aktualisiert: 20.08.2009 - 16:09Berlin (RPO). Auf einmal war der Regisseur verschwunden: Beim Dreh der letzten Szene für seinen Film "Inglourious Basterds" überkamen Kult-Regisseur Quentin Tarantino die Gefühle, so dass er sich vom Filmset stahl. In einem Interview gab er nun zu: "Ich bin sehr schlecht darin, 'Auf Wiedersehen' zu sagen, besonders wenn ich so eine Reise, so ein Abenteuer mit einer Gruppe von Menschen erlebt habe."
Er hätte sich gewünscht, so tun zu können, als seien die Dreharbeiten nicht zuende, sagte Tarantino. "Vielleicht bin ich emotional nicht erwachsen, was diese Situation angeht. Daher bin ich einfach geflüchtet. Vielleicht hätte ich sonst noch geheult."
Der Darsteller Daniel Brühl erinnert sich an die Situation: "Er ist mitten im Take weg, Treppe runter, und ward nicht mehr gesehen." Die Crew und die Schauspieler hätten das in dem Moment nicht lustig gefunden, so verlassen zu werden. Rückblickend aber versteht Brühl, wieso sich Tarantino davonmachte. "Er konnte es wohl nicht ertragen, dass das Opus, an dem er acht Jahre gesessen hat, zuende geht."
Schwäche zu zeigen sei etwas Schwieriges, sagte Brühl. "Es ist vielleicht bei den Männern noch schlimmer als bei den Damen, dass man keine emotionale Überforderung zeigen will."
Tarantino flüchtet öfters
Tarantino findet es offensichtlich schwierig, Gefühle zu zeigen. "Manchmal haue ich in solchen Situationen einfach ab und komme einige Stunden später wieder." Er wünscht sich, etwas erwachsener in dieser Beziehung zu sein. Umso mehr gefiel ihm der Augenblick, als er den Mitarbeitern den fertig geschnittenen Film zeigen konnte: "Da wurde ich auch emotional, aber es war etwas anderes, weil ich den Film vorstellen konnte."
Gedreht wurde "Inglourious Basterds" im vergangenen Jahr in den Filmstudios von Potsdam-Babelsberg und rund um Berlin. Am morgigen Donnerstag startet der Film in den deutschen Kinos.
Nach den Dreharbeiten ist Deutschland für Tarantino eine zweite Heimat. "Acht Monate lang war ich in Deutschland, und mein Bild ist jetzt ein drastisch anderes", sagte Tarantino dem Magazin "Cicero".
"Ich hatte eine kleine Wohnung in Berlin gemietet und ging jeden Abend spazieren, machte meine Runden, entdeckte Bars und Restaurants und habe sehr viele Leute kennengelernt. Mit einigen bin ich mittlerweile befreundet", berichtete der Filmemacher. Ab jetzt könne er immer nach Deutschland zurückkehren "wie in eine zweite Heimat".
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