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Kinostart "Die Mitte der Welt"
Teenagerliebe in der Kleinstadt

Kinostart "Die Mitte der Welt": Teenagerliebe in der Kleinstadt
Louis Hofmann als Phil, Sabine Timoteo als seine Mutter Glass (r.) und Ada Philine Stappenbeck als seine Schwester Dianne im Film "Die Mitte der Welt". FOTO: dpa, csa
Düsseldorf. "Die Mitte der Welt" ist die gelungene Verfilmung des Jugendbuchs und eine Mischung aus Romanze, Mysterythriller und Familiendrama. Von Renée Wieder

Wo die Mitte der Welt sei, fragt Phil seine Mutter, da ist er noch klein. Bei den Menschen, die man liebe, lautet die Antwort. Phil ist verwirrt. Bei den Menschen, die er liebt, fühlt er keine Mitte, nur Chaos.

"Vielleicht ein bisschen schwuler als andere, ansonsten Standardausstattung", so beschreibt Phil (Louis Hofmann) sich Jahre später selbst, da ist er 17. Es klingt ein wenig wie eine Rechtfertigung, denn alle um ihn herum sind immer noch durchgeknallt. Seine exzentrische Mutter Glass (Sabine Timoteo) mit den wechselnden Liebhabern. Zwillingsschwester Dianne (Ada Philine Stappenbeck) mit dem dunklen Gemüt und der seltsamen Anziehungskraft auf Tiere.

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Freundin Kat (Svenja Jung), die sich mit bunten Haaren und großer Klappe gern als Miststück inszeniert. Nach drei Wochen im Camp kehrt Phil (Louis Hofmann) ins Haus zurück und spürt schon an der Tür, dass zwischen Glass und Dianne etwas Schlimmes passiert ist. Allerdings schweigen beide, so dass Phil sich erst mal mit Kat ablenkt. Und mit Schulneuling Nicholas (Jannik Schürmann), der zu Sex in der Gemeinschaftsdusche gern bereit ist, zum Gefühlezeigen aber nicht.

1998 war etwas Neues, Befreiendes in der Selbstverständlichkeit, mit der Andreas Steinhöfels Jugendroman "Die Mitte der Welt" von einer schwulen Teenagerliebe in einer deutschen Kleinstadt erzählte. Drehbuchautor und "Heile Welt"-Regisseur Jakob M. Erwa meistert nun etwas durchaus Schwieriges: Seine Verfilmung, obwohl in Figuren und Handlung reduziert, ist nicht weniger träumerisch und wild als das Buch. Das mag auch Louis Hofmann geschuldet sein, der schon in "Freistatt" und "Unter dem Sand" auffiel, weil er das Andere, nicht Konforme so spielen kann, als wäre es das Normalste auf der Welt.

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Man ist ganz nah bei Hofmann in der ersten Phase, die den hormonellen Stürmen gewidmet ist. Und Erwa zieht die Bühne groß auf, hält schon mal direkt auf das wummernde Herz in Phils Brust oder färbt Klassenzimmer fiebrig rot. Dann drängen die Probleme in den Vordergrund. Dianne wird zunehmend sonderbar, scheint mit Tieren zu zaubern und verschwindet jede Nacht aus ihrem Zimmer. Und Phils Sommerliebe endet so tragisch, wie solche Dinge eben enden, wenn die Euphorie zu groß war.

Mit märchenhafter Leichtigkeit wandelt der Film zwischen Coming-of-Age-Romanze, Mysterythriller und Familiendrama, ohne den Faden zu verlieren. Schließlich findet Phil tatsächlich seine Mitte der Welt. Wenn auch nicht genau da, wo seine Mutter sie ihm zeigen wollte.

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Die Mitte der Welt, Deutschland, Österreich 2016 - Regie: Jakob M. Erwa mit Louis Hofmann, Sabine Timoteo, Jannik Schümann, 115 Min,. FSK ab 12

Quelle: RP
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