Der Mythos im Kino: Teenie-Vampire mit Beißhemmungen
VON CAROLA SIEDENTOP - zuletzt aktualisiert: 05.08.2009 - 09:01Düsseldorf (RPO). Früher jagten einem Vampire Schauer über den Rücken, heute seufzen nicht nur Teenager bei dem Gedanken an die Blutsauger laut auf. Seit Nosferatus Zeiten hat sich das Bild vom Vampir im Film drastisch gewandelt: Vom fast animalischen Gespenst über den dunklen Verführer bis zum Teenager mit Beißhemmungen. Erfolgreich waren jedoch alle Typen der Vampire in den vergangenen hundert Jahren.
Die Romane von Stephenie Meyer um Vampir Edward und Teenager Bella läuteten die jüngste Erfolgsgeschichte um den Mythos der Unsterblichen im Kino ein. Denn immer wieder begeisterten Vampirgeschichten ein breites Publikum im Kino. Im Jahr 2009 sind die Vampire wieder erfolgreich - aber abstinent geworden. Anders als seine berühmten Vorgänger trinkt Vampir Edward kein Blut und auch sonst ist er in körperlichen Dingen sehr zurückhaltend.
Die neue Vampir-Generation ist nur noch ein bisschen böse und in Maßen leidenschaftlich – schließlich sollen die jungen Fans nicht vom rechten Weg abgebracht werden. Autorin Stephenie Meyer, gläubige Mormonin, propagiert zwischen den Zeilen ein sehr konservatives Weltbild, in der junge Leute ihren Eltern gehorchen und erst heiraten, bevor sie Sex haben.
Der Vater aller Kino-Vampire: Nosferatu
An solche Konventionen haben sich die berühmten Vorgänger natürlich nicht gehalten. Der Prototyp des cineastischen Blutsaugers, Nosferatu, kannte keine Zurückhaltung. 1922 legte Friedrich Wilhelm Murnau den Grundstein für den Erfolg der Vampire im Kino. Er drehte “Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens”. Max Schreck spielte den Untoten, der eher wie ein Monster als ein Model aussah. Bela Lugosi verkörperte 1931 Dracula als undurchschaubaren, eleganten Verführer und ist in seiner Rolle eine Legende. 1976 verfilmte Werner Herzog als Hommage an Murnau ebenfalls Nosferatu mit Klaus Kinski als Schreckgestalt.
Christopher Lee spielte gleich neunmal Dracula und gilt noch heute – trotz zahlreicher anderer Rollen – als Inbegriff des Vampirs. 1958 drehte er den ersten Film, “Horror of Dracula”. Es folgten Streifen mit skurrilen Titeln wie “Dracula jagt Mini-Mädchen”, die heute vor allem wegen ihrer unfreiwilligen Komik noch im Gedächtnis sind. Die Komödie “Tanz der Vampire”, 1967 von Roman Polanski veröffentlicht, war eine Persiflage auf das Genre und den Mythos.
Paraderolle für Gary Oldman
In den 90-er Jahren kamen die Vampire wieder als furchteinflößende Gestalten zu Ehren, doch erstmals rückte auch ihr komplexes Gefühlsleben in den Mittelpunkt. Francis Ford Coppola hielt sich 1992 mit seiner Verfilmung an die literarische Vorlage und nannte den Film dementsprechend “Bram Stoker’s Dracula”. Gary Oldman stellt den Grafen ambivalent als Gentlemen und triebhaftes Biest dar. Anthony Hopkins als Professor van Helsing, Keanu Reeves in der Rolle des Jonathan Harker und Winona Ryder als schöne Mina machten die Starriege perfekt. Der Film gewann drei Oscars.
Zwei Jahre später ließ “Interview mit einem Vampir” die Kassen klingeln. In dem Film nach einem Roman von Anne Rice spielen Hollywoodstars wie Brad Pitt, Tom Cruise, Antonio Banderas, Christian Slater und Kirsten Dunst.
Wem das alles zu romantisch ist, der kann sich Alternativen aussuchen: In dem Actionfilm “Blade” ist der Vampir (Wesley Snipes) ein furchtloser Kämpfer der seinesgleichen mit viel Gemetzel den Garaus macht. Auch in John Carpenters “Vampire” stehen die Jäger im Mittelpunkt. Wie sein Regisseur-Kollege Quentin Tarantino in “From Dusk till Dawn” stellt er die Blutsauger wieder als gruselige Untote dar – ganz ohne Skrupel, Gefühle und Liebeleien.
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