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"Terminator 2" mit Arnold Schwarzenegger
Schutzengel aus Stahl

Arnies TERMINATOR 2 kommt zurück in 3D: Lohnt sich das?
Düsseldorf. "Terminator 2" mit Arnold Schwarzenegger ist heute noch einmal im Kino zu erleben. Sogar Peter Sloterdijk ist Fan dieses Meisterwerks. Von Philipp Holstein

Zu den vielen Bewunderern dieses Films gehört auch Daniel Kehlmann. Der Schriftsteller bezeichnet "Terminator 2" als "einflussreichstes Actionspektakel aller Zeiten", und fasziniert hat ihn vor allem die realistische Darstellung eines Nuklearangriffs. Drei Milliarden Menschen werden bei dem Atomschlag getötet, so will es die Handlung dieser Produktion.

Regisseur James Cameron versinnbildlicht die Katastrophe gleich zu Beginn, indem er einen Spielplatz zeigt: bunte Idylle, Lebensfreude, Zukunft. Plötzlich verschwimmen die Konturen der Kinder jedoch in einem grellen Licht, und wie Asche verwehen die kleinen Körper kurz darauf im heißen Wind. Es ist der Tag des Jüngsten Gerichts, "Judgment Day" lautet der Untertitel des Films, und das Datum ist der 29. August 1997.

Nur für einen Tag im Kino

Vor genau 20 Jahren ging in der Filmgeschichtschreibung also die Welt unter, und aus diesem Anlass bringt James Cameron sein Meisterwerk noch einmal ins Kino - nur am heutigen Tag und von ihm eigens für diesen Anlass in 3D umgerechnet. "Terminator 2" erschien 1991, er ist ein Meilenstein des dystopischen, philosophisch durchwirkten Erzählens und der Effekttechnik. Wer die Gelegenheit hat, möge sich die Produktion unbedingt noch einmal ansehen. Womöglich wird man im Kino darüber erschrecken, wie aktuell die Handlung anmutet.

Den thermonuklearen Krieg löst in "Terminator" ein Computergehirn namens Skynet aus. Diese künstliche Intelligenz wurde von Menschen entwickelt, sie wurde immer selbstbewusster, allmählich übernahm sie die Herrschaft über die Welt und löste einen Atomkrieg aus. Nur wenige Menschen überlebten, sie versuchen sich nun in einer Diktatur der Maschinen zu behaupten, und sie wehren sich tapfer.

Die Maschinen entsenden einen Terminator durch die Zeit, ein menschlich aussehendes Maschinenwesen also, um den Anführer der Menschheit im Kindesalter zu töten. Sie wollen die Vergangenheit quasi rückwirkend verändern, um in der Zukunft ungestört unterdrücken zu können. Den menschlichen Rebellen gelingt es indes, ebenfalls einen Terminator in die Vorzeit zu entsenden, den man so umprogrammiert hat, dass er den künftigen Retter beschützen soll.

Die Rolle seines Lebens

Den guten Terminator spielt Arnold Schwarzenegger, es ist die Rolles seines Lebens. Dabei war er ursprünglich nur dritte Wahl, Mel Gibson und Tom Selleck hatten abgesagt, und im Nachhinein wird James Cameron froh darüber sein. Man stelle sich Tom Selleck als Terminator vor! Das hölzerne Spiel des früheren Bodybuilders Schwarzenegger passt haargenau zur Rolle jenes Wesens, das zugleich weniger und mehr ist als ein Mensch. Schwarzenegger wird zur Vaterfigur für den jungen John Connor, der dereinst zum Erlöser reifen soll.

Schwarzenegger ist ein Schutzengel aus Stahl, und Peter Sloterdijk, der diesen Film euphorisiert als "Kino-Wagner-Oper" bezeichnet, rühren die religiösen Konnotationen. Die Maschine agiere als Alliierter des kleinen Messias, schreibt er in einem Aufsatz. Schwarzenegger sei "ein neuer Christopherus, der den Menschheitsretter durch die Welt wie durch ein Schlachtfeld" trage.

Peter Sloterdijk leidet in seinem Kinosessel mit Schwarzenegger, denn dessen Feind im Film ist ein Terminator neueren Modells, ein sogenannter T-1000. Dieser Engel des Todes besteht aus flüssigem Metall und kann wie ein Chamäleon nahezu jede Form annehmen. Zum ersten Mal sah man in "Terminator 2" die Morphing-Technik, und noch heute ist erstaunlich, wie realistisch es wirkt, wenn die Maschine quecksilberartig die Form wechselt.

Dieser kybernetische Organismus ohne Seele, dieser von allen Fesseln der Substanz befreite Körper ist ein völlig fremder Feind, "das ganz und gar Andere der Menschlichkeit", schreibt Daniel Kehlmann. "In ihm ist Posthumanität vollendete Tatsache", sagt Sloterdijk. Unberechenbar, unheimlich und unbedingt überlegen.

Weniger gelungene Fortsetzungen

Cameron hat mit seinen zwei "Terminator"-Filmen von 1984 und 1991, auf die drei weniger gelungene Fortsetzungen aus der Hand anderer Regisseure folgten, ein mächtiges Mythenwerk geschaffen, das zeitlos ist. Gerade fürchten sich die Menschen wieder vor einem Atomkrieg, und unsere Abhängigkeit von Maschinen hat sich seit der Premiere dieses Films potenziert.

So versteht man den Schwarzeneggerschen Terminator heute vielleicht sogar noch deutlicher als Retter. "In einer wahnsinnig gewordenen Welt war er die vernünftigste Alternative", heißt es im Film. Schwarzenegger trägt Rockerkluft, weil er zufällig vor einer Biker-Kneipe auf der Erde gelandet ist und Kleidung brauchte. Sein Gegenspieler trägt die Uniform eines Polizisten, und das ist das subversive Element der Handlung, dass hier die Subkultur das Prinzip der Menschlichkeit gegen die Exekutive verteidigt.

Sloterdijk beobachtet, dass James Cameron in "Terminator 2" den "Text der Evangelien mit brutalster Gegenwartsliteratur zusammenzieht". Schwarzenegger bringe stellvertretend für die Menschheit ein Opfer. Tatsächlich vernichtet er seinen Gegner am Schluss im Feuer einer Stahlkocherei. Und als diese Mission erfüllt ist, handelt er altruistisch, wie das eigentlich keine Maschine zu tun vermag.

Er weist John und dessen Mutter an, ihn ebenfalls ins Stahlbad hinabzulassen und einzuschmelzen, damit man auch aus seinem Chip kein Unheil mehr programmieren kann. Das ist der humanistische Kern dieser Produktion, man könnte auch sagen, sein sentimentales Moment: Für den Terminator war es stets ein Rätsel, warum die Menschen weinen. Nach 150 Filmminuten hat er es begriffen. Das Metall-Getüm hat Menschlichkeit gelernt, ihren Wert begriffen, und deshalb will es sie bewahren, selbst um den Preis der eigenen Vernichtung.

Von "zweiter Schöpfung" spricht Sloterdijk denn auch an dieser Stelle: Die Zukunft der Menschheit wird in der Vergangenheit gerettet, der Atomkrieg im Nachhinein abgewendet. Eine Flaschenpost, eine Parabel auf unsere Zeit, angespült aus dem Produktionsjahr 1991. Die letzte Einstellung zeigt eine Straße, die bis zum Horizont führt. Die Sonne Kaliforniens macht Lust auf morgen und übermorgen. Ein Bild der Hoffnung. Kurz vor dem Abspann spricht eine Stimme aus dem Off dieses: "Wenn ein Terminator den Wert des Lebens schätzen lernen kann, können wir das auch."

Quelle: RP
 
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