Schon wieder Pocahontas: "The New World" auf der Berlinale
zuletzt aktualisiert: 11.02.2006 - 17:03Berlin (rpo). Sieben Jahre ist es her, dass das imposante Kriegsdrama "Der schmale Grat" die Zuschauer begeisterte und schockierte. Nun präsentiert der US-Regisseur Terrence Malick einen neuen Höhepunkt seines Schaffens: In "The New World" erzählt Malick die Legende der Häuptlingstochter Pocahontas. Ein poetisches Epos.
Schade nur, dass sein jüngstes Opus außer Konkurrenz im Berlinale-Wettbewerb läuft. Andernfalls wäre die Offizielle Jury an seinem neuen Meisterwerk wohl kaum ohne Auszeichnung vorbeigekommen.
Die Geschichte von Pocahontas
Malick erzählt in seinem bildgewaltigen Drama mit ausgeprägtem Mut zur romantischen Überhöhung noch einmal die Legende von Pocahontas, der blutjungen Tochter eines Indianerhäuptlings, die sich 1607 in den britischen Offizier John Smith verliebt, der zusammen mit britischen Siedlern in Nordamerika landet. Ihre Liebesbeziehung ist jedoch wegen der unausweichlichen Konfrontation zwischen Indianern und Siedlern zum Scheitern verurteilt.
Smith wird von Hollywoodstar Colin Farrell verkörpert, Pocahontas von der jungen Amerikanerin Q'Orianka Kilcher, die am Samstag in Berlin ihren 16. Geburtstag feierte. Die bildhübsche Schauspielerin, die im süddeutschen Schweigmait geboren wurde und in Hawaii aufwuchs, wurde in Berlin von den Fotografen und den Journalisten mit einem "Happy Birthday"-Ständchen begrüßt. Mit bezaubernden Lächeln verriet sie nach der Vorführung auf Englisch: "Ich spreche auch ein kleines bisschen Deutsch."
Die Tochter eines peruanischen Ureinwohners, deren Vorname "Goldener Adler" bedeutet, war zuvor nur in einem Film aufgetreten, als Kind im Chor des Weihnachtsmärchens "Der Grinch". Nach ihrer hervorragenden Leistung in Malicks Film, den sie über weite Strecken fast alleine trägt, darf man ihr eine große Karriere vorhersagen - und Malick ein exzellentes Gespür für die Entdeckung von Schauspielertalenten.
Die Tragödie und die Schönheit der Liebe
Auf der Berlinale zeigte sich Kilcher begeistert von der Zusammenarbeit mit der US-Regielegende. "Terrence hat mich wunderbar geführt", sagte Kilcher in charmanter Bescheidenheit. Das Drehbuch sei fantastisch, und die Dreharbeiten seien eine "Reise der Selbsterkenntnis" gewesen, sagte Kilcher. Auch von ihren berühmten Darstellerkollegen, zu denen auch Christopher Plummer und Christian Bale gehören, habe sie viel gelernt.
Da die Pocahontas-Legende schon mehrfach verfilmt wurde, darunter als Zeichentrickfilm von Disney, blieb die Frage nach dem Grund für eine neue Bearbeitung eines zentralen Gründungsmythos der Vereinigten Staaten von Amerika nicht aus. Mit Blick auf die aktuelle Gefahr einer weltweit wachsenden Intoleranz sagte die Produzentin Sarah Green: "Die Zeit war reif, diese Geschichte noch einmal Revue passieren zu lassen." Malick erzählt davon, dass es gerade "die Tragödie und Schönheit der Liebe" sei, "dass man blind hineingeht". Der Film zeige, "dass man aus der Vergangenheit lernen kann und dass ein Individuum die Welt verändern kann".
Green entschuldigte zugleich den abwesenden Regisseur: "Terrence arbeitet an einem Drehbuch für ein neues Projekt." Leider könne er diese Arbeit nicht unterbrechen, "sonst müsste man weitere zehn Jahre auf seinen nächsten Film warten."
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