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Thriller und Sozialstudie: "Mittwoch 04:45"

Der Jazzclub-Besitzer Stelios sitzt im Wagen eines alten Bekannten. Es gibt Geplauder über die Familie, während man ahnt, dass eine schmerzhafte Erinnerung an seine Schulden folgen wird. Die hat der Idealist Stelios bei einem Rumänen, der nebenbei, nach einem Statement über Globalisierung und Kapitalismus, die Zeiten erwähnt, zu denen die Tochter des Schuldners Musikunterricht hat. Wir sind in Athen, im Winter 2010. Es herrscht Geldmangel, Stelios hat 40.000 Euro in Schecks herumliegen, die er nicht einlösen kann. Auf der Straße würde man für 20 Euro erstochen, und er hat 150.000 Euro Schulden. Ein Tag bleibt, um seinen Club zu retten. Von Günter H. Jekubzik

Der Künstler Stelios ist in der Falle, aber auch Beobachter des sozialen Dramas auf den Straßen. Der ausgebrannte Mercedes, die brutale und mörderische Kinderbande im Tunnel wie einst bei "Clockwork Orange", im Fernsehen die bürgerkriegs-artigen Unruhen Athens. Es herrscht eine aggressive Stimmung, jeder scheint am Rand der Belastbarkeit zu sein. Er sei zu weich für diese Welt, hört Stelios. Und die zynischen Kommentare seiner Frau, die sich vom unzuverlässigen Partner trennen will. Denn Stelios ist kein Held, kein unschuldiges Opfer: Sein Leben verläuft, wie man sich das für Jazzclub-Besitzer vorstellt: Jazz, Alkohol, Koks, Sex mit der Geliebten. Dann aber schallen seine entschlossenen Schritte wie bei "Bullitt" auf der Tonspur.

"Mittwoch 04:45" ist eine treffende und betroffen machende Sozialstudie, dazu ein echter und echt guter dunkler Thriller, mit einem wahnsinnigen finalen Shoot Out, wie es Tarantino früher hinbekommen hätte. Stilsicher und raffiniert inszeniert, etwa beim Mord an einem anderen Vater, der mit dem Schmelzen des Eises vom Sohn parallel geschnitten wird. Die dichte Szenenfolge, jede erneut eindrucksvoll, öffnet Augen, lässt erschreckt staunen. Zwischendurch ist der grandiose Sozial-Thriller stimmungsvoll und gleichzeitig in den Bildern ein dokumentarischer Essay, unterbrochen von griechischen Schlagern. Inszenierung, Schauspiel, Kamera mit dem schmutzig gelben Licht, alles stimmt und funktioniert. (Mit dabei übrigens Adam Bousdoukos, bekannt aus Fatih Akins "Soul Kitchen", "Gegen die Wand" oder "Kebab Connection".)

Ein Künstler unter Gangstern, das steht auch für den gesamten intensiven und packenden Film, der einerseits als kluger Autorenfilm und anderersetis zugleich als packender Thriller begeistert.

Mittwoch 04:45, Griechenland, BRD, Israel 2015 - Regie: Alexis Alexiou mit Stelios Mainas, Adam Bousdoukos, 117 Min.

Quelle: RP
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