62. Filmfestspiele von Venedig: Tim Burton hält sich nicht für massentauglich
VON DÖRTE LANGWALD - zuletzt aktualisiert: 08.09.2005 - 10:18Venedig (rpo). Bei seiner Ankunft in Venedig wurde Tim Burton wie ein Held gefeiert. Einstimmig befanden die Kritiker am Lido: Mit seinem neuen Werk "Corpse Bride" ist dem Regisseur ein kleines Filmjuwel gelungen. Das verrückt-verspielte Grusical ist ganz in Stop-Motion gedreht. Johnny Depp und Burtons Lebensgefährtin Helena Bonham-Carter liehen den Animationsfiguren ihre Stimmen.
Tim Burton ist einer der letzten großen Märchenonkel und Fantasten der Filmbranche. Er entzückte ein globales Publikum mit so wundersamen Werken wie "Edward mit den Scherenhänden", "Sleepy Hollow" oder zuletzt "Big Fish". Einzig das Remake "Planet der Affen" floppte an der Kinokasse, ansonsten gilt Burton aber als Garant für skurrile Kreativität. So enttäuschte auch sein neuer Animationsfilm "Corpse Bride" in keiner Weise. Mit viel Humor und allerhand schrägen Details erzählt der Filmemacher darin von dem tollpatschigen Jüngling Viktor, der von einer heiratswütigen Leichenlady zum Bräutigam auserkoren wird.
Beim Empfang in Venedig applaudierten die Kritiker minutenlang. Burton, der mit seiner Partnerin Helena Bonham-Carter angereist war, quittierte den Beifall mit spitzbübischem Grinsen. Trotz seiner 47 Jahre sieht der Mann mit seiner Markenzeichen-Sturmfrisur eher aus wie Struwwelpeter, als wie ein Meisterregisseur. Burton beweist immer wieder, dass man auch mit außergewöhnlichen Geschichten ein breites Publikum ansprechen kann. Als massentauglich hält sich der in Kalifornien geborene Filmemacher deshalb jedoch nicht – zumindest, wenn es um die clevere Vermarktung seiner Filme geht. "Als ich den zweiten Teil von Batman drehte, gab es einen Werbevertrag mit McDonald's. Dort war man aber gar nicht damit einverstanden, dass in einer Szene schwarzer Glibber aus dem Mund des Pinguins (gespielt von Danny DeVito) quoll. McDonald's fand, das passte nicht zu ihren Happy Meals", grinste Burton. "Man kann mich also nicht gerade als Merchandising-Experten bezeichnen. Ich konzentriere mich deshalb lieber einfach nur auf meine Filme", so der Regisseur.
Für den weltweiten Vertrieb seines neuen Films "Corpse Bride" (startet in Deutschland am 10. November in den Kinos) wünscht sich Burton, dass die Leute sich das Werk im Original anschauen. "Bei „Nightmare before Christmas" (ebenfalls ein Animationsfilm) fand ich die deutsche Synchronisation ganz hervorragend. Bei "Corpse Bride" glaube ich aber, dass es sehr schwierig wird, geeignete Synchronstimmen für so fantastische Schauspieler wie Johnny Depp, Albert Finney oder Helena Bonham-Carter zu finden. Gleichzeitig kann ich verstehen, wenn jemand keine Lust darauf hat, Untertitel zu lesen. Ich denke, es wird den Film in Deutschland also in beiden Versionen geben. Synchronisiert und im Original."
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