Europapremiere von "Operation Walküre": Tom Cruise kuschelt in Berlin
VON BARBARA GROFE - zuletzt aktualisiert: 21.01.2009 - 08:47Berlin (RP). Nicht mit dem üblichen Gewinnergrinsen, sondern bewusst ernst zeigte sich Tom Cruise bei der Präsentation seines Films "Operation Walküre" gestern in Berlin. Die ganze Zeit über habe er die Last der Verantwortung vor der deutschen Geschichte mehr als deutlich gespürt.
Überdreht, laut, exaltiert – so sind Tom Cruises Auftritte üblicherweise. Auf dem roten Teppich zur Europapremiere von "Operation Walküre" ist von dem Lautsprecher-Cruise jedoch nichts zu sehen. Seltsam unaufgeregt, ruhig und zurückgenommen gibt sich der Schauspieler. Tom Cruise weiß offenbar genau, wann er sich wie inszenieren muss, damit alles perfekt passt. An diesem Abend, zur Premiere des Films über das missglückte Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944, muss es der ruhige Cruise sein. Also gibt er ihn.
Rund zwei Jahre lang war fast hysterisch darüber diskutiert worden, ob der bekennende Scientologe Cruise Claus Schenk Graf von Stauffenberg spielen darf. Stauffenberg-Nachkommen protestierten, Cruise sollte keine Drehgenehmigung für Szenen im Bendlerblock bekommen, den Ort, an dem Stauffenberg hingerichtet worden war. Dass er die Erlaubnis dann doch bekam, sei einer der für ihn emotionalsten Momente in der Filmentstehung gewesen, erklärte der Schauspieler mittags vor Journalisten.
Es sei seine bisher größte filmische Herausforderung gewesen, den deutschen Widerstand gegen Adolf Hitler historisch genau darzustellen, die "Last der Verantwortung vor der Geschichte" habe er gespürt. Mittlerweile sind die Proteste leiser – und auch der Enkel von Hitler-Attentäter Stauffenberg, Philipp von Schulthess, ist angetan von Tom Cruise. "Ich fand ihn fabelhaft", sagte der 36-Jährige.
Deutsche Prominenz wie Ulrich Wickert, Andrea Sawatzki, Wotan-Wilke Möhring oder Christian Berkel interessieren Fans nur sehr am Rand, spannend für sie ist vor allem Cruise. Er kommt zunächst allein, seine Frau Katie Holmes lässt sich erst etwas später sehen, sei im Hotel geblieben, erklärt der Schauspieler einer Frau, die zuvor ein paarmal schüchtern "Tom" gerufen hatte. Ob sie ein Foto mit ihm machen könne? "Sure", sagt der Hollywoodstar und beugt sich zu der Frau hinter der Absperrung. Cruise gibt sich Fan-nah, fragt die Besucher, wie es ihnen geht, sagt, sie sollen es nochmal versuchen, wenn die Kamera in der Kälte nicht funktionieren wollte. Cruise will mit seinem Auftritt dringend zeigen, dass er um die Sensibilität des Themas weiß, dessen er sich da angenommen hat.
"Ich bin dazu da, gute Filme zu machen, mein Publikum gefangen zu nehmen und zu unterhalten", sagt Cruise dann betont schlicht und windet sich damit aus der Diskussion um seine Scientology-Zugehörigkeit. Die Demonstranten, die am Rande der Premiere lautstark die Scientology-Mitgliedschaft des Schauspielers anprangerten, dürften weder diese Erklärung noch die neue Ernsthaftigkeit des Tom Cruise sonderlich interessiert haben.
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