"Hairspray" erwacht als Film: Travolta schlüpft in Frauenkleider
zuletzt aktualisiert: 06.09.2007 - 21:57Düsseldorf (RPO). John Travolta hat sich nun also auch getraut. Die Hollywood-Ikone streift sich in seinem neunen Kinofilm "Hairspray" Frauenklamotten über. Ein gewagter, aber beileibe kein innovativer Schritt des Schauspiel-Routiniers.
Travolta ist längst nicht der erste seiner Zunft, der sich für die Leinwand in Rock, Bluse oder Abendkleid wirft. Bekanntester Vorgänger ist Robin Williams, der die männlich-weibliche Rolle in dem Streifen "Mrs. Doubtfire" revolutionierte. In unserer Fotostrecke oben rechts zeigen wir die bekanntesten Filme, in denen Männer ihr starkes Geschlecht aufgeben und die Frauenrolle übernehmen.
Der Film, in dem Travolta als Frau auftritt, ist ebenso wenig neu wie die Idee von Männern in Frauenkleidern. "Hairspray" ist ein Remake eines 80-er-Jahre-Films. Mitverantwortlich: Harris Glenn Milstead, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Divine. Er wurde vor "Hairspray" selbst von seinen Bewunderern nur als dicker Transvestit wahrgenommen, der fehlendes Talent durch Schamlosigkeit ausgleicht.
Gemeinsam mit dem Regisseur John Waters schockierte er das Publikum gerne mit rabiaten Trash-Komödien wie "Pink Flamingos" und "Female Trouble". Als 1988 das überraschend liebenswerte, nostalgische Musical "Hairspray" herauskam, starb Divine plötzlich mit 42 Jahren. Seitdem sind fast 20 Jahre vergangen, und es hat sich kein Ersatz gefunden. Offenbar war Divine mehr als nur dick und schamlos.
Travolta schlägt sich tapfer
Aus dem kleinen Kultfilm wurde ein teures Broadway-Musical und aus dem wiederum ein teurer Kinofilm mit großen Stars. Die Rolle der Hausfrau Edna Turnblad, deren pummelige Tochter Tracy gern in einer Fernsehshow auftreten würde, hat jetzt John Travolta übernommen, und er schlägt sich tapfer.
Trotz Gummimaske erkennt man ihn an den legendären Travolta-Augen; keiner zwinkert so schelmisch und verführerisch wie er. Er kann auch mehr als Divine, was er in verschiedenen Tanz- und Gesangseinlagen beweist. Doch ihm fehlt Divines Abgründigkeit. Wozu Abgründigkeit?
Weil "Hairspray" ein furchtbar netter Film ist. Er spielt 1962 in Baltimore, wo der lokale Fernsehsender mit seiner "Corny Collins Show" Dicke und Schwarze diskriminiert. Erstere dürfen gar nicht vor die Kamera, letztere nur in separaten Musiknummern. Tracy Turnblad gelingt es, der Star der Sendung zu werden, einer schlanken Zicke den Freund auszuspannen und die Rechte von Schwarzen zu stärken.
So viel Nettigkeit ist nur erträglich, wenn es auch ein paar Misstöne gibt. Divine konnte sie erzeugen, sie wirkte selbst als mütterlich besorgte Edna ein wenig pervers. Travolta dagegen ist nur zum Knuddeln, besonders im Liebesduett mit seinem Film-Ehemann Christopher Walken.
Michelle Pfeiffer grandios
Der dicken lieben Mutter steht eine schlanke intrigante Mutter gegenüber: Velma Von Tussle, die Programmdirektorin. Michelle Pfeiffer ist einfach grandios in dieser Rolle. Sie legt sich voll ins Zeug, liefert jedoch keine Karikatur ab. Velma ist mal verhärmt und überspannt, dann wieder charmant und sexy.
Man sieht dem gesamten Ensemble gern zu, aber Pfeiffer sorgt als einzige für Zwischentöne. Liebevoll hat Regisseur Adam Shankman die Ästhetik der damaligen Musiksendungen rekonstruiert. Umweltaktivisten werden sich nur an dem vielen Hairspray stören: So viel wird gesprüht, da muss man schon beim Zusehen husten.
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