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"Tschiller: Off Duty"
"I burn your House down and I kill you"

Trailer: "Tatort: Off Duty"
Düsseldorf. Til Schweiger verlegt den "Tatort" ins Kino: "Tschiller: Off Duty" bietet gut choreografierte Action und unfreiwillige Komik. Es fallen zwei Sätze, die man sich merken sollte. Von Philipp Holstein

Russische Nachtclubbesitzer hatte man bisher nicht unbedingt als besonders humorvolle Spezies abgespeichert. Aber als Til Schweiger sich vor einem dieser harten Hunde im Stadtzentrum von Moskau aufbaut und den großen Satz "I burn your House down and I kill you" spricht, muss sogar der goldverzierte Pimp schmunzeln. Herrlich.

"Tschiller: Off Duty" ist nun also im Kino angelaufen, die Fortsetzung – manche sagen auch das Finale – der "Tatort"-Reihe mit Schweigers Hamburger Ermittler Nick Tschiller. Der Film hat acht Millionen Euro gekostet, und man merkt jeder Szene an, dass Schweiger auch gern so lässig Tabak kauen würde wie die großen Cowboys. Das Drehbuch weist eine hohe "Motherfucker"-Quote auf, und einmal rotzt der gossensprachlich sogar international mit allen Wassern gewaschene Schweiger einem Kontrahenten ein "Bitch" vor die Füße, weil der ihn unter der Gürtellinie beleidigt hat.

Die Tochter macht den typischen Fehler

Tschillers Tochter Lenny bringt die Handlung in Fahrt, und die ist im echten Leben Luna, die Tochter Schweigers: Action für die ganze Familie. Lenny reist auf eigene Faust nach Istanbul, um den Kerl zu stellen, der ihre Mutter auf dem Gewissen hat. Sie findet ihn auch, zielt auf ihn, begeht dann aber den Fehler, den viele Figuren zu Beginn von Actionfilmen machen: Sie redet zu viel, statt einfach zu richten. Umständlich zählt sie auf, was der Mann alles auf dem Kerbholz hat, was einerseits erhellend ist für alle, die nie "Tatort" schauen. Andererseits bringt sie das Beharren auf dem Kontextparagraphen in arge Not: Der Gegner überwältigt sie und nimmt sie gefangen.

Also muss Tschiller aus Hamburg nachkommen und helfen, und eine Show für sich ist schon, wie er der abwesenden Tochter verzweifelt auf die Mailbox spricht. Dabei hört er sich mehr nach Sugar-Daddy als nach Papa an: "Wo bist Du? Das ist scheiße. So läuft das nicht." In der Türkei stellt sich rasch heraus, dass es noch bösere Menschen gibt als die alten Bekannten. Es wird ein bärtiges Ekelpaket eingeführt. Und der einzige Grund, dass man sich dann doch nicht komplett vor ihm gruselt, ist der, dass er aussieht wie der grundsympathische und allgemein als sanftmütig bekannte Modeschöpfer Harald Glööckler. Außerdem pfeift er ständig den "River-Kwai-Marsch", den viele als Ohrwurm aus der "Underberg"-Werbung kennen.

Hebdo Chapeau

Rührend sind die Szenen im türkischen Knast, den sich Schweiger ähnlich urig vorstellt wie einen russischen Puff. An die Wand einer pittoresken Zelle hat ein Bühnenbildner den am Bosporus beliebten Namen "Yusef" gekritzelt. Unter dem Schriftzug sitzt ein Typ ein, der mit seiner Ray-Ban-Brille deutlich als Geistesarbeiter zu erkennen ist, und sein Vergehen war denn auch tatsächlich eine staatsfeindliche Karikatur. "Tatort" ist ja fast immer hochpolitisch, aber dieser geht auch in Sachen International Affairs ans Eingemachte: Hebdo Chapeau.

Nicks Kumpel stößt irgendwann dazu, der treue Yalcin Gümer (Fahri Yardim). Er spricht mit Hamburger Dialekt, was im folkloreaffinen deutschen TV per se für herzenswarme Heiterkeit steht. Obwohl im Hintergrund Organhändler ihr Unwesen treiben, findet man denn auch Zeit für einen Ausflug mit dem Mähdrescher, und aus der Rolle vom Buddy zurück zum Papi findet Schweiger erst, als man ihm den zweiten großen Satz des Films zuraunt: "Die Leute, die Dich suchen, sind gleich da, und sie brauchen Dich nicht lebend." Man sollte sich solche Sätze immer merken und sie dann einfach mal abends zu seiner Freundin im Bad sagen oder einem Kollegen in der Teeküche. Man hat dann viel zu erzählen.

Eine Mischung aus Bruce Willis und Peter Maffay

Der Film ist unterhaltsam, technisch durchaus auf gutem Niveau – ebenso wie die Stunts. Und die Spannung wird stets von Passagen mit einigem Witz unterbrochen – auch wenn der manchmal gar nicht gewollt ist. So zum Beispiel an der Stelle, als Tschiller von einer jungen Einheimischen in Istanbul gewarnt wird: "Die haben nichts Gutes mit Ihnen vor", sagt sie, "die wollen schießen." Darauf antwortet Tschiller: "Das kann ich auch." Dabei deutet er auf seine Wumme und sieht aus wie eine Mischung aus Bruce Willis und Peter Maffay.

Actionfilme sind im Grunde Tanzfilme, bei denen halt auch geredet wird, und genau das hat Schweiger verstanden. Die Action ist gut choreografiert. Nur die Nummer, bei der er in Zeitlupe durch eine Zimmerwand springt, ist vielleicht ein bisschen zu viel. Schweiger präsentiert dann und wann seinen blanken Oberkörper. Als er in einer Szene auch noch den Vollmond leuchten lässt, wird man von einer kundigen Dame im Kino aufgeklärt: "Seinen Po zeigt er immer gerne." Ein Klischee gibt es noch, das der Film zerstört: dass es nämlich in russischen Folterkellern nicht menschlich zugehe. Schweiger hat die glühende Zange gewissermaßen schon an der Zunge, als er sagt: "Ich will einfach nur mein Mädchen zurück." Da knickt der Folterkecht ein, verzichtet auf die Folter und wird zum Helfer – auch er hat nämlich eine Tochter.

Die Moral von der Geschichte: Väter reizt du lieber nicht. Sonst burnen sie dein House down und killen dich.

(hol)
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