"Tal der Wölfe": Türken loben: "Action gegen Amis"
VON GÖKCEN STENZEL - zuletzt aktualisiert: 21.02.2006 - 09:54Düsseldorf (RP). Der Film "Tal der Wölfe" ist bereits jetzt ein Kassenschlager. Wegen der Vermischung fiktiver Szenen mit echt wirkenden Bildern halten viele Zuschauer den Film für Wirklichkeit. NRW-Integrationsminister Laschet (CDU) forderte, die Altersgrenze wieder heraufzusetzen.
Ein Gentleman-Held, ein Widerling, eine schöne Frau: Daraus besteht Kino. Gemischt mit Brutalität, Blut und Nationalgefühl: Daraus wird ein Kassenschlager. Der türkische Film "Tal der Wölfe" ist schon einer: Ein "Knaller", wie ein Kassierer im Düsseldorfer Ufa-Palast sagt. Abends ist der Saal voll, und selbst nachmittags wollen Zuschauer den Schauspieler Necati Sasmaz als Polat Alemdar sehen.
Allerdings sind keine Jugendlichen mehr in Saal: Markus Marschall, Geschäftsführer des Kinos, hat beschlossen, dass unter 18-Jährige nicht mehr rein kommen. Seit Montag, als die Aufregung um den Film auch ihn erreicht hat. Absetzen aber will Marschall den Streifen nur, wenn die "Stimmung eskalieren sollte". Bisher geht der Kino-Betreiber davon aus, dass sich das "Tal der Wölfe" eher ausdehnen wird - denn im März soll der Streifen in deutscher Synchronisation vorliegen. "Da wollen viele Deutsche rein", bestätigt der Kassierer. Bisher gibt’s den Film nur mit deutschen Untertiteln. "Das schreckt viele ab."
Hans Josef Weiers aber zieht der Film an. Er ist Pastor im Ruhestand und wollte sich Polat Alemdar anschauen, "um mitreden zu können". Ähnliche Gründe trieben den Hildener Michael ten Hompel ins Kino: "Unglaublich brutal, einseitig - aber mit guten Effekten", urteilt er. Und: "Es geht total massiv gegen Amerika." Die Türken, die blieben den Deutschen irgendwie "doch fremd", sagt ten Hompel, "und damit meine ich nicht die Istanbuler".
In einem Mercedes-Geländewagen kommt der türkische Agent in Erdil im Irak an. Bei ihm sind zwei Kollegen, die eigentlich nur eines wollen: Genugtuung für eine Schande, die Amerikaner elf türkischen Elite-Soldaten angetan haben. Sie haben den Türken Säcke über die Köpfe gestülpt und sie zu einem Verhör abgeführt.
Das war eine wahre Begebenheit, die seinerzeit zu großer Empörung in der Türkei geführt hat. Auch andere Szenen, wie die ersten bekannt gewordenen Bilder aus dem Gefängnis Abu Graib stellt "Tal der Wölfe" nach: Vielleicht liegt es daran, dass einige Kinogänger die Bilder für Wirklichkeit halten. "Wir sehen jeden Tag im Fernsehen die amerikanische Version", sagt Sibelkir (19). "Jetzt wollten wir mal sehen, wie es wirklich ist im Irak."
Andere pflichten ihr bei. "Immer nur die US-Sicht", sagt Murat (29), "da kommt dieser gute Actionfilm aus einer anderen Perspektive gerade recht." Es sei nur eine Frage der Zeit gewesen, bis die Taten der Amerikaner "filmreif" geworden wären. "Natürlich ist das richtig, was in dem Film gezeigt wird", sagt auch Burak (21), der den Kino-Helden aus dem Fernsehen kennt. Burak ist noch etwas wichtig: Das Licht, in dem Muslime im Film dastehen, ist hell. Sie sind die Friedensstifter und Wahrer der Zivilisation. Ami-Boss Sam hingegen betet zwar seinen Heiland an, straft seine Worte von Frieden und Sicherheit aber durch seine Taten Lügen. Mittendrin also der schöne Türke, der für die Unschuldigen kämpft: Um so viel Ehre geht es sonst nur in amerikanischen Streifen.
"Was mich stört", sagt eine türkische Lehrerin, "ist, dass irgend jemand den Kampf der Kulturen ausgerufen hat. Und dass Türken diesem Kampf nun Nahrung geben."
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