Berlinale 2007: "Tuyas Ehe" gewinnt den Goldenen Bären
zuletzt aktualisiert: 17.02.2007 - 20:06Berlin (RPO). Der Goldene Bär der 57. Internationalen Filmfestspiele Berlin geht an den chinesischen Film "Tuays Ehe". Das wurde am Samstagabend bei der Preis-Gala im Berlinale-Palast bekannt gegeben. Zuvor hatte Nina Hoss den silbernen Bären als beste Darstellerin bekommen.
Der Goldene Bär für den besten Film der 57. Berlinale ist am Samstagabend überraschend an die chinesische Produktion «Tuyas Ehe» von Wang Quan'an gegangen. Der deutsche Film war auch in diesem Jahr erfolgreich: Nina Hoss gewann für ihre Rolle als unglückliche Ehefrau in «Yella» einen Silbernen Bären. «El otro» vom argentinischen Regisseur Ariel Rotter erhielt gleich zwei Silberne Bären: Den großen Preis der Jury und einen weiteren für Hauptdarsteller Julio Chavez. Bester Regisseur war der israelische Filmemacher Joseph Cedar.
Darüber hinaus gewannen David Mackenzie für die beste Filmmusik in «Hallam Foe» (GB) und das Schauspielerensemble von «The Good Shepherd» für die beste künstlerische Leistung weitere Silberne Bären. Die Publikumslieblinge «Irina Palm» von Sam Gabarski mit der gefeierten Marianne Faithfull in der Hauptrolle und «Ich habe den englischen König bedient» von Jiri Menzel gingen dagegen leer aus. Auch die vier im Wettbewerb gestarteten französischen Filme erhielten keine Auszeichnung.
Der Siegerfilm, ein Familiendrama, erzählt die Geschichte der jungen Tuya, die mit ihren behinderten Mann, zwei Kindern und 100 Schafen in der Steppe in der Inneren Mongolei lebt. Als sie bei der Feldarbeit zusammenbricht und selbst Hilfe benötigt, beschließt das Ehepaar, sich scheiden zu lassen. Verschiedene Männer bewerben sich, weigern sich aber, auch für ihren Mann zu sorgen. Ein ehemaliger Schulfreund schließlich schafft es, Tuya zu überzeugen, einen Platz im Pflegeheim für ihren Mann zu suchen. Zusammen ziehen sie in die Stadt.
Hoss setzt Siegesserie fort
Nina Hoss setzte die Siegesserie deutscher Schauspielerinnen bei der Berlinale fort. Nachdem vor zwei Jahren Julia Jentsch (»Sophie Scholl») und letztes Jahr Sandra Hüller (»Requiem») die begehrte Trophäe als beste Darstellerin gewannen, setzte sich nun die 31-jährige Hoss durch. Sie spielt in «Yella» eine junge Frau aus Brandenburg, die aus ihrer zerrütteten Ehe fliehen will und in Hannover einen neuen Job gefunden hat. Sie arbeitet als persönliche Assistentin eines Risiko-Investor, in den sie sich verliebt. Hoss sagte nach der Preisübergabe: «Mein Herz schlägt so doll. Ich dachte, ganz sicher Marianne Faithfull würde hier stehen.» Dies sei eine ganz wichtige Arbeit für sie gewesen. «Ich bekommen den Preis für eine Arbeit, die mir sehr am Herzen liegt - das ist fantastisch.»
«El Otro»-Regisseur Ariel Rotter sagte, die Preise seien nur Hauptdarsteller Chavez zu verdanken. Es habe fünf Jahre gedauert, den Film zu machen. «Es ist ein Film über unsere Eltern, unsere Ängste und unsere Kinder.» In dem Film spielt Chavez einen Mann in einer Midlife-Crisis, der seine schwangere Frau verlässt und bei einer Reise in die Provinz die Identität eines anderen annimmt.
Auch der amerikanische Film «The Good Shepherd» von Robert de Niro über die Entstehungsjahre des Geheimdienstes CIA bekam einen Silbernen Bären: Martina Gedeck nahm ihn für das Schauspielerensemble für die beste künstlerische Leistung entgegen. De Niro habe den Schauspielern außergewöhnlich viel Freiraum gegeben, die Rollen zu entwickeln, lobte Gedeck. Einen Silbernen Bären für die beste Regie erhielt auch der 1968 in New York geborene Israeli Joseph Cedar. In seinem Film «Beaufort» erzählt er über die letzten Wochen einer israelischen Festung im Libanon im Jahr.
Insgesamt starteten 22 Filme im Wettbewerb der 57. Internationalen Filmfestspiele in Berlin. Das Festival endet am (morgigen) Sonntag mit einem Publikumstag.
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