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Bernd Eichinger Panorama dapd 2010
  Foto: dapd, dapd
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Zum Tode von Bernd Eichinger: Tycoon, Macher, Marlboro

VON PHILIPP HOLSTEIN - zuletzt aktualisiert: 26.01.2011 - 08:05

(RP). Er war der wichtigste Mann des deutschen Kinos. Eichinger produzierte die Welterfolge "Der Name der Rose", "Die unendliche Geschichte" und "Der Untergang". Er verwirklichte seine Vision von großem Kino in Deutschland. Nun erlag der 61-Jährige einem Herzinfarkt.

Der Eichinger ist tot, und man will das gar nicht glauben, weil man ihn heimlich doch bewundert hat für seine Energie, die Furchtlosigkeit, und weil er ein Antreiber und Auftreiber war und Macher und Könner und irgendwie unverletzbar wirkte und sicher.

Eichinger war die Personifizierung des Prinzips München: Rumstehen im "Schumann's", weißes Hemd, zweireihiges Sakko, dazu Jeans und weiße Turnschuhe und im Mundwinkel die Marlboro. Man muss das nicht mögen, aber jeder, der ehrlich ist, wird zugeben: Der Eichinger hat das alles mit Würde präsentiert, mit Lässigkeit, der hatte was.

Bei Männern ist es ein Prädikat, wenn sie sich untereinander beim Nachnamen rufen, eine Gunstbezeugung, und Bernd Eichinger war halt der Eichinger: wichtigster Mann im deutschen Kino, Produzent der Welterfolge "Der Name der Rose" und "Die unendliche Geschichte", Autor und Macher von "Der Untergang" und "Baader Meinhof Komplex". 70 Millionen Menschen sahen allein im deutschen Sprachraum Filme von Eichinger.

Je länger man darüber nachdenkt, dass er nun tot ist, desto sicherer meint man zu wissen: So einen gibt es gar nicht mehr, einen mit derart klarer Vision. Eichinger wollte großes Kino für Deutschland in einer Zeit, als die Filmbranche in anderen Kategorien dachte, große Unterhaltung, Handschlag mit Hollywood.

Der Internatszögling aus dem Bayerischen Wald kam Anfang der 70er Jahre an die Hochschule für Film und Fernsehen in München. Er und seine Kommilitonen wurden bei der Aufnahme gefragt, was sie denn alles lernen möchten, und die Kommilitonen antworteten, was sie alles lernen wollten, nur Eichinger nicht. Der sagte: "Ich habe gehört, sie bezahlen jedem drei Filme, deshalb bin ich gekommen." So einer war der.

Ende der 70er Jahre übernahm er die Firma Constantin, er lieh sich 1,5 Millionen Mark und bekam 25 Prozent der Anteile, und dann legte er los, Träume verwirklichen. Sein erster großer Film war "Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo", Eichinger trieb die sechs Millionen Mark Produktionskosten auf, irgendwie, Uli Edel führte Regie, und das Ding wurde ein Hit, spielte sechsmal so viel ein.

Und wenn ihn wieder jemand "Kommerzkönig" nannte, dann hätte Eichinger antworten können, dass diese erste Großtat heute noch eine Inspiration für andere Künstler ist, dass etwa Raf Simons, der Chefdesigner von Jil Sander, seine eigene Firma "Detlef" genannt hat, weil er so toll fand, wie sich der Freund von Christiane F. bei Eichinger kleidete.

Eichinger vertraute seinem sagenhaften Gespür dafür, was bei den Menschen ankommt, was sie bewegt und was sie sehen möchten. Er nahm beim nächsten Projekt 50 Millionen Mark in die Hand, "Das Geisterhaus", die Adaption des Romans von Isabel Allende, in den Hauptrollen Meryl Streep, Glenn Close, Jeremy Irons, Winona Ryder. So geht das, wird er sich gedacht haben, als der Erfolg kam, genau so, und dann machte er ein Büro in Los Angeles auf.

Er setzte literarische Stoffe um, "Der Name der Rose" mit Sean Connery etwa, und als mancher meinte, das sei ja langweilig und Schema F und so, straffte er mit einem Lächeln das Gesicht und sagte: "Ich verfilme nicht einfach, ich schaffe neue Werke."

Man sah ihn oft in den bunten Blättern, sein bevorzugter Lebensraum schien der Rote Teppich zu sein, an seiner Seite die schönsten Frauen Deutschlands: Barbara Rudnik, Hannelore Elsner, Katja Flint, Corinna Harfouch. Aber das täuschte. Er konnte feiern, jaja, aber er war eigentlich ein Workaholic.

"Man muss seinen Napoleon gelesen haben", sagte er, und im Büro an der Münchener Freiheit baute er die Constantin zu einem gewaltigen Medienverbund aus: Produktion, Verleih, Kinobau und -betrieb, Video, DVD, die ersten Multiplexe. Wer in Deutschland ins Kino geht, kommt an Eichinger nicht vorbei.

In den vergangenen Jahren verwirklichte er Herzenswünsche, Eichinger verstand sich als Geschichtenerzähler und als Erzähler von Geschichte. 20 Jahre jagte er den Rechten am Roman "Das Parfüm" von Patrick Süskind hinterher, und als er in L. A. hörte, da tue sich was, jettete er sofort nach Zürich zum Diogenes-Verlag, legte zehn Millionen hin, so heißt es, und machte den Film.

Und er drehte den "Untergang" mit Bruno Ganz als Hitler und "Baader Meinhof" mit Martina Gedeck als Ulrike Meinhof. Nicht wenige Menschen haben heute seine Bilder im Kopf, wenn sie an Nazizeit und RAF denken.

Eichinger führte bei diesen beiden Produktionen zwar nicht Regie, aber er schrieb am Drehbuch mit, begutachtete die Muster, überwachte den Schnitt. Man kann sich nur schwer vorstellen, wie tief seine Befriedigung war, als beide Arbeiten für den Oscar nominiert wurden. Der Oscar war sein Traum, womöglich der einzige, den er sich nicht erfüllen konnte.

Der Tycoon ist tot. Er erlag vorgestern Abend bei einem Abendessen mit Freunden und Familie in Los Angeles einem Herzinfarkt. Der Eichinger wurde 61 Jahre alt.

Quelle: RP

 
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