Spanischer Streifen "Mar Adentro" erhält Großen Preis der Jury: "Vera Drake" gewinnt "Goldenen Löwen"
zuletzt aktualisiert: 13.09.2004 - 12:02Venedig (rpo). Finale bei den 61. Filmfestspielen von Venedig: Der britische Regisseurs Mike Leigh hat mit seinem Film "Vera Drake" den "Goldenen Löwen" gewonnen. Der Film handelt über Abtreibungen im London der 50er Jahre.
Die britische Darstellerin Imelda Staunton wurde für ihre Hauptrolle als Putzfrau, die jungen Mädchen heimlich zu Abtreibungen verhilft, am Samstagabend im La Fenice-Theater als beste Schauspielerin geehrt. Zweiter großer Gewinner des Abends war der spanische Streifen "Mar Adentro" von Alejandro Amenabar, der mit dem Großen Preis der Jury und dem Preis für den besten männlichen Hauptdarsteller ausgezeichnet wurde.
"In einer zynischen Welt ist es eine wunderbare Sache und sehr ermutigend, wenn ernsthafte, ehrgeizige, unabhängige europäische Low-Budget-Filme geehrt werden", sagte Leigh bei der Preisverleihung im La Fenice-Theater von Venedig. Er nahm die Auszeichnung aus den Händen von Sophia Loren entgegen. "Vera Drake" habe er unter extrem harten Bedingungen mit einem "lächerlich kleinen Budget" gedreht. Er habe mit seinem Film zu einem heiklen Thema Fragen stellen wollen und nicht vorschnelle Antworten geben. Leigh dankte dem Filmfestival von Cannes, das seinen Film abgewiesen hatte. "So konnten wir heute Abend hier sein. Danke Venedig!"
Leigh setzt sich in "Vera Drake" kritisch mit dem Thema Schwangerschaftsabbruch auseinander. Polizei und Justiz verfolgen die Protagonistin wegen illegaler Abtreibung; der Streifen fällt dazu jedoch kein Urteil. Mit seiner Regie bringt Leigh den Zuschauer in das Dilemma, selbst entscheiden zu müssen, ob die Hausfrau Vera Drake mit ihrem dunklen Geheimnis eine Verbrecherin oder ein Gutmensch ist.
"Ein Genie"
Hauptdarstellerin Imelda Staunton nannte den britischen Regisseur, der 1996 bereits die "Goldene Palme" von Cannes gewonnen hatte, "ein Genie". Selbst der Vatikan lobte den britischen Filmemacher für sein "interessantes und schwieriges" Werk. Leigh habe Propaganda vermieden und werfe stattdessen Fragen auf, kommentierte der Rundfunk des Vatikan diese Woche.
Für seine Darstellung eines querschnittsgelähmten Autors, der um sein Recht eines würdigen Todes kämpft, erhielt der spanische Darsteller Javier Bardem in Alejandro Amenabars Film "Mar Adentro" die Coppa Volpi des besten männlichen Schauspielers. Der Spanier Amenabar erhielt für sein Werk zudem den Großen Preis der Jury. Der Streifen basiert auf der wahren Geschichte von Ramón Sampedro, der 1998 nach Veröffentlichung seiner Werke in "Letters from Hell" (Briefe aus der Hölle) starb.
Den Spezialpreis für die beste Regie erhielt der Südkoreaner Kim Ki Duk für seine poetische Erzählung über Liebe und Einsamkeit, "Binjip". Der Streifen gehörte zu den beliebtesten des Festivals. Trotz einer konzertierten Kampagne führender italienischer Zeitungen ging der italienische Film "La Chiave di Casa" (Der Hausschlüssel) leer aus.
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