"Rohtenburg" überzeugt nicht: Verbot gilt einem schwachen Film
zuletzt aktualisiert: 03.03.2006 - 15:00Frankfurt/Main (rpo). Dass der Kannibalenfilm "Rohtenburg" vorerst nicht in die Kinos kommen wird, ist ein harter Schlag für den Senator Filmverleih. Für die Zuschauer wiegt das Verbot weniger schwer, denn das Regiedebüt des Berliners Martin Weisz ist alles andere als überzeugend.
Der Film mit Deutschlands neuem Hollywood-Star Thomas Kretzschmann in der Hauptrolle leidet an dem schlechten Drehbuch. Denn dieses geht viel zu halbherzig mit einer Geschichte um, die ja ebenso faszinierende wie abstoßende Aspekte besitzt. Produzent Marco Weber hat, sicherlich unfreiwillig, selbst diese Schwäche eingestanden: "Während der Arbeiten an dem Drehbuch haben wir festgestellt, dass es nicht möglich ist, diese Geschichte ohne Filter zu erzählen." Wohl deshalb kam es zu der völlig verunglückten Entscheidung für eine Rahmenhandlung, in der eine junge Amerikanerin, die Kriminalpsychologie studiert, der unbegreiflichen Tat des Kannibalen nachforscht.
Mit dieser von Keri Russell gespielten Studentin will "Rohtenburg" eine Sympathiefigur bieten, lenkt aber nur Zeit raubend ab von der eigentlichen Geschichte, nämlich der zwischen dem Mann, der sich das Fleisch eines anderen Mannes einverleiben will, und dem Mann, der von der Vorstellung besessen ist, getötet zu werden, um dieses Fleisch zu sein. Die Frage, ob es sich bei dem grausigen Geschehen um Mord, Totschlag oder um eine besonders bizarre Variante von Tötung auf Verlangen gehandelt hat, beschäftigt bekanntlich noch immer das Frankfurter Landgericht.
Alberne Rahmenhandlung statt ethische Reflektion
Bei der juristischen Entscheidungsfindung werden ethische Grenzbezirke berührt. Statt der albernen Rahmenhandlung mit der US-Studentin, mit der ungeniert auf das amerikanische Kinopublikum geschielt wurde, hätte besser das hochbrisante Urteil in dem Revisionsverfahren abgewartet und zum Ausgangs- oder Schlusspunkt der Handlung gemacht werden sollen. Den größten Schaden an diesem Schnellschuss mit Platzpatronen nehmen die beiden hervorragenden Darsteller Thomas Kretzschmann als Kannibale und Thomas Huber als sein williges Opfer.
Kretzschmann hat nicht nur eine gewisse äußere Ähnlichkeit mit dem realen Menschenverschlinger von Rotenburg. Er bewegt sich auch wie dieser, obwohl der Schauspieler nach eigener Auskunft keine Fernsehaufnahmen von Meiwes gesehen haben will. Nicht weniger eindrucksvoll ist das Spiel von Thomas Huber, der vielleicht die noch schwerere Aufgabe hat. Wie kann man einen Mann darstellen, der bei lebendigem Leib den Penis abgeschnitten bekommt und diesen dann auch noch in gebratenem Zustand zusammen mit seinem späteren Mörder essen will?
Natürlich ist das die unappetitlichste Szene des Films, der am Ende eine kaum noch erträgliche Zumutung ist. Doch die bleibt nun dem Publikum erspart. Aber alle Erfahrung spricht dafür: Die Zuschauer werden noch einige Male mit dieser schrecklichen Tat konfrontiert werden.
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