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"Verfehlung" - In der Kirche tobt das Fegefeuer

"Verfehlung" mit Sebastian Blomberg - In der Kirche tobt das Fegefeuer
FOTO: Verleih
Die drei befreundeten Männer am Kneipentresen wirken jung, nett, weltoffen. So als ob sie eine Sonntagsmesse abhalten könnten, die auch Jugendliche interessiert. Die Drinks kreisen, es wird über das letzte Fußballtraining gewitzelt. Oliver (Jan Messutat) arbeitet sich in der Bistumsverwaltung die Karriereleiter hoch. Jakob (Sebastian Blomberg) ist Gefängnisseelsorger aus Überzeugung, Dominik (Kai Schumann) leitet eine Gemeinde im Problemviertel und wird für sein Engagement bei Teenagern gelobt. Von Renée Wieder

Am Tag nach der Kneipentour bekommt das klerikale Männeridyll Risse, als Dominik (Kai Schumann) von einem Jungen aus seiner Gemeinde des sexuellen Missbrauchs beschuldigt wird. Dominik wiegelt ab, doch getrieben von Zweifeln geht Jakob gegen den Widerstand der Kirchenoberen dem Fall nach. Er findet heraus, dass Dominik sich über Jahre an mehreren Kindern vergangen hat, und auch, dass der Skandal schon ebenso lange vertuscht wird. Sebastian Blomberg spielt den Jakob grandios: Als Mann, der sich dem Himmel nah wähnte und nun am Fegefeuer steht.

"Verfehlung" ist einer der packendsten, psychologisch aufwühlendsten Krimis der letzten Zeit. Und leider auch ein Film, der durch nie versiegende üble Schlagzeilen eine traurige Dauerbrisanz bekommt. Regisseur Gerd Schneider studierte selbst katholische Theologie und kennt als Priesteramtskandidat das Terrain bestens, auf das sein Kinodebüt sich wagt.

Der Film bewahrt sich bis zum Ende einen sachlichen Ton, unterscheidet aber vehement zwischen Tätern und Opfern. In quälend langen Einstellungen zeigt er die Jungen, die bei Dominiks Anblick in ihr Messdienergewand einnässen oder sich im Badezimmer mit einer Rasierklinge den Oberschenkel ritzen, um endlich einen anderen Schmerz zu fühlen als diesen. Er zeigt das Leiden ihrer Mütter und Väter, die aufbegehren und mit Geld und Worten zum Schweigen gebracht werden.

Vor allem stellt der Film alle unbequemen Fragen, die die Kirche bisher nicht richtig beantwortet hat.

Quelle: RP
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