Jugendfreigabe kritisiert: Verleiher von "Tal der Wölfe" greift Stoiber an
zuletzt aktualisiert: 21.02.2006 - 08:24Düsseldorf/Wiesbaden (rpo). Der türkische Actionfilm "Tal der Wölfe" sorgt weiter für Aufruhr: Der Verleiher des Streifens Anil Sahin griff CSU-Chef Edmund Stoiber an. Dessen Forderung, der Filme dringend abgesetzt werden, wurde zurückgewiesen. Stattdessen zweifelte Sahin an der westlichen Demokratie.
"Da stimmt doch was nicht: Wenn ein Cartoon-Zeichner zwei Milliarden Moslems beleidigt, ist das Meinungsfreiheit", sagte der Verleiher. Wenn aber ein Actionfilm einen Amerikaner aufs Korn nehme, werde von Volksverhetzung gesprochen. Durch die Forderung, den Film nicht zu zeigen, spiele Stoiber "mit seiner Kritik der rechten Szene in die Hände", sagte Sahin der "Rheinischen Post". Er betonte: "Ich mache mir Sorgen um die Zuschauer und die Kinobetreiber."
Währenddessen hat die nordrhein-westfälische Landesregierung am Montag Schritte gegen die Jugendfreigabe des umstrittenen türkischen Kriegsfilms "Tal der Wölfe" eingeleitet. Das Familienministerium stellte als oberste Landesjugendbehörde einen Antrag an den Appellationsausschuss bei der Freiweilligen Selbstkontrolle (FSK) der deutschen Filmwirtschaft, wie FSK-Verwaltungschefin Inge Kempenich sagte. Ziel des Antrages ist laut Minister Armin Laschet (CDU), den "sozial desorientierenden Film" nicht für Jugendliche, sondern erst für Zuschauer ab 18 Jahren freizugeben.
Nach Ansicht Laschets ist der Film jugendgefährdend. Zahlreiche Gewaltszenen könnten junge Zuschauer beeinträchtigen. Zudem könne der Film dazu beitragen, den Dialog der Kulturen zu stören sowie den Konflikt zwischen den Religionen durch Feindbilder zu schüren.
Der Appellationsausschuss muss laut Kempenich nun innerhalb eines Monats entscheiden. Sieben FSK-Mitarbeiter befinden demnach nach einer erneuten Ansicht des Films über dessen Altersfreigabe.
Nachdem die FSK in einer ersten Bewertung mit der Einstufung "KJ" (Keine Jugendfreigabe) unter 18-Jährigen den Besuch des Films verboten hatte, war der türkische Filmverleih in die Berufung gegangen. Darin hatten die Anwälte der Verleihfirma Maxximum nach Medienangaben argumentiert, die Polarisierung und die parteilichen Aussagen des Films seien durch das Recht auf Meinungsfreiheit gedeckt.
"Tal der Wölfe" ist am 9. Februar in Deutschland angelaufen. Seitdem haben nach Angaben der Verleihfirma rund 240.000 Kinobesucher den Film gesehen. In dem Actionstreifen kämpft ein türkischer Geheimdienstagent im Irak gegen die als grausam dargestellte US-Armee.
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