Filmfestspiele: Viel Hollywood in Venedig
VON RUPERT KOPPOLD - zuletzt aktualisiert: 30.08.2006 - 15:55Venedig (RP). "Wir machen uns auf zu einem neuen Abenteuer für die Augen, diesen Antennen für eine globale Vision. Und die 'richtigen' Filme, diese ganz und gar einzigartigen Objekte, die wir so dringend brauchen, werden auf jeden Fall da sein." So kündigt Marco Müller die heute beginnenden 63. Filmfestspiele von Venedig an. Bescheidenheit ist nicht die größte Tugend des Festivalchefs, der vor zwei Jahren die Aufgabe übernommen hatte, die in Turbulenzen geratene Biennale zu konsolidieren.
Und das heißt für das älteste Filmfest der Welt: den Spagat hinkriegen zwischen künstlerischem Anspruch und Glamour, ohne dass es dabei allzu laut in den Gelenken knirscht. Drei Jahre lang hatte Müllers Vorvorgänger Alberto Barbera gegen viele Widerstände versucht, Venedig zum Spielort für ein anderes, exotischeres, experimentelleres Kino zu machen und dabei das Blockbusterkino als notwendiges Übel mitlaufen lassen. Danach durfte sich Moritz de Hadeln zwei Jahre lang damit abmühen, den Wünschen nach persönlichen Visionen und denen nach Populärkino gerecht zu werden.
"So viel Hollywood gab's noch nie" Nur letzteren Wunsch zu erfüllen, das sei so etwas wie die "Erbsünde" vieler Festivals, sagt nun Marco Müller und lässt natürlich doch wieder Stars wie Sharon Stone, Antony Hopkins oder Meryl Streep ankündigen. "So viel Hollywood gab es noch nie in Venedig", meldet gar eine Nachrichtenagentur.
Aber Kunst und Glamour schließt sich nicht aus, was vielleicht schon Brian de Palmas "The Black Dahlia" zeigen könnte, ein mit Scarlett Johansson, Hilary Swank und Josh Hartnett besetztes Werk nach einem brillanten James-Ellroy-Thriller, mit dem die elftägige Biennale eröffnet wird. Es sind noch drei weitere US-Produktionen im 21 Filme umfassenden Wettbewerb um den Goldenen Löwen: Darren Aronofskys "The Fountain", Allen Coulters "Hollywoodland" und Emilio Estevez' "Bobby"; dazu eine amerikanisch-britische Koproduktion: Alfonso Cuaróns "Children of Men".
Das sonst traditionell (und jedenfalls zahlenmäßig) gut vertretene Gastgeberland tritt diesmal nur mit Emanuele Crialeses "Nuovomondo" an. Geht man allerdings nicht nach den Namen der Produktionsländer, sondern nach denen der Regisseure, dann ist mit Gianni Amelio ("La stella che non cè") doch noch ein bekannter italienischer Name im Rennen.
Deutschland nicht im Wettbewerb Nach diesem Kriterium wäre auch das offiziell nicht im Wettbewerb präsente Deutschland ein bisschen dabei: Der Film "Quei loro incontri" von Jean-Marie Straub und Danièle Huillet ist zwar eine französisch-italienische Produktion, aber das Regieduo hat sich mit Filmen wie "Klassenverhältnisse" und "Die Chronik der Anna Magdalena Bach" auch in die deutsche Filmgeschichte eingeschrieben.
Um den Goldenen Löwen konkurrieren auch noch bekannte Regisseure wie Stephen Frears ("The Queen"), Alain Resnais ("Private Fears in Public Places"), Johnnie To ("Fanghzu"), Paul Verhoeven ("Zwartboek") und die junge Barbara Albert aus Österreich ("Fallen"), die 1999 am Lido mit "Nordrand" international bekannt wurde.
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