"The Secret Lives of Pippa Lee": Warum Keanu Reeves wieder bei Mama einzieht
VON PHILIPP HOLSTEIN - zuletzt aktualisiert: 10.02.2009 - 12:25Berlin (RPO). Eben am Roten Teppich gewesen. Keanu Reeves kam an. Er stellte seinen neuen Film "The Secret Lives of Pippa Lee" bei der Berlinale vor. Ein unterhaltsamer Film über eine besondere Frau. Keanu Reeves spielt einen 36-Jährigen mit Jesus-Tattoo auf der Brust, der wieder bei Mama einzieht.
Es war ziemlich kalt. An der Seite von Keanu Reeves schritten die Regisseurin des Films, Rebecca Miller, die so aussieht, wie ich mir ein weibliches Mitglied der intellektuellen New Yorker Society vorstelle. Gelockte Haare und ein Herrenanzug, der ironisch gemeint sein könnte. Außerdem dabei: die Hauptdarstellerin Robin Wright Penn. Winona Ryder, Julianne Moore und Monica Bellucci sind leider zuhause geblieben, obwohl sie auch mitspielen in „Pippa Lee“.
Keanu Reeves sieht ziemlich umwerfend aus, das muss man ihm lassen. Leider waren nicht so ganz viele Fans gekommen. Im Fernsehen sieht es immer so aus, als sei der Platz vor dem Berlinale Palast übervoll. Meistens stehen da aber nur ein paar Dutzend Leute. Sie schrien „Kanu, Kanu“. Er machte sich einen Spaß daraus, auf sie zuzurennen und kurz vor der Absperrung mit offenem Mund stehen zu bleiben. Schönes Fotomotiv.
Keanu Reeves trug Vollbart. Wobei das eigentlicher eher zwei große Koteletten waren, die sich nicht ausstehen können und deshalb nicht zusammenwachsen mögen. Im schwarzen Gesichtspelz war viel freie Haut zu sehen. Keanu Reeves hat offenbar Probleme mit dem Bartwuchs. Außerdem trug er wohl neue Lederschuhe zum Anzug. Jedenfalls ging er wie auf Eiern, um nicht auf dem Roten Teppich auszurutschen. Das macht ihn sympathisch.
Überhaupt ist er ja einer derjenigen, die man auch als Mann vorbehaltlos gut finden kann. Johnny Depp gehört auch zu dieser Gruppe. Exoten sind das, die ungewöhnliche Rollen wählen und nicht festzulegen sind. Er nahm sich Zeit, geht immer wieder zurück zu den Fans, ließ sich fotografieren, unterschrieb Zeitschriften.
Seine Kolleginnen wirkten ein wenig genervt. Das dauerte ihnen zu lange. Es hatte schließlich zwei Grad minus, und sie trugen leichte Kleider. Die Berliner Boulevard-Zeitungen bringen nach solchen Abenden gern Schauspielerinnen auf den Titelseiten. Dort, wo man die Brustwarzen vermuten kann, sind rote Kreise. Sowas wie „Brrr, ist das kalt auf dem Roten Teppich!“ steht dann daneben.
Mit Keanu Reeves war nach Tagen der Promiflaute wieder mal ein Weltstar bei der Berlinale. Zuletzt war am Freitag Kate Winslet da. Sie hat so was professionell Menschenfreundliches. Bei ihr hatte man den Eindruck, die sagt sich „so, jetzt sei mal volksnah“, bevor sie rausgeht. Bei Keanu Reeves war das anders. Er wollte gerade ins Kino gehen, das bemerkte er einen Fotografen, der zu spät gekommen war. Der war ein Hektiker, sorgte sich um seine Bilder und rief panisch, „Kanu, Kanu, bitte!“ Da rannte Keanu Reeves also noch mal los und stoppte kurz vor dem Fotografen ab. Das fand ich nett.
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