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Elyas M'Barek im Interview
"Wir sollten weniger auf Lehrern rumhacken"

Das war die Premiere von "Fack Ju Göhte 3"
Das war die Premiere von "Fack Ju Göhte 3" FOTO: dpa, hoe hjb
Düsseldorf. Der Schauspieler Elyas M'Barek spricht im Interview über das Ende der "Fack ju Göhte"-Reihe, seine Vorbildfunktion und Benachteiligungen im Filmgeschäft. Von Martin Schwickert

Im Film heißt er einmal mehr Zeki Müller, tatsächlich aber hat Elyas M'Barek von seiner Paraderolle langsam genug. Zweimal war der heute 35-Jährige bereits als Aushilfslehrer Müller im Kino zu sehen, beide Filme waren Riesenerfolge. Teil eins sahen sieben Millionen Zuschauer, Teil zwei noch einige hunderttausend mehr. Nun kommt "Fack ju Göhte 3" in die Kinos. Es soll der letzte Teil der Reihe werden, so gab es kürzlich die Produktionsfirma bekannt.

Sind Sie nach diesem dritten und letzten Teil von "Fack ju Göhte" ein bisschen wehmütig?

M'Barek Es ist schon schade, dass die Kollegen, die einen so lange bei der Arbeit an den drei Filmen begleitet haben, jetzt nicht mehr Bestandteil meines Karrierelebens sind. Das Kapitel "Fack ju Göhte" ist vorbei. Andererseits fühlt es sich auch richtig an, weil wir, wie ich finde, mit dem dritten Teil einen würdigen Abschluss gefunden haben. Der Film hat so eine gute Message und entlässt einen mit einem positiven Grundgefühl.

Wie würden Sie diese Botschaft formulieren?

M'Barek Es ist wichtig, dass man an sich glaubt, an sich arbeitet, seine Ziele verfolgt und nicht aufgibt. Zeki Müller vermittelt seinen Schülern, dass sie kämpfen sollen, obwohl er sich auch nicht sicher ist, ob sie das mit dem Abi wirklich hinbekommen. Das ist eine wichtige Botschaft, gerade an Jugendliche.

Wie waren Sie denn so als Jugendlicher?

M'Barek Schon so ähnlich wie die Jugendlichen im Film. In der Pubertät besteht man ja nur aus Zweifeln. Das war bei mir nicht anders.

Und jetzt sind Sie mit Millionen Fans auf Facebook, Twitter und Instagram ein Vorbild. Hatten Sie früher ein Vorbild?

M'Barek Ich hatte nie Vorbilder. Ich glaube auch weniger an Vorbilder als an Inspirationen. Man kann sich von Menschen inspirieren lassen. Wenn einer, der so aussieht wie ich, sagt: "Schau mal, der hat das auch geschafft in dem Beruf" und sich daraufhin bei der Schauspielschule bewirbt, fände ich das schön. Aber ein Vorbild möchte ich nicht sein.

In dem Film geht es ums Erwachsenwerden. Das gilt nicht nur für die Schüler, sondern auch für Zeki Müller. Sind Sie durch den Erfolg von "Fack ju Göhte" auch noch ein wenig erwachsener geworden?

M'Barek Der Erfolg des Films hat natürlich einen großen Einfluss auf mein Leben gehabt. Ich werde auf der Straße erkannt. Ich kann nicht einfach im Park sitzen und die Leute beobachten. Es wird genau darauf geachtet, was ich so sage. Trotzdem sehe ich das alles sehr positiv. Die Erfahrungen, die ich mit "Fack ju Göhte" gemacht habe, haben mich reifer gemacht. Ich gehe mit vielen Dingen anders um. Aber es war für mich auch wichtig, mal so einen Erfolg zu haben. Die Jahre davor waren ja bei mir nicht von großen Erfolgen geprägt. Es ist gut zu merken, dass man damit umgehen kann. Ich genieße den Erfolg und bin gespannt, wie es weitergeht.

"Fack ju Göhte 3" beschäftigt sich auch mit dem Thema Mobbing. Sind Sie früher gemobbt worden?

M'Barek Zu meiner Schulzeit gab es das Wort noch gar nicht. Aber es gab natürlich Schüler, die nicht beliebt waren und oft eins auf die Mütze bekamen. Aber ich selbst habe das nicht am eigenen Leib erfahren.

Wird im Filmgeschäft gemobbt?

M'Barek Zu Beginn meiner Laufbahn war es für mich schwerer, an Rollen zu kommen. Durch mein Äußeres und meinen Namen war ich bestimmt auf eine gewisse Weise benachteiligt. Es gab einfach keine Rollen wie Zeki Müller für Leute mit Migrationshintergrund. Insofern bin ich benachteiligt, aber nicht gemobbt worden.

Fühlen Sie sich überhaupt als Mensch "mit Migrationshintergrund"?

M'Barek Ich finde das Wort furchtbar. Ich habe daraus eigentlich auch nie ein Thema gemacht. Ich bin in München aufgewachsen und habe mich immer als Münchner gefühlt. Aber irgendwann habe ich diesen Stempel aufgedrückt bekommen, und da hieß es plötzlich: Du hast jetzt Migrationshintergrund. Seitdem muss ich mich damit auseinandersetzen.

Sie haben vor der Bundestagswahl in einem Video sehr klar gegen die AfD Stellung bezogen. Nun hat die Partei bei der Wahl mehr als zwölf Prozent der Stimmen bekommen. Verändert sich für Sie die Sicht, wenn Sie mit dem Wissen durch die Straßen gehen, dass jeder Zehnte dort eine fremdenfeindliche Partei gewählt hat?

M'Barek Ich glaube nicht, dass jeder, der die AfD gewählt hat, automatisch ein Nazi ist. Aber das ändert nichts daran, dass ich mit den Inhalten, für die die AfD steht, nichts anfangen kann und einige davon auch verabscheuungswürdig finde. Es ist wichtig, darauf zu achten, was mit unserer Gesellschaft passiert und wo das Ganze hinführt. Vieles, was vor ein paar Jahren nie hätte gesagt werden können, ist mittlerweile wieder salonfähig. Ich finde das sehr traurig, was da gerade passiert. Aber ich fühle ich mich davon nicht bedroht, wenn ich durch die Straßen gehe.

Sie haben sich jetzt über drei Filme mit dem Beruf auseinandergesetzt und müssen es wissen: Was macht einen idealen Lehrer aus?

M'Barek Der ideale Lehrer motiviert seine Schüler, versucht deren Talente zu fördern und sie dort aufzufangen, wo sie hilflos sind. Lehrer ist ein sehr schwieriger Beruf. Man braucht viel Kraft, um das durchzuhalten. Wir sollten weniger auf Lehrern rumhacken. Man sieht das ja auch in "Fack ju Göhte": Die fieseren Menschen sind eigentlich die Schüler.

Martin Schwickert führte das Interview.

 
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