Drama "Der Dorflehrer" von Bohdan Sláma: Weglaufen funktioniert nicht
VON BARBARA GROFE - zuletzt aktualisiert: 27.08.2009 - 11:14(RP). Wenn die Sonne die Heuballen goldig leuchten und den See silbrig glitzern lässt, sieht sie schön aus, die tschechische Provinz und nach ziemlich viel heiler Welt. Wegen dieser Schönheit aber ist Petr nicht von Prag aufs Land gezogen. Nicht ihretwegen hat er sich von einem Prager Gymnasium an eine böhmische Dorfschule versetzen lassen.
Petr ist gegangen, weil sein Leben in Prag kaputt war. Die Freundin trennte sich, weil Petr sich als homosexuell outete, die neue Beziehung mit seinem Freund hielt aber nicht. Auf dem Land will Petr alles hinter sich lassen – und merkt schnell, dass das nicht funktioniert.
Der Tscheche Bohdan Sláma, Regisseur von Filmen wie "Wilde Bienen" und "Die Jahreszeit des Glücks", erzählt mit "Der Dorflehrer" eine sehr langsame, sehr bildlastige Geschichte von der ewigen Suche des Menschen nach Liebe. Und wenn nicht nach Liebe, dann doch nach Zuneigung, nach Ankommen. Auch Petr ist auf der Suche. Was er findet, ist die Bäuerin Marie. Und die Freundschaft zu ihr.
Nur wer die Natur verstehe, könne sich selbst verstehen – diese Weisheit gibt Petr seinen Schülern im Biologieunterricht mit. Der Lehrer allerdings versteht selbst einiges nicht: nicht seine Natur, seine sexuelle Identität, nicht seine Gefühle. Die Situation eskaliert, als der Lehrer Besuch von einem Freund bekommt – von seinem Ex-Freund aus der Stadt. Er steht für all das Unaufgeräumte, Ungeklärte in Petrs früherem Leben.
Pavel Liska spielt diesen Petr unsicher, fast linkisch. Die Probleme seiner Vergangenheit, die Zerrissenheit, die Kränkungen scheinen sich in sein Gesicht eingebrannt zu haben. Wer in Liskas Gesicht guckt, sieht den Schmerz – ihn anzuschauen grenzt fast an Voyeurismus. Auch Zuzana Bydovskás Marie, die Bäuerin, ist nicht bloß präsent, sie ist da – verletzlich und rau beinahe gleichzeitig. Beiden ist anzusehen, was in ihrem Leben schiefgelaufen ist.
Tschechien ist schön, aber Sláma beobachtet es zu andächtig. Seine Kamera labt sich an der Natur. Er hätte seinen Schauspielern vertrauen sollen.
Bewertung: 3 von 5 Sternen
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