29-jährige Schauspielerin mimt ihren eigenen Klon: Weltpremiere von Franka Potente-Film "Blueprint" in Münster
zuletzt aktualisiert: 09.12.2003 - 14:15Münster (rpo). Am Montagabend wehte ein Hauch von Hollywood durch das westfälische Münster. Franka Potente war in ihre Heimatstadt gekommen, um die Weltpremiere des neuen Films "Blueprint" zu feiern, in dem die 29-Jährige ihren eigenen Klon spielt.
Ein halbes Jahr lang hat Franka Potente für die Rolle der Meisterpianistin Iris Sellin Klavierunterricht genommen. Dann brauchte sie für die Finger-Szenen am Flügel aber doch ein Double - passend zum Thema. Letztlich spielt die Schauspielerin in ihrem neuen Film "Blueprint" sogar ihr eigenes Double. Der Streifen von Regisseur Rolf Schübel thematisiert das Leben des weltweit ersten Klons, Siri Sellin, Tochter der Pianistin Iris. Der Film - frei nach der Romanvorlage von Charlotte Kerner - kommt am 1. Januar in die deutschen Kinos. Am Montag feierte der Film in der westfälischen Heimat Potentes Weltpremiere.
Für eine Überraschung sorgte die 29-Jährige, als sie ihren neuen Freund Olaf Heine (35) mit zur Premiere brachte. "Das ist meiner", sagte sie lächelnd mit Blick auf den Berliner Fotografen. Sie hätten sich in Los Angeles kennen gelernt. Demnächst wolle sie sich in Berlin eine eigene Wohnung suchen. Das Leben in den USA habe sie hinter sich gelassen. Die Schauspielerin hatte nach der Trennung von dem deutschen Regisseur Tom Tykwer ein Jahr in Amerika gelebt. In den USA war sie vorübergehend mit dem Schauspieler Elijah Wood ("Herr der Ringe") liiert.
Starke Dialoge, schauspielerische Fähigkeiten
"Für eine Bach-Fuge reicht es noch nicht", sagte Potente zu ihren Klavierkünsten. In "Blueprint" brilliert die 29-Jährige dafür mit ihren schauspielerischen Fähigkeiten. Vor allem in der Rolle der jüngeren Siri, die als verstörte Einsiedlerin in den Wäldern Kanadas lebt und Wapitis fotografiert - fühlt sie sich sichtlich wohl. Siris Mutter, die egozentrische Musikerin, der selbstverliebte "General", wie Potente sagt, ist der Schauspielerin dagegen eher fremd. "So jemanden möchte ich nicht kennen lernen." Ihr selbst gestecktes Ziel, das Original künstlicher wirken zu lassen als die Kopie, hat Franka Potente erreicht.
Starke Dialoge im nicht heilbaren Mutter-Tochter-Konflikt, kraftvolle Bilder, traumhafte Kulissen an den Seen Kanadas und den Wasserschlössern des Münsterlandes sowie viel Gefühl machen "Blueprint" zu einem sehenswerten Film. Vielen Premierengästen fehlte aber das eine oder andere Überraschungsmoment in der Handlung. Auch die wissenschaftliche Diskussion zum Reizthema Klonen, in dem Film von Ulrich Thomsen in der Figur des erfolgsbesessenen Reproduktionsmediziner Martin Fisher ("Was gedacht werden kann, muss auch gemacht werden.") personifiziert, kam einigen zu kurz.
"Mich hat vor allem die Gefühlslage eines solchen Klons interessiert", sagt Produzentin Heike Wiehle-Timm. Und Regisseur Rolf Schübel fügt hinzu: "Mich hat der technisch-wissenschaftliche Aspekt nur am Rande beschäftigt." Hauptdarstellerin Franka Potente selbst hat eine klare Meinung zum Klonen: "Ich finde es widernatürlich. Es gibt viel mehr Fragen als Antworten."
Die Doppelrolle war für Potente, die viele der Drehorte im Münsterland aus ihrer Jugend kennt, eine echte Herausforderung. "Klonen kann man nicht spielen", sagt sie. Die langen Stunden in der Maske, die völlig unterschiedliche Körperlichkeit von Mutter und Tochter und schließlich auch die Zeit am Set in Kanada seien anstrengend aber auch faszinierend gewesen. Für Regisseur Rolf Schübel war nach eigener Auskunft das Thema entscheidend: "Wie vermessen muss jemand sein, dass er sich für so einmalig hält, dass er von einer Reproduktion seiner selbst träumt?", fragt er - und gibt die Antwort mit seiner Hauptfigur.
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